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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 82.1957

  
  
  
  
  
  
210 Herta Haselberger: 
und auf ein fingerhohes Lehmrelief gemalt. Derartige Zeichnungen auf plasti- 
scher Lehmauflage sind auch im Sudan und an der Guineaküste häufig. 
Das yon den maurischen Malerinnen in Oualata verwendete Rot ist eine 
Mischung zweier Tonarten mit Gummiarabikum. Der Farbstoff wird mit dem 
Finger aufgetragen. Manchmal sieht man in Oualata auch Indigo und Gelb, 
Farben, die in Negerafrika kaum verwendet werden und deren Vorkommen 
dort gewóhnlich auf Fremdeinflüsse zurückzuführen ist. 
Die mannigfaltigen Ornamente setzen sich aus geschwungenen Linien und 
Spiralen — Derivaten der Arabeske — zusammen und haben symbolische 
Bedeutung. Um die Türen laufen ,Ketten", weiter kennen wir ,Lampen" und 
Bücher", ja, manche Ziermotive 
werden sogar als Mánner und 
Frauen gedeutet. Die regelmäßi- 
gen Mauerfüllungen, Tür- und 
Fensterumrahmungen,  Rosetten 
und Sterne erinnern an die 
strenge Anordnung antiker Mo- 
saiken. 
Im nahe gelegenen Nema, das 
heute Qualata an Bedeutung über- 
ragt, wurden durch einen jungen 
Mann aus Oualata áhnliche Orna- 
mente an die Háuser gemalt, und 
eine Maurin aus Oualata hat das 
Gerichtsgebáude in Nioro mit sol- 
chen Verzierungen versehen. 
In diesem Gebiet sind mehrere 
Unterabteilungen von  Neger- 
stämmen ansässig, die in ihren 
weiter südlich gelegenen Haupt- 
wohngebieten die Wandmalerei 
— nicht unbeeinflußt durch die 
Kunst der Mauren — ausüben. 
Bei den Peul von Timbuktu 
und noch weiter im Süden, bei 
den „rothäutigen“ Fulah im Fouta 
Abb. 1. Eine Gourounsifrau trägt Kuhmist auf die Djallon, einem Gebirgsland in 
Lehmmauer auf, um sie so für die Malereien s ; 
vorzubereiten. Koudougou / Obervoltaprovinz. Franzôsisch - Guinea, kann man 
heute die letzten Zeugnisse einer 
prächtigen plastischen und gemal- 
ten Wandverzierung bewundern. Die Fulah sind weifafrikanische Nomaden, 
die sich im hohen Mittelalter in der Gegend niederließen und dann allmählich 
die autochthone schwarze Bevölkerung absorbierten. Sie schneiden kolorierte 
Verzierungen in die Lehmwände ihrer Häuser. Meist werden die Mauern aller- 
dings nur geweißt und mit Kuhdung eingelassen. Die gemalten Verzierungen 
werden immer seltener und sind nur in den Häuptlingsgehöften zu finden, da 
sie sehr kostspielig sind. In den Wohnhütten einfacher Leute, großen, stroh- 
bedeckten Rundbauten, beschränken sich die Zierate auf die tönernen Bett- 
stellem und auf eine Wandbank, die sich über den ganzen Umfang des Haus- 
inneren erstreckt und auf der die Vorráte aufbewahrt werden. In Palaver- 
háusern und Háuptlingswohnungen jedoch ist die ganze Wand mit Halb- 
monden, Stufenlinien, Spiralen und Kreuzen, deren Anordnung jedesmal eine 
andere und neuartige ist, bedeckt. Ebenso schmiickt man auch den Fußboden 
  
  
 
	        
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