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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 39.1907

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E. Seler: 
Geburt, des mythischen Westens, wo Götter und Menschen ihren Ursprung 
genommen haben sollen. 
Die im zweiten Kapitel der Chronik 'Tezozomoc's berichtete Er- 
zählung lässt nun die Mexikaner auf dem Couatepetl, dem ,Schlangen- 
berge“, der Stelle, wo mach einer bekannten Sage Ustzüopochtli selbst 
aus einem Federballe, den seine Mutter in den Busen steckte, geboren 
sein soll?) — auf Geheiss ihres Gottes sich ihre Stadt erbauen. Diese 
Stadt hat natürlich genau die Beschaffenheit der späteren wirklichen 
Stadt: — in der Mitte die Pyramide des Gottes Uitzilopochtli, umgeben von 
den Kultusstätten der Götter der verschiedenen Stadtquartiere. Vor dem 
Tempel Uitzilopochtli's — „una xicara, como batea grande“, d. h. der grosse 
scheibenfôrmige, skulpierte, eine ringfôrmige Vertiefung auf seiner Ober- 
fläche tragende Stein, der unter dem Namen quauhaicalli bekannt ist; 
und davor wiederum der Ballspielsplatz des Gottes (Wach). Genau wie 
das auf dem Plane des grossen Tempels zu sehen ist, der in dem Sa- 
hagun-Manuskripte der Biblioteca del Palacio in Madrid enthalten ist, 
und den ich S8. 771 des zweiten Bandes meiner Gesammelten Abhand- 
lungen veröffentlicht habe. Rings um die Stadt natürlich der See mit 
seinem Róhricht, den Weiden- und Taxodiumbüumen, den Fischen und 
dem Wassergeflügel. Obwohl nun eigentlieh der Gott diesen Stadtbau 
veranlasst hat, wird er doch plótzliceh darüber zornig, gibt durch ein 
Portentum seinen Unwillen kund, lisst den See mit allen Pflanzen und 
allem Getier vertrocknen, ,dass alles, wie in Rauch aufgegangen und 
verschwunden war, so dass es als eine andere Welt (eine vergangene 
Welt) erschien, alles was er auf dem Schlangenberge angelegt hatte“, und 
die Azteken auf diese Weise gezwungen sind, weiter zu ziehen. Das 
Portentum besteht hier darin, dass die CoyolrauA, die ältere Schwester 
Uiteilopochtl?s, getótet, gekópft, und ihr das Herz aus dem Leibe genommen 
wird und dass den Centzon uitznaua, den vierhundert Südlichen, den feind- 
lichen Brüdern Utzilopochtl?s, das Herz aus dem Leibe gefressen wird, d. h. 
dass sie durch Zauberei getötet werden, denn Ustzilopochtló ist der teyollo- 
quani, der ,die Herzen der Leute frisst“, d. h. der durch Zauberei 
tötende Gott. Das Portentum ist wiederum der Natur des Ortes an- 
gemessen. Denn der Couatepetl, der „Schlangenberg“, das war ja die 
Stätte, wo der in Wehr und Waffen dem Leibe seiner Mutter ent- 
steigende Gott die zum Kampfe gegen ihn, oder gegen seine Mutter, heran- 
ziehenden Geschwister, die ältere Schwester Coyolzxauhqui und die vier- 
hundert Centzon uitznaua besiegt, die Coyolzauh tötet und zerstückt und 
die Centzon nitznaua den Schlangenberg hinunterjagt, sie ihrer Habe und 
ihres Glanzes, der leuchtenden Kopfbedeckung anecuyotl, beraubend. - 
= Das ist im Grossen der Inhalt dieser Erzählung. Es kommen dabei 
aber noch eine Anzahl besonderer Züge zum Vorschein, und wir werden 
gut tun, zum mindesten den zweiten Teil der Erzählung genauer zu ver- 
folgen, um über die Einzelheiten uns Rechenschaft geben zu können. 
Bei Beschreibung jener ‚ersten von den Mexikanern auf dem Couatepetl, 
dem ,Schlangenberge“ gegründeten Stadt wird im Tezozomoc gesagt, dass. 
1) Vgl. die genauere Erzühlung dieses Märchens in Sahagun, Buch 3, Kap. 1, $ 1.
	        
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