Mein erstes Jahr in
wieder 211 erwärmen, und kam nach dieser gefährlichen Tour
hungrig uud ermüdet nach mehrstündiger Wanderung wie-
der an, wo ich mich durch kräftiges Essen und ungestörten
Schlaf wieder erholen, konnte. Einige Tage später musste
ich daran denken, wieder zurück nach Potschefstroom zu
kommen; um jedoch die Steppen zu passiren, musste ich
anstatt eines verwegenen Marsches zu Fusse eine Fahrge-
legenheit wahrnehmen und, um von solcher eher zu hören,
mich zunächst wieder zu der Farm zurück begeben, bei
der ich zuerst angelangt war. Der schmale, stellenweis
unkenntliche Fusspfad brachte mich bald dahin, auch trieb
mich ein Gewitter, das jeden Augenblick loszubrechen drohte,
zu grösserer Eile an. Ehe ich jedoch die letzte Fläche über-
sehritten hatte, entlud es sich auch wirklich über mir, ein
greller, fast blendender Blitz fuhr hernieder, ein betäuben-
der Schlag folgte unmittelbar und nicht 150 Schritt von
mir flammte plötzlich das dürre Gras lichterloh auf; der
Blitz hatte es entzündet. Ich gestehe, dass es mir jetzt
recht unheimlich zu Muthe war, als der höchste Gegen-
stand in dieser Fläche, mit dem doppelläufigen Gewehr über
die Schulter, einen Kompass in der Tasche und eine Menge
von Erzbroeken, die ich gesammelt hatte, im Sacktuch, dem
Gewitter ausgesetzt zu sein. Ein heftiger Eegen fiel her-
nieder und löschte den entstandenen Brand, der mich bei
dem heftigen Winde in Gefahr brachte. Im strömenden
Eegen erreichte ich bald darauf die Farm und wurde diess-
mal, weil der Hausherr daheim war, recht freundlich auf-
genommen und beherbergt.
Ich erfuhr von ihm, dass schon in den nächsten Tagen
eine kriegsgerüstete Truppe aus dem Distrikte Marico
nach Potschefstroom abgehen würde, der ich mich ansehlies-
sen könnte. Noch wollte ich ein Stück des Distriktes ken-
nen lernen, hielt mich jedoch diessmal mehr der Fahrstrasse
entlang. Anfänglich folgt diese dem Thale des Kleinen
Marico bis dahin, wo dieser nach Norden umbiegt und zwi-
schen bedeutenderen Sandsteinrändern verschwindet, dann
führt sie über die Wasserscheide zwischen dem Kleinen und
Grossen Marico hinab ins Thal des letzteren. Ich sprach bei
mehreren Farmern ein, welche sich jedoch dem Fusswanderer
gegenüber nichts weniger als freundlich zeigten. Der eine
schlug mir, dem „Yagabnnden", jeden Imbiss ab, um den ich
ihn ersuchte; ein anderer drohte mir mit Erschiessen, wenn
ich über sein Eigenthum wandle, um „nach Gold zu suchen" (!);
ein dritter entschuldigte sich mit zu grosser Armuth, als
dass er mir auch nur ein Stück Brod geben könnte, trotzdem
seine Kinder vor dem Hause die Hühner mit ihrem Butter-
brod fütterten. Ein vierter wies mich zu seinem Nachbar,
der nur eine kleine Distanz „über dem Built" (Eändchen)
drüben von ihm entfernt wohne, in der That brauchte ich
aber mehr als zwei Stunden angestrengten Marsches, um zu
C. Maucn, Reisen in Süd-Afrika. Transvaal-Republik. 25
ihm zu gelangen, so dass es bereitß dunkelte, als ich da-
selbst ankam. Ich bat um Nachtquartier, es wurde mir aber
verweigert, weil der Mann nicht zu Hause sei, und so sah
ich mich eben wieder genöthigt, mir im Freien ein Lager
zu suchen. Eine Kriegstruppe; verzweifelter Marsch nach Potschef-
stroom. — Froh darüber, dass die Nacht wenigstens keinen
Eegen gebracht hatte, wanderte ich bei Zeiten mit nüch-
ternem Magen weiter, entschlossen, nirgends wieder vorzu-
sprechen, bis ich bei der Farm angekommen sein würde,
woselbst sich die zum Krieg aufgebotenen Leute einfinden
sollten, was mir am späten Nachmittag gelang. Die Er-
zählung des Erlebten hatte gute Wirkung, ich durfte mich
nach Herzenslust restauriren. Während der folgenden zwei
Tage wurde die Kriegstruppe vollzählig mit 35 Mann, meist
jungen Leuten. Einzelne waren beritten, die grössere Zahl
jedoch vertheilte sich auf die fünf Zeltwagen, welche Pro-
viant für den Kriegsschauplatz aufgeladen hatten. Ich befand
mich nun unter völlig fremden, rohen, halbcivilisirten Kerlen
und durfte daher als Ausländer auf bitterböse Gesellschaft
rechnen. Doch es lief günstiger ab, man beachtete mich gar
nicht und drei Tage lang, während welcher immer nur
wenige Stunden weit gefahren wurde, erhielt ich nicht ein
einziges Mal eine Einladung, an ihrem Mahle Theil zu
nehmen, trotzdem jeden Tag ein fetter Ochse geschlachtet
und aufgezehrt wurde; die Nächte hatte ich unter einem
Wagen ohne Grasunterlage oder Decke zuzubringen, so dass
ich endlich ernstlich für meine Gesundheit befürchten musste.
Am vierten Morgen verliess ich diese Eotte und schlug die
gerade Eichtung durchs Feld nach einem bestimmten, weit-
hin sichtbaren Berge in der Nähe von Potschefstroom ein,
erreichte unvermuthet am nämlichen Abend eine Farm,
fand gastliche Aufnahme, erhielt richtige Auskunft- über
den nächsten Weg nach dem Dorfe, welches ich dann auch
nach siebenstündiger weiterer Wanderung betrat, nahezu
erschöpft durch die erduldeten Strapazen.
Auf solche Weise ein Land zu erforschen, ist schlimmer
als Zuchthausarbeit. Nun gönnte loh mir eine mehrwöchent-
liche Erholung. Bis zum Januar 1866 bot sich auch keine
Gelegenheit, eine grössere Tour auszuführen, dann aber lud
mich eine kleine Gesellschaft, welche sich mit eigenen Augen
überzeugen wollte, was denn Wahres sei an der als pracht-
voll geschilderten Gegend zwischen dem Limpopo und sei-
nem östlichen Nebenfluss Matlabas, ein, an der Partie Theil
zu nehmen. Die Partie war von ganz untergeordnetem Interesse und
ausser der kartographischen Wiedergabe der Route ist kein
besonders wichtiges Eesultat zu melden. Wir erreichten
jedoch den Zweck der kleinen Expedition, indem wir uns
mit eigenen Augen überzeugten, wie die Gegend beschaffen
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