13. Dec. 1887.) Ankunft am Albert-See und Rückkehr nach Jbwiri. 299
weiter Kreis frei von den lärmenden, heulenden Eingeborenen. Unsere
Mittagsrast gab ihnen Zeit, ihre Kräfte wieder zu sammeln; obwol
sie durch die Vorgänge am Morgen ohne Zweifel etwas ernüchtert
waren, bedrohten sie uns doch noch mit imposanten Scharen aus den
Stämmen der Balegga, Bavira und Babiassi.
Nach einstündiger Rast nahmen wir unsern Marsch wieder auf.
Wir fanden einen außerordentlich gut ausgetretenen Pfad, der von
großem Werthe für die Colonne war, wie der rasche und elastische
Schritt derselben erkennen ließ. Nach einer Viertelstunde erreichten wir
den höchsten Punkt des Sattels oder eigentlich des Plateaus, als welches
jener sich jetzt erwies, wo wir in der Entfernung von etwa 40 km
die blaue gleichmäßige Linie eines Tafellandes erblickten, das sich bis
in die Wolken erhob und von ungeheuerer Höhe zu sein schien. Beim
Anblick derselben gaben die Leute ihrer Ueberraschung und Unzufrieden-
heit durch Murren Ausdruck; ich wußte aber, daß es Unjoro war,
und daß zwischen uns und jenem großen, blauen Tafellande eine un
geheuere, üefe Schlucht sich befand, auf deren Grunde der Albert-
See lag. Vor uns schien nichts zu sein, weder Hügel noch
Bergrücken oder eine sonstige Erhöhung, nur die ungeheuere dunkel
blaue Masse in der Ferne; die östlichen Abhänge der nördlichen und
südlichen Bergkette stürzten wie in eine Schlucht oder ein sehr tiefes
Thal steil hinab. Als unsere Leute das Plateau von Unjoro in
der Ferne erblickten, riefen sie ärgerlich aus: „Maschallah, dieser
Njansa geht aber auch immer weiter von uns weg"; doch ? röstete ich
sie und sagte: „Haltet die Augen offen, Jungens, ihr könnt den Njansa
jetzt jeden Augenblick zu sehen bekommen", eine Bemerkung, die, wie
so viele andere, welche sie ermuthigen sollten, mit ungläubigem Grunzen
aufgenommen wurde.
Allein jeder Schritt, den wir weiter machten, bewies uns, daß
wir uns einem ungewöhnlich tiefen Thal oder dem Njansa näherten;
das Plateau von Unjoro stieg immer höher vor unsern Blicken empor,
während die Abhänge zu beiden Seiten von uns beständig niedriger
wurden, und schließlich ruhten aller Augen auf einer grauen Wolke.
Was ist das? Nebel? Nein, es. ist der im leichten Nebel schlum
mernde Njansa; dort im Nordosten hat er die Farbe des Oceans.
Die Leute blickten mehrere Minuten auf den See, ehe sie zu be
greifen vermochten, daß das, was sie sahen, wirklich Wasser war, und
gaben dann ihrem Gefühl mit Jubelgeschrei und enthusiastischen Rufen
Ausdruck.