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Full Text: Tribus, 23.1974

Buchbesprechungen 
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rer verhängnisvollen Folgen. Dem Geister 
tanz sowie dem Peyote-Kult, der sich gegen 
die verschiedenen Angriffe von seiten der 
christlichen Kirchen und der Regierung al 
lerdings nicht erst 1945 mit der Gründung 
der Native American Church wehrte, wer 
den mehrere Seiten gewidmet. Mit Recht 
wird der politischen und sozialen Entwick 
lung seit Ende der 20er Jahre unseres Jahr 
hunderts, insbesondere der Politik unter 
Roosevelt in den 30er Jahren, ein großer 
Platz eingeräumt. Die politischen Maßnah 
men in den 50er Jahren mit der bedrohlichen 
Termination Policy, wobei jedoch nicht auf 
den frappierendsten Fall, nämlich den der 
Menominee, hingewiesen wird, werden eben 
so dargestellt wie die ermutigenden Schritte 
der Verantwortlichen in der Ära Kennedy 
(denen, die der Regierung Johnson nicht 
nachstehen). 
Hartmann geht dann auf seine Forschungs 
reise 1964/65 zu den Plains-Algonkin in 
Wyoming und Montana ein und gibt eine 
Zusammenfassung seiner Untersuchungser 
gebnisse. Er kommt daran anschließend kurz 
auf das Erzichungswesen und die medizini 
sche Versorgung der US-Indianer zu spre 
chen, um in einem Ausblick auf die Aufrecht 
erhaltung vieler Kulturelemente und — wie 
ihm scheint — gesicherte Zukunft der Plains 
stämme hinzuweisen. 
Der Autor hat mit seinem Buch eine Do 
kumentation vorgelegt, die einen großen Bo 
gen, von den Paläo-Indianern bis zu den 
Plains- und Prärieindianern des Jahres 1973, 
schlägt. Dabei konnte er zwangsläufig nicht 
überall ausführlich werden, doch dürfte wohl 
kein Bereich, sei er ethnologischer, histori 
scher oder politischer Natur, ausgeklammert 
geblieben sein. Das ist eine große Leistung. 
Schon heute darf man annehmen, daß diese 
„Plains- und Prärieindiancr“ ein Standard 
werk werden, auf dem weiterführende Ar 
beiten aufbauen können. Was dem Rezen 
senten für die zukünftige Forschung deut 
scher Amerikanisten wichtig erscheint, sind 
Arbeiten, In denen in ebenso geschlossener 
Darstcllungsweise andere Regionen Nord 
amerikas mit gleichen oder sich ähnelnden 
Kulturen (Kulturprovinzen) vorgestellt wer 
den. Wo solche Untersuchungen, wie das 
Buch Hartmanns, bereits vorliegen, sollten 
nun aus eben diesem Gebiet Stammesmono 
graphien und — nicht zu unterschätzen — 
Autobiographien folgen. Und schließlich: 
Vordringlich ist eine Gesamtschau der heuti 
gen Indianischen Situation in Nordamerika, 
die vielerlei Aspekte berücksichtigt. Sie ist 
überfällig. 
Axel Schulze-Thulin 
D’ARCY McNICKLE: 
Native American Tribalism — Indian 
Survivals and Renewals. Puhlished for The 
Institute of Race Relations, London. New 
York - London: Oxford University Press. 
1973. 190 S. 
Es soll tatsächlich noch immer Amerika 
nisten geben, für die es eine indianische 
Kulturlandschaft in Nordamerika schon lan 
ge, spätestens seit den 80er Jahren des 
19. Jahrhunderts, nicht mehr gibt. Natürlich 
wissen sie, daß Indianer In den USA und 
Kanada physisch vorhanden sind, vielleicht 
wissen sie auch, daß die indianische Ge 
burtsrate das Drei- bis Vierfache der übri 
gen Bevölkerung beträgt und daß die India 
nerbevölkerung in Nordamerika auf rund 
1,3 Milk Menschen angewachsen ist, doch 
indianische Kulturen heute — nein. Ihnen 
ist die Lektüre des vorliegenden Buches be 
sonders zu empfehlen. 
Nun ist die Einstellung dieser Ethnologen 
in gewisser Weise verständlich, hat doch noch 
Mitte der 50er Jahre der amerikanische Kon 
greß die Ansicht, daß die Indianer der USA 
als Indianer keine Zukunft haben, ohne auch 
nur eine einzige Frage zu stellen, akzeptiert. 
Diese Einschätzung der indianischen Situa 
tion in den USA war mit der Neuauflage 
einer Politik der Landprivatisierung von 
1887 (Allotment Act) verbunden, die den 
Indianerstämmen der Vereinigten Staaten 
die größten Verluste ihres ihnen bis dahin 
noch verbliebenen Landes gebracht hatte. In 
der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden diese 
neuaufgelegten Maßnahmen, die mit der so 
genannten Indianerfrage ein für allemal 
Schluß machen sollten, als Termination Poli 
cy bezeichnet, da mit ihrer Hilfe die Treu 
händerschaft, die der Bund über die Reser 
vationen besitzt, beendet werden sollte. Die 
sozialen und wirtschaftlichen Folgen waren 
für die betroffenen Stämme, die Menomi 
nee und Klamath sowie einige kleinere In 
dianergemeinden, so verheerend, daß einsich 
tige Politiker die Beendigung der Beendi 
gungs-Politik forderten und schließlich auch
	        
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