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Inhalt / Download : Mitteilungen aus dem Museum für Völkerkunde Hamburg, 20.1990 N.F.

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sich aber an einzelnen alten Bauten des Mittelalters, welche im 
Stil und der Entstehungszeit nahe zusammengehören mehrere ganz 
gleiche Zeichen finden, wie ich sie in der Zeit der Frühgothik in 
Sachsen nachzuweisen vermag —, so zeigt sich, daß schon damals 
in den wandernden Hüttengemeinschaften das Zeichen den Gesellen 
angiebt, der den Stein behaute; ohne daß man sreilich dabei zu 
glauben hat, es sei seine Absicht gewesen sich von einem weiteren 
Kreise von Fachgenossen durch sein Zeichen zu unterscheiden. Erst 
insolge der dichteren Verteilung der Laienhütten über ganz Deutsch- 
laud und namentlich erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts 
beginnen die Zeichen Formen anzunehmen, welche aus dem Grund 
genommen sein müssen. 
Wie der „Schlüssel" der Hütte, so waren deren geome- 
trischen Künste überhaupt „Geheimnis". Es ist uns das Ver- 
mächtnis eines rheinischen Steinmetzen an seinen Sohn erhalten28), 
in welchem dieser sein Wissen auf jenen zu übertragen strebt. 
Vergeblich suchen wir hierin tiefsinnige Offenbarungen. Was er 
zu lehren bemüht war, deckt sich mit dem, was wir heute Kon- 
strnktionsknnde nennen würden. Wie man für jeden Fall die 
rechte Mauerstärke finde, wie man ein Gewölbe auszureißen habe 
und dergleichen, — das sind die Kenntnisse, welche der Wissende 
vor Anderen voraus hatte. Wer die Baugeschichte der Zeit nach 
dem dreißigjährigen Krieg, des Verfalles der Hütten und ihres 
Wissens kennt, der weiß, wie viel Unfälle, ja Einstürze von Kirchen 
und Palästen die Folge der zurückgekommenen technischen Bildung 
waren und schätzt die baupraktische Lehre der Hütten nach ihrem 
rechten Wert. Keinesfalls sahen die Meister, welche sich zu den 
Ordnungen zusammeuthaten, ihre Aufgabe darin, die Kunst des 
Bauens weiten Kreisen zu lehren. Es ist eine der großen 
Errungenschaften des Humanismus und der Renaissance, daß sie 
das Wissen einzelnen Genossenschaften entriß und es auf den 
Markt des Lebens brachten. „Es soll kein Werkmann, noch 
Meister, noch Polier, noch Geselle Niemanden, wie der auch ge- 
uauut sei, der nicht unseres Handwerkes ist, aus keinem Auszuge 
unterweisen aus dem Grunde zu nehmen..." heißt es in der 
Regensburger Ordnung. Und dann serner wird Jedem, der nicht 
wisse aus dem Grunde zu nehmen und keinem Werkmann „um
	        
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