A. Referate. Anthropologie.
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noch weniger als jener gesunde und kranke, Durchschnitts- und Ausnahme
personen. In dieser Weise würde es nicht schwer halten, den Beweis für
den physiologischen und moralischen Schwachsinn des Mannes anzutreten.
Diejenigen Eigenschaften, welche Verfasserin zu ihrer Philippika ereifern, er
scheinen ihr beim Manne als Ausnahme, als Ausfluß von Krankheit. Bis auf die
wenigen Elitenaturen ist nach Ivathinka v. Rosen das Weib eine moralische
Mißgeburt: „Für die meisten ist Mitleid und Teilnahme ein Sport“ (S. 19),
„der Zug von Grausamkeit ist in milder Form bei allen vorhanden“ (S. 13),
„sie ist es, die jede menschliche Regung in ihm (d. h. dem Manne) erstickt“
(S. 12); dagegen haben die von Männern ausgeführten Verbrechen durch
schnittlich einen Zug ins Große (S. 12), und der grausame Mann gehört zu
den belasteten, weibähnlichen Geschöpfen (S. 15). In der Ausübung der als
weiblich besungenen Eigenschaften ist der Mann der Frau häufig „über“
{S. 20); das Weib ist moralisch feige, sein Hauptfehler ist Unwahrheit
{S. 29), seine Fähigkeit zu lieben wird überschätzt. Die Mädchen der „unteren
Klassen“ erkundigen sich häufig vor dem Wege zum Standesamte nach
Mitteln gegen die Empfängnis (S. 37). Diese Blütenlese, deren Sinn sich
auch im Zusammenhang nicht ändert, charakterisiert das Buch; wenn dieses
sich gegen einen bestimmten Teil der hypermodernen Frauen richtete, wäre
es anzunehmen, so aber liefert es keinen Beitrag zur Naturgeschichte des
Weibes. Daran ändert auch das von Möbius seinerzeit geschriebene Vor
wort nichts. Dr. Kellner-Unter göltzsch.
14. Griinbaum: Milchsekretion nach Kastration. Deutsche med.
Wochenschr. 1907, Nr. 26.
Es ist noch nicht sichergestellt, ob als letzte Ursache der Milchsekretion
post partum der nervöse Reiz, vermehrter Blutzufluß nach den Mammae nach
der Geburt, ob der Ausfall der Sekretionsprodukte der Placenta oder andere
Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Bekanntlich ist die Milchsekretion
nicht allein an die voraufgegangene Schwangerschaft gebunden. Einige Beob-
<lc Zungen, in denen nach Fortnahme der Ovarien Sekretion der Mammae ein-
tiat, haben den Verfasser veranlaßt, weitere einschlägige Fälle zu sammeln.
! nter 21 wegen Erkrankung des Uterus oder seiner Adnexe operierten Fällen
trat 14 mal nach Ovariotomie die Sekretion ein, und zwar derart, daß die
Brüste anschwollen und schon bei leichtem Druck Tropfen einer kolostrum-
oder milchähnlichen Flüssigkeit auf der W arze hervortraten, welche auch bei
mikroskopischer Untersuchung den Milchcharakter erwiesen. Besonders be
weisend erschien ein Fall, in welchem schon früher die Ovarien bis auf einen
kleinen, die Menstruation noch auslösenden Teil entfernt waren, und die
Sekretion eintrat, als auch dieser entfernt worden war. Ob die Frauen schon
geboren oder überhaupt nicht geboren hatten, war einerlei. Die Sekretion
begann gewöhnlich etwa drei Wochen nach der Kastration und hielt wenige
Tage bis vier Monate an. Dr. Kellner-Untergöltzsch.
15. Lommatsch: Bemerkenswerte Ergebnisse der Statistik der
Zwillingsgeburten im Königreich Sachsen. Die Umschau
1907, Jahrg. XI, Nr. 40.
Wie die Verhältniszahl der Totgeborenen bei Einzelgeburten dank der
vorgeschrittenen geburtshilflichen und Wohlfahrtseinrichtungen seit Jahren
einen Rückgang zeigt (z. B. gegen den Zeitraum von 1881 bis 1885 mit
3,79 Proz., im Zeitraum 1901 bis 1905 3,44 Proz.), so ist dieser Rückgang
hei den Zwillingsgeburten besonders intensiv: 1881 bis 1883 7,65 Proz. gegen