Zum Hauptinhalt springen
Page Banner

Inhalt / Download : Globus, 93.1908

167 
Buchbesprechungen und Bibliographien 
Nachdem Max Uhle bereits im Jahre 1896 auf dem Totenfeld von Ancon in der Nachfolge 
von Reiss und Stübel mit seinen Grabungen begonnen hatte und anschließend die Tempel 
anlage von Pachacamac untersuchte, förderte er hier unter anderem umfangreiche Textilien 
zutage, die bald Ausgangspunkt für die Typisierung wurden. Nicht nur in der Reliefgestaltung 
und Keramikmalerei, sondern vor allem auch in der Gewebemusterung Altperus bildete sich 
eine eigene Sprache heraus. „Die in die Stoffe eingewebten oder auf die Gewebe gestickten und 
gemalten Bilder und Zeichen, die Zusammenstellung der Farben und die Art der Komposition 
waren für den altperuanischen Indianer Hymnen und Gebete, Danksagungen und Klage 
geschrei, Ausdruck der Ideen, die Priester und Herrscher im Volk zu wecken und wachzuhal 
ten verstanden. So offenbart sich uns die Textilkunst der indianischen Völker — bei aller Vor 
sicht, die wir bei der Ausdeutung ihrer Muster walten lassen müssen — als Spiegel ihres Glau 
bens und ihrer Vorstellungskraft“ (S. 10). 
Dem Amerikaner Junius Bird verdanken wir einiges Wissen um die Anfänge der peruani 
schen Textilkunst. Das Alter, Niveau der Darstellung, Deutlichkeit und Konstanz der Muster 
und Stile sind bemerkenswert. Doppelköpfige Schlangen, Greifvögel, Krabben und andere 
Meerestiere, die Darstellung des Tiers im Tier als Symbol der Fruchtbarkeit zeigen in ihren 
Gestaltungen ein Abrücken vom natürlichen Vorbild und führen zu einem hohen Grad an 
Stilisierung. Erwähnt werden muß, daß die Zahl der aus dem vorspanischen Peru erhalten ge 
bliebenen Textilien größer ist als die der antiken Gewebe der übrigen Welt. 
Wie andere künstlerische oder kunsthandwerkliche Schöpfungen, so kann auch die Textil 
kunst nicht aus dem gesamten kulturellen Rahmen herausgelöst und isoliert betrachtet wer 
den, vielmehr ist sie immer fest verbunden gewesen mit den jeweiligen religiösen und magi 
schen Vorstellungen. 
Realistische und abstrahierte Formen in zahlreichen Variationen sind für bestimmte Kultur 
phasen bzw. -Horizonte typisch, die Anton sehr anschaulich durch die Jahrtausende charakte 
risiert. Kurz vor der spanischen Eroberung kommt es im Späten Horizont zu einer Umfor 
mung des stilisierten Figurendekors zu einer rein geometrischen Gestaltungsweise, die sich 
aber in ganz Peru noch nicht hatte durchsetzen können, so daß sich „an der peruanischen 
Küste neben dem charakteristischen geometrischen Inka-Stil weiterhin figürliche Textilmotive 
der uralten Traditionen“ (S. 20) fanden. 
Der vorliegende Band enthält eine Fülle von Gewebeaufnahmen mit ausführlicher Datie 
rung und Textierung; die einzelnen Kapitel befassen sich mit den wichtigsten peruanischen 
Kulturen und ihren textilen Ausprägungen, von den ältesten Baumwollgeweben der Chavin- 
Kultur zu den deckenden Stilstichstickereien, der Bortenstickerei, der beginnenden Gobelin 
technik des Paracas- und Nazca-Stils, über die Gobelin-Gewebe der Tiahuanaco-Kultur, wel 
che selbst die Gobelins der Brüsseler Manufakturen des 18. Jahrhunderts durch Schönheit der 
Farbkompositionen und Kühnheit der Bildgestaltung übertreffen bis hin zu lokalen Variatio 
nen der Küste. Chancay-, Chincha- und Ica-Textilien finden ebenso ihre Darstellung wie 
Chimu- und Inka-Stil, „der sich am reinsten und eindringlichsten ... in der Textilkunst 
äußert“ (S. 185). 
Im Anhang finden sich neben den Anmerkungen und Bilderläuterungen eine Darstellung 
der geläufigsten Webtechniken und der wesentlichen Stufen in der peruanischen Textilent 
wicklung sowie der Fundplätze und Fundregionen. Literaturhinweise, Übersichtskarte der 
Fundstätten und Register beschließen den repräsentativen Band. Günther Hartmann
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.