I '
— 34 —
I beträchtlich schwanken, so kann ein verläßlicher Faktor zur Ermittelung des mit den
Gießdämpfen aufgenommenen Zinks nicht in Rechnung gesetzt werden. Die in der
Fachliteratur gezogenen Schlüsse aus einem Gehalt des Harns von Gießarbeitern im
Gießfieberanfall von etwa 1 mg Zink auf das Zink als Ursache des Gießfiebers und
des Zinkhüttensiechtums sind nicht mehr wissenschaftlich haltbar.
Der Kot enthielt noch neun Tage nach dem Gießtag ziffernmäßig bestimmbare
Zinkmengen, was dafür spricht, daß das Zink im Kot und Harn hauptsächlich Depot
zink ist, d. h. größtenteils aus dem in der Leber und in den Muskeln aufgestapelten
und in der Galle enthaltenen normalen Zink stammt.
Aus den Tierversuchen ergibt sich, daß Zink und Kupfer aus den Gießdämpfen bei
abgebundener Schlundröhre von der Lunge aus in den Organismus und von da — das Zink
in bestimmbaren Mengen, das Kupfer in Spuren — auf den Darm abgeschieden werden.
Die Verhütung des Gießfiebers kann nicht allein durch persönliche Prophylaxe
gewährleistet werden. Das Arbeiten in geräumigen, hohen, gut gelüfteten Räumen,
möglichst mit energisch wirkender Absaug Vorrichtung der Gießplätze, so
daß Gießdämpfe nicht in nennenswerter Menge in den Raum treten und von den
Arbeitern eingeatmet werden können, sind als zweckmäßiger Schutz der Arbeiter an
zusehen. Solche technischen Maßnahmen dürften sich in größeren Betrieben gewiß
durchführen lassen. Auch in Berlin konnte in einem der besichtigten Betriebe fest
gestellt werden, daß in einer solchen modernen Anlage Gießfieber nicht mehr zur
Beobachtung gekommen ist. Aber auch die kleineren Betriebe müßten auf die Ein
richtung ihren Verhältnissen angepaßter Abwehrmaßnahmen bedacht sein.
Schlußsätze.
1. An der Bedeutung des Zinks in den Gießdämpfen als alleinige
Ursache des Gießfiebers ist nicht mehr zu zweifeln.
2. In welcher Form das Zink einen Gießfieberanfall auslöst und
unter welchen Bedingungen diese noch immer der Erforschung Schwierig
keiten entgegensetzende Erkrankung zustande kommt, hat sich auch durch
die Untersuchung der Ausscheidungsverhältnisse — bei Berücksichtigung
des normalerweise im Kot und im Harn sich vorfindenden Zinks — nicht
einwandfrei feststellen lassen.
3. Eine Gewöhnung an die Gießdämpfe wird mit Sicherheit nicht
erreicht.
4. Das gegenüber früher zwar verhältnismäßig seltener auftretende
Gießfieber darf nicht in allen Fällen als durchaus gleichgültig in gesund
heitlicher Hinsicht angesehen werden.
5. Durch geeignete Betriebseinrichtungen, die wohl in den meisten
Messinggießereien durchführbar sind, läßt sich ein weitgehender Schutz
der Arbeiter gegen die Einatmung größerer Mengen von Gießdämpfen und
damit vor der Gießfiebererkrankung erreichen.
Berlin, Ende Mai 1919.
■ ! ••