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Full Text: Tribus, 50.2001,N.F.

Buchbesprechungen Allgemein 
173 
BAUMANN, MAX PETER (ED.): 
Music, Language and Literature of the Roma 
and Sinti. Berlin: VWB - Verlag für Wissen 
schaft und Bildung, 2000. 528 Seiten, SW- 
Fotos. 
ISBN 3-86135-642-2 
Die europaweit größte Minorität ohne territoriale Zu 
ordnung sind ohne Frage die ca. acht Millionen Roma, 
Sinti und Gitanos, häufig auch etwas abwertend als 
Zigeuner bezeichnet. Ihre extrem wechselvolle Geschich 
te seit ihrem Erscheinen in Mitteleuropa im 15. Jahrhun 
dert ist dadurch geprägt, dass sie in ihren Aufnahme 
ländern, von kurzen Perioden der Duldung abgesehen, 
meist vertrieben und verfolgt wurden und so zu einem 
Wanderleben genötigt wurden. Ihren Höhepunkt erreich 
ten die Verfolgungen der Roma und Sinti während des 
Nationalsozialismus in Deutschland. Während all dieser 
Jahrhunderte war man in Europa nicht in der Lage, sich 
einer auch nur relativ vorurteilsfreien Auseinander 
setzung mit dieser Minorität zu stellen. Daran änderten 
auch romantisierende Klischees wie die Zigeunermusik 
des 19. Jahrhunderts nichts. 
Die hier vorliegende Sammlung von 25 Artikeln - 16 in 
deutscher, 9 in englischer Sprache, mit englischer Zu 
sammenfassung der deutschen Artikel im Anhang - will 
in interdisziplinärem Rahmen einen Überblick geben 
über den kulturellen Reichtum der Roma und Sinti, eben 
so wie über die Verschiedenheiten einzelner Gruppen. 
Die Artikel sind ausgearbeitet Vorträge, die auf der 
Tagung Music, Language and Literature of the Roma and 
Sinti im Rahmen der „UNESCO World Decade for 
Cultural Development, 1988 - 1997“ organisiert vom da 
mals noch existierenden „International Institute for Tra- 
dilional Music, Berlin“ im Jahr 1994 in Kooperation mit 
dem „Romani P.E.N. Zentrum“ organisiert wurde. 
Die Beiträge dieser Publikation stellen den Stand der 
Forschung in den Bereichen Musikwissenschaft, Linguis 
tik und Literatur zum Thema Roma und Sinti dar. 
Ferner werden neue Forschungsergebnisse vorgestellt 
und diskutiert, um schließlich eine Einschätzung der kul 
turpolitischen Situation dieser europäischen Minderheit 
vornehmen zu können. 
Die verschiedenen Aspekte des Wertesystems der Roma 
und Sinti werden ebenso behandelt wie ihre Konzepte 
von Musik und Literatur und natürlich die überregiona 
len Prozesse der Identifikation. 
Es werden in den Aufsätzen Themen zur Geschichte der 
Roma und Sinti und ihrer gegenwärtigen politischen Situ 
ation genauso besprochen, wie Theaterarbeit, Literatur 
geschichte, Musik und Tanz bis hin zu Fallbeispielen der 
Musik einzelner regionaler Gruppen, etwa der „Yiftoi“ in 
Griechenland, der „Gitanos“ Spaniens oder der verschie 
denen Gruppen Ungarns. Insgesamt nehmen jedoch die 
Themen zur Musik erwartungsgemäß den größeren 
Raum ein, was wohl auch dem Forschungsstand und dem 
allgemeinen Interesse entspricht. Um so erfreulicher ist 
dann aber, dass es nicht bei diesem Themen bleibt, son 
dern auch andere Aspekte der Roma- und Sinti-Kultur 
zur Sprache kommen, die nicht weniger interessant und 
bedeutend sind. 
Die Fülle des hier gebotenen Materials macht es schwer, 
in einer kurzen Rezension Einzelaspekte herauszugrei 
fen, selbst die Auflistung aller angesprochenen Themen 
würde sicher den Rahmen sprengen, so sei zusammenfas 
send gesagt, dass hier ein sehr guter, vor allem aktueller 
Überblick über Musik, Sprache und Literatur der Sinti 
und Roma vorliegt. 
Eine umfangreiche Bibliographie zur Musik schließt die 
se gelungene und empfehlenswerte Veröffentlichung ab. 
LARS-CHRISTIAN KOCH 
BERNBECK, REINHARD; 
Theorien in der Archäologie. Tübingen / Basel: 
A. Francke, 1997.404 Seiten, mehrere Tabellen 
und Grafiken. 
ISBN 3-8252-1964-X 
Obwohl bei Erscheinen des vorliegenden Buches erst 
knapp vierzig Jahre alt, hatte der Autor zu diesem Zeit 
punkt schon eine durchaus beachtenswerte wissenschaft 
liche Laufbahn hinter sich, wobei im Hinblick auf seine 
Arbeit rund um die Theoriengebäude im Allgemeinen 
und denen der Archäologie im Besonderen seine Aufent 
halte in den USA ins Gewicht fallen. Nach eigenem Be 
kunden (9) wollte Bernbeck eine „Systematik der theore 
tischen Aspekte in der Archäologie“ vorlegen. Die drei 
Hauptabschnitte, in die das Werk unterteilt ist, folgen al 
lerdings nicht den drei Zielen, die er mit einer solchen 
Systematik verbindet. Diese sind: (1) Eine Erleichterung 
der „Auseinandersetzung mit bereits vorliegenden ge 
schichtlich orientierten Arbeiten und deren Annahmen“; 
(2) eine Erleichterung der „Erstellung neuer Inter 
pretationen“; (3) die Notwendigkeit „dauernder Ausein 
andersetzung über die Angemessenheit“ (ebenda) von 
ausdrücklich formulierten Annahmen wissenschaftlicher 
Aussagen. Weiterhin nennt der Verfasser Ziel seiner 
Arbeit, „Studentinnen, Studenten und andere Interes 
sierte in die Probleme archäologischer Theorien einzu 
führen“ (10). Sicherlich wird das Buch den genannten 
Zielsetzungen, insbesondere der auf den Ausbildungs 
auftrag gerichteten, gerecht. Ich muss allerdings Bern 
beck widersprechen, wenn er in diesem Zusammenhang 
schreibt, dass „in den U.S.A. .Archäologie’ ... in einem 
Fachbereich .Kulturanthropologie’ zusammengefasst“ sei 
(11). Das mag in der einen oder anderen universitären 
Einrichtung solchermaßen organisatorisch institutionali 
siert sein, ergibt aber - so ausgedrückt - ein falsches Bild. 
Cultural anthropology ist kein wissenschaftlicher Über 
bereich. unter den mehrere Disziplinen fallen, sondern 
entspricht dem deutschen Fach Ethnologie, was nicht aus 
schließt, dass bei US-Völkerkundlern archäologische Er 
gebnisse in ihre Forschungen einfließen (und vice versa). 
Die Publikation ist, wie schon kurz angeführt, in drei 
Hauptabschnitte mit vierzehn Kapiteln gegliedert. Das 
erste Kapitel mit einem geschichtlichen Überblick über 
die verschiedenen Sektoren der historischen Wissenschaf 
ten ist vor den ersten großen Abschnitt und nach einer 
Einleitung geschaltet. Prinzipien. Verfahrens-, Er- 
klärungs- und Vorgehensweisen sowie verschiedene theo
	        
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