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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 19.1887

Eigenthümlichkeit desselben noch nicht erwähnt, nehmlich die, dass der Boden 
noch immer eine Erhöhung und dem entsprechend nach aussen eine Vertiefung 
zeigt, der ganzen Grösse des Bodens entsprechend. Doch dürfte auch hier zu be- 
ücksichtigen sein, dass Friedrichsaue offen steht nach der grossen Pforte, welche die 
Bode bildet, wenn sie, vom Harze kommend, sich zwischen Huy und Hakel durch- 
jwindet, dagegen geschlossen erscheint nach der Gegend von Wilsleben. Mir scheint, 
es dürfte immerhin die älteste Eisenzeit, also etwa die Zeit vom Jahre 500 bis 300 v. Chr. 
festzuhalten sein für unseren Friedhof. — 
Die beifolgenden Schádelstücke stammen gleichfalls vom Galgenberge, wenn 
auch hóchst wahrscheinlich in beziehungsreicherem Siune, als die übrigen Sachen. 
Ich habe die Stücke allerdings aus der Dorfstrasse, aber mit der bestimmten. Ver 
sicherung, dass sie vom Galgenberge stammeh und erst in diesen Tagen da aus- 
gegraben seien. An der Stelle, woher der Schädel stammt, haben wir auch nach- 
gegraben: es war die südliche Kuppe mit der schönen Aussicht. Wir fanden noch 
die Fussknochen und zwar etwa 1m tief mit der Richtung nach Osten, so dass 
also der Blick dem Sonnenaufgang zugewendet war. Ich kann nur sagen, dass die 
Umgebung der Knochen röthlich war, und dass dieselben den Eindruck eines ge- 
ingeren Alters machten. Aus welcher Zeit sie aber stammen? Man braucht da 
nicht bloss das geschichtliche Bestehen von Friedrichsaue ins Auge zu fassen. 
Schadeleben, das etwa 20 Minuten davon liegt, ist allerdings auch erst Mitte des 
16. Jahrhunderts gegründet. 1564 heisst es in einem amtlichen Protokolle, es gel 
„vor kurzen Jahren gegründet“, aber das gleichfalls nahe Hausneindorf ist älter 
soviel mir bekannt ist. Einen Rest von Kleidung oder Knöpfe und dergl. habe ich 
nicht bemerkt. Eine Zusammenfassung mit den Begräbnissen des Urnenfriedhof 
erschien mir durchaus unstatthaft, schon wegen der tieferen Lage und weil ober 
halb des Skelets die ganze Formation durchbrochen erschien. Einige sonstige 
dicke Schädelreste, die ich gesehen habe an der Stelle, hatten ganz anderes Aus- 
sehen; bei ihrer Geringfügigkeit aber und dem Mangel an Auskunft über die Art 
ihrer Auffindung habe ich auf dieselben kein Gewicht gelegt. — 
Hr. Virchow: Die Zertrümmerung des Schädels hat allerdings einen hohen 
Grad erreicht, aber es hat sich doch noch eine erträgliche Zusammenfügung erzielen 
lassen; nur auf der rechten Seite ist eine grosse Lücke geblieben, umfassend das 
ganze Gesicht mit Ausnahme des rechten Nasenbeins und des Orbitalfortsatzes des 
Oberkiefers, ferher den ganzen unteren Theil der Seitenwand von der Augenhóhle s 
bis in die Oberschuppe. Auch der Unterkiefer fehlt. Im Umfange des Loches zeig 
die Knochen, der Schädelkapsel, insbesondere das Stirnbein und das Parietale, ei 
sehr auffälliges, lichtbraunes Aussehen, welches von dem weisslichen Gelbgrau der 
übrigen Theile sehr abweicht und fast an Brand erinnert, jedoch muss ausdrücklich 
bemerkt werden, dass alle Knochen dieser Gegend scharfe Bruchflächen, keine 
Brandlöcher zeigen. Die Knochen kleben an der Zunge und machen den Eindruck 
höheren Alters, Diejenigen der linken Seite und der Mittelgegend sehen an der 
Oberfläche stark verwittert aus, als haben sie frei an der Luft gelegen. Der Schö del 
scheint der einer alten Frau zu sein. Der Alveolarfortsatz des Oberkiefers hat 
pur noch vorn einige Zahulócher, sonst ist überall Obliteration der Alveolen mit 
chwund des Gewebes, in der Art, dass der Proc. pterygoides weit über das Niveau 
es Fortsatzes herabreicht. Die Supraorbitalränder sind im Ganzen zart; nur medial- 
ärts liegt jederseits ein kurzer, schräg aufsteigender Wulst. Die Stirn niedrig 
und etwas fliehend. Die Scheitelcurve sehr lang, niedrig. Das Hinterhaupt v9» 
inausgeschoben; stärkste Wölbung in der Mitte der Oberschuppe. 
‘310
	        
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