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Full Text: Tribus, 23.1974

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Buchbesprechungen 
}. VAN BAAL: 
Symbols for Communication. An introduc 
tion to the anthropological study of reli 
gion. Assen: Van Gorcum & Comp. N. V. 
— Dr. H. ]. Prakke & H. M. G. Prakke. 
1971. XII, 295 S. (Studies of Developing 
Countries, 11) ISBN 90 232 0896 X. 
In seinem Vorwort verbindet der Verfasser 
zwei Ziele mit diesem Buch: Es soll zum 
einen ein „textbook of anthropological theo 
ries of religion“ sein, zum anderen wird ein 
eigener theoretischer Ansatz dargestellt, der 
umschrieben wird als (p. VII): „ . .. based on 
the view that religion is a system of sym 
bols by which man communicates with his 
universe. These symbols enable him to over 
come the inner solitude which is the inescap 
able result of his inability to solve the exis 
tential problem ensuing from the fact that 
he is a subject opposed to and separate from 
his universe, as well as part of that same 
universe and functioning in it.“ 
Eine kurze Einführung beschäftigt sich mit 
einer Definition von „Religion“, die schließ 
lich (p. 3) formuliert wird als „all explicit 
and implicit notions and ideas, accepted as 
true, which relate to a reality which cannot 
be verified empirically“. 
Die folgenden Kapitel II bis IX behandeln 
die Geschichte der Ansichten über und Theo 
rien von Religion, beginnend mit den Vor 
läufern im 18. und 19. Jahrhundert über die 
Evolutionisten, die Kulturhistoriker, die fran 
zösische Schule, bis hin zum Strukturalismus 
Lévi-Strauss’. Es handelt sich also sehr deut 
lich eher um eine Geschichte anthropologi 
scher Religionstheorien und weniger um eine 
„Einführung“, die systematisch als solche ge 
plant wäre. Dem Ablauf von Arbeiten ein 
zelner Autoren wird vielfach referierend 
ziemlich genau gefolgt, daneben werden aber 
Informationen und erläuternde Einschübe zu 
den einzelnen Autoren gegeben, die manch 
mal vielleicht nicht unbedingt notwendig 
wären. Das ganze macht oft den Eindruck 
von überarbeiteten Vorlesungsmanuskripten. 
Zu allen Theoretikern wird allerdings kritisch 
Stellung genommen, wenn die Urteile auch 
manchmal etwas lehrhaft ausfallen. Es scheint, 
daß vieles an der Umständlichkeit des Tex 
tes vielleicht auf die Übersetzung aus dem 
Holländischen zurückgeht. 
Nicht klar wird, nach welchen Gesichts 
punkten Sachen und Personen ausgewählt 
wurden. Der ganze Funktionalismus wird auf 
7V2 Seiten abgehandelt, P. W. Schmidt und 
seine Schule auf 15 Zeilen. Relativ viel fin 
det sich über Ad. E. Jensen, in dem ganzen 
Abschnitt steht aber kein Wort über Frobe- 
nius. Daß Holländer offenbar etwas über 
repräsentiert sind, ist verständlich, das Lite 
raturverzeichnis zeigt aber, daß ganze Sach- 
und Problembereiche (Seelenvorstellungen, 
Mythologie, das ganze Problem der Heils- 
erwartungs-Bewegungen) fast völlig fehlen 
und zweifellos bedeutende Autoren nicht ver 
zeichnet sind, so etwa Ernst Arbmann, Her 
mann Baumann, Elsdon Best, K. O. L. Bur- 
ridge, Akc Hultkrantz, Karl Kerenyi, Aarne 
A. Koskinen, James Mooney, Wilhelm Mühl 
mann, Werner Müller, Walter F. Otto, Ivar 
Paulson, A. M. Hocart, Melville Jacobs, Wil 
liam Lessa, Raffaele Pettazzoni, Lord Raglan, 
um nur einige zu nennen, die auf Anhieb 
zur Hand sind. Das Buch bringt also eine 
Auswahl von Problemen und Autoren, in 
ungefährer historischer Abfolge. 
Die letzten beiden Kapitel (X. The human 
foundations of religion, XL Symbols for 
communication) bringen die eigenen Auffas 
sungen des Verfassers über Religion, die im 
Grunde nicht über die eingangs zitierte For 
mulierung hinausgehen. Ob man hier von 
einer Theorie sprechen kann, was zum Ver 
ständnis fremder Kulturen damit beigetragen 
wird, welche empirischen, intersubjektiv über 
prüfbaren Grundlagen die vertretenen Ansich 
ten haben, erscheint dem Rezensenten nicht 
ganz deutlich, zumal auch (p. 278) formuliert 
wird, die Untersuchung ziele auf „disclosing 
fundamental motives rather than at depicting 
the diversity of Solutions“ des religiösen Den 
kens. Die zusammenfassenden Bemerkungen 
der letzten Seiten schließlich scheinen mir 
eher theologische oder philosophische als wis 
senschaftliche Probleme darzustellen. 
Hans Fischer
	        
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