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Full Text: Geschlechts-Umwandlungen

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Ergebnis. 
Aus der Vorgeschichte der Kinder und aus der von uns vor­ 
genommenen Untersuchung, die in allen wesentlichen Teilen überein­ 
stimmen, so daß Anamnese und Untersuchungsbefund sich vollkommen 
decken, ergibt sich mit Sicherheit, daß sowohl Charlotte als auch Gertrud 
L. männlichen Geschlechts sind, und zwar handelt es sich um einen aus­ 
gesprochenen Fall von sog. „Pseudohermaphroditismus masculinus“ bei 
überwiegend männlichem Habitus, d. h. um ein bloßes Scheinzwittertum, 
eine Entwickelungsstörung bei einem in allen Teilen männlichen Indi­ 
viduum ohne Beimischung wesentlicher weiblicher Geschlechtscharaktere. 
So muß die Geschlechtszugehörigkeit beider Kinder als eindeutig männ­ 
lich bestimmt werden. 
Es liegt im individuellen Interesse der Kinder und im sozialem In­ 
teresse, daß eine Umwandlung der beiden als Mädchen Erzogenen so bald 
wie möglich vorgenommen wird, da die Inkongruenz zwischen dem künst­ 
lich anerzogenen und dem. wirklichen Geschlechte immer größer wird und 
zu schweren Äergernissen Veranlassung gibt, die auf die Dauer eine ge­ 
deihliche Entwickelung und Lebensführung der Kinder, sowie die Aus­ 
übung eines Berufes unmöglich machen, vor allem aber auch den Eltern 
und den Kindern dauernd so schwere seelische Leiden auferlegen, daß es 
bisher nur dem ärztlichen Zuspruche gelungen ist, sie vor verzweifelten 
Schritten zu bewahren. Was die Namensänderung betrifft, so geht der 
Wunsch der Eltern dahin, daß Anna Louise Charlotte in Ludwig, 
Gertrud in Gerhard umgeschrieben wird.
	        
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