Die Rusas-Stele von Topsanä (Sidikan). 105
‘Usammengewehten Schneemassen jede Passage über den 8000 m hohen
Pass — sicher ständig gut bewacht, was um so leichter durchzuführen
Far, als aller Wahrscheinliehkeit nach die Anwohner jener Gebirgskette,
‘0 wie heute, so auch vor 2600 Jahren die Gewohnheit hatten, Anfang
oder Mitte Mai mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel und ihrem ge-
‘ammten Viehstand die kühleren, schón begrasten Gebirgshôhen zu be-
Ziehen und bis in die Nähe des Passes selbst mit ihren Zelten hinaufzusteigen.
Es Sel hier kurz bemerkt, dass das wilde Gebirgsland zwischen Rowanduz
Und der Kelischin-Kette, das Gebiet des Reiches Mutsatsir, zwar prächtige
Matten und herrlichen Wald, aber fast gar kein Ackerland aufweist, so dass
lothwendigerweise die dortige Bevölkerung, wie heute, so auch früher
uf Viehzucht als Hauptbeschiftigung angewiesen war.
Somit erschien für den Assyrerkönig ein Eindringen in Mutsatsir selbst
Tur Möglich, wenn er den Pass durch Ueberrumpelung nehmen konnte;
“mal oben angelangt, bot das Herabsteigen nach Mutsatsir weiter keine
Schwierigkeiten mehr. Eine solche Ueberrumpelung konnte nicht besonders
Vhwigrio sein. Einerseits waren die Gebirgsbewohner durch die Thatsache,
lass keiner der Assyrer-Kónige auf den zahlreichen Feldzügen zum Süd-
Ufer des Urmia-Sees hin jemals daran gedacht hatte, diesen Weg forciren
m Wollen, dass selbst Sargon's Heere stets in respectvoller Entfernung
in ihm vorbeigezogen waren, sicher allmählich sorgloser und weniger
Vachsam geworden; andererseits ist der Aufstieg zum Kelischin-Pass von
der Persischen Seite her keineswegs besonders beschwerlich: in 4 Stunden
“ann man von Hae(k), dem am Fusse der Passkette belegenen Kurden-
orto. in 6 Stunden von Uschni bequem hinaufsteigen. Und früher, als
toch der grosse chaldische Kriegsweg als fahrbare Strasse dort existirte,
Var der Aufstieg noch leichter, als heutzutage.
à So gelang dem assyrischen Heere die Forcirung des Passes. Als Urzana
» Ánrücken desselben erfuhr, entfloh er, und zwar zu Rusas, wie wir
Hoch Sehen werden; denn das kaum oder nur schwach befestigte Mutsatsir
ony einem feindlichen Angriff kaum widerstehen. Urzana und seine
Vortahren hatten sich auf die von Natur aus kaum zugängliche Lage ihrer
Stadt Verlassen und demgemäss wenig oder gar nichts für deren Be-
NM und Vertheidigung gethan. Die Assyrer andererseits mussten
"eh darauf beschranken, die Stadt, das Kónigssehloss und namentlich den
sen Chaldis- Tempel, — letzterer zugleich ein Haupt-Heiligthum der
alder igi, noch aus der Zeit stammend, da die Chalder in der Nihe
"i Mutsatsir siedelten, von wo aus sie dann die nördlichen Gebiete er-
en, — zu plündern; dann traten sie den Rückzug an, da die himmel-
AlStrebenden Bergketten wenig zum weiteren Vorrücken einluden, und
tay dünnbevölkerte Land mit seiner feindseligen Bevölkerung nicht in der
Mi War, die für den Unterhalt grósserer Heeresmassen erforderlichen
ebensmittel für längere Zeit zu liefern.