loo Besprechungen.
grossen, Arbeit und Geduld bedurfte, um dieses Alles zusammenzubringen, und dass 6$
nicht immer leicht gewesen ist, das Misstrauen namentlich der niederen Casten gegen
den neugierigen Frager mit Geschick und Tact zu überwinden. Max Bartels.
Dorr, R. Die Gräberfelder auf dem Silberberge bei Lenzen und bei
Serpin, Kr. Elbing, aus dem 5.—7. Jahrh. nach Chr. Geb. Mit 3 Taf.
und 7 Text-Figuren. Elbing 1898. 4°.
Der Verf. veröffentlicht in der obigen Festschrift zur Feier des 25 jährigen Bestehens
der Elbinger Alterthums-Gesellschaft, deren vieljühriger Vorsitzender er ist, die Ergebnisse
seiner Untersuchungen zweier Grüberfelder bei Elbing, welche in doppelter Hinsicht unser
Interesse in Anspruch nehmen. Die Provinz Westpreussen ward bekanntlich in prä-
historischer Zeit ungefähr durch die Weichsel in 2 verschiedene Gebiete getrennt, von
denen das östliche mehr oder weniger den Charakter der ostpreussischen Cultur zeigt.
Bisher fehlte es aber dort gerade an solchen Funden, welche für diesen Gegensatz s0
recht bezeichnend sind, besonders an jenen Armbrustsprossen-Fibeln, welche sich zwar
aus einer einfachen provincialrömischen Form entwickelt haben, aber später in selbständiger,
barbarisirender Gestalt im Gebiet der alten Aistier oder Pruzzen fortlebten, nachdem die
römische Cultur schon erloschen war. Diese Lücke wird nun durch die Ausgrabungen
des Hrn. Dorr auf dem Silberberge vollständig ausgefüllt. Von etwa 150 Brandgräbern
konnten noch 80 vom Verf. untersucht werden; dieselben zeigten folgenden Bau. Gegen
0,4—0,5 m unter der Oberfläche lagen kreisförmige oder elliptische Pflaster aus Kopfsteinen,
darunter eine Brandschicht von 0,1—0,2 m Dicke mit menschlichen Knochen, die in
Häufchen zusammen oder zerstreut waren, selten in eigentlichen Brandgruben sich fanden
und nur spärliche Beigaben von Bronze, Eisen oder Thon darboteu. Oft lagen unter den
Menschengräbern die Ueberreste von Pferdegräbern, aber stets unverbrannt.
Von den Beigaben sind hervorzuheben: 25 Armbrust-Sprossen-Fibeln, 6 Armbrust-
Vibeln, 3 Scheiben-Fibeln, Gürtel, Riemenbeschlüge, Schnallen, Pferdeschmuck, Sporen,
Perlen, Thongefässe, Wirtel, unbearbeiteter Bernstein, Schwerter, Speerspitzen, Messer —
alles trägt sowohl in Form wie Ornamentik deutlich den Stempel localer Industrie. Und
dies ist der zweite Gesichtspunkt, von welchem aus der vorliegenden Arbeit eine be-
sondere Wichtigkeit zukommt. Da nun das Gräberfeld am Silberberge, wie der Verf. mit
Recht annimmt, der Zeit vom 5.—7. Jahrh. nach Chr. Geb. angehört, so haben wir in
diesen Funden ein vollstindiges Bild von dem Culturzustande der damaligen Bewohner
Ost-Preussens vor uns, wie es bisher nicht vorlag, nicht nur von ihren Sitten und Ge-
bräuchen, sondern auch von ihrer heimischen Industrie, welche zwar von barbarischem
Geschmack, aber von ausgezeichneter Technik Zeugniss ablegt, wie dies aus der sorgfältigen
Beschreibung und Abbildung der Funde hervorgeht.
Wenngleich daher diese Abhandlung zunächst nur unsere Kenntniss von der vor
geschichtlichen Cultur Westpreussens vervollständigt, so verdient sie doch in hohem
Grade die Anerkennung weiterer Fachkreise, weil sie ein zeitlich und räumlich ganz ab-
geschlossenes Culturbild in vortrefflicher Weise zur Anschauung brinet. Lissauer.
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