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Full Text: Tribus, 51.2002

TRIBUS 51,2002 
MONIKA FIRLA 
Wenn du erkannt hast, daß du etwas Bestimmtes 
tun mußt, und es dann auch tust, dann scheue dich 
nicht, dabei gesehen zu werden, auch wenn die 
Mehrheit dazu neigt, schlecht darüber zu denken. 
Denn wenn das, was du vorhast, unrecht ist, dann 
laß es sein. Wenn das aber nicht der Fall ist, 
warum fürchtest du die Leute, die dich zu unrecht 
tadeln? 
Epiktet, Handbuch der Moral 
Zitiert in Amo, Traktat über die Kunst, 
nüchtern und sorgfältig zu philosophieren 
Anton Wilhelm Amo (Nzema, heute Republik Ghana) 
Kammermohr - Privatdozent für Philosophie - Wahrsager 
1. Einleitung 
Seit Brentjes (1976 und 1977)', der die bis 1976 bekannten Quellen und 
Sekundärliteratur zu Amo (um 1700-nach 1753) verarbeitete, eigene Forschungs 
ergebnisse hinzufügte und damit ein bis heute unübertroffenes Standardwerk 
(Brentjes 1976) vorlegte, stagniert die Amo-Forschung 2 . Auch Heckmann (1991) und 
Martin (1993; Nachdruck 2001) schöpfen alle historischen Daten aus Brentjes 
(1976), erwecken dabei aber durch unterlassene Querverweise gelegentlich den 
Eindruck, sie hätten neue Quellen selbst entdeckt. 
Was die Beurteilung von Arnos Person 3 anbelangt, der zu den bekanntesten 
Vertretern der Afrikanischen Diaspora des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen 
Raum gehört, so lassen sich zwei Tendenzen beobachten: Afrikanische Autoren 
tendieren dazu, Arnos wissenschaftliche Leistungen zu betonen, seine Publikationen 
zu diskutieren 4 und ihn gelegentlich zu idealisieren 5 . Autoren aus dem 
deutschsprachigen Gebiet glauben dagegen in neuerer Zeit, ihre kritische 
Kompetenz unter Beweis zu stellen, indem sie Amo zum bloßen Objekt eines 
Bildungsexperimentes erklären (Martin 2001: 309) oder ihn gar zum 
bemitleidenswerten Protagonisten eines historischen Romanes verwandeln, der den 
Mangel an verfügbaren Fakten durch Fiktionen mit etwas 'sex & crime' zu 
kompensieren versucht (Glötzner 2002). Damit gehen letztere Autoren weit hinter 
Brentjes (1976) zurück und zeigen kein Interesse an der Fortsetzung einer 
ernsthaften Amo-Forschung. Um diese wiederzubeleben, seien im folgenden einige 
Details hinzugefügt und zur Diskussion gestellt. 
2. Amo und der Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel 
2.1. Afrikaner und Afrika am Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel 
Als Amo am 29. Juli 1707 in der Kapelle des Schlosses Salzdahlum, 5 km nordöstlich 
der Residenz Wolfenbüttel getauft wurde*, war er nicht der erste Afrikaner am Hof 
von Braunschweig-Wolfenbüttel, der nachweislich bereits seil 1653 (vgl. Kittel 1965: 
79), vermutlich jedoch schon viel früher. Afrikaner beschäftigt hatte, um durch 
schwarze Angestellte zu repräsentieren 7 . 
Einer jener Afrikaner war Rudolph (August) Mohr, der nach seiner Ankunft bei der 
Familie des Rektors Huhtmann in Ilefeld „in die Kost getan“ worden war und sich 
„anfangs zu der Theologie präparieren“ wollte 8 . Dies bedeutet, Rudolph Mohr 
plante eine Zeitlang, Theologie zu studieren, worüber sich am Hof von 
Braunschweig-Wolfenbüttel vermutlich niemand sonderlich wunderte, nur weil er
	        
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