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Volltext: Anthropos, 18/19.1923/24

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Dr. Hermann Ulrich. 
methodischen Folgerungen, die Jaspers an seine Kritik für die Psychopatho 
logie anschließt, lassen sich auch auf die in der Ethnologie vorliegende 
Methode übertragen: das starre Nebeneinander muß durch psychologische und 
soziologische Erwägungen in ein Miteinander umgewandelt werden, in ein 
Ganzes spezifischer Struktur, in dem jedes Element eine nur ihm eigentümliche 
Färbung hat. Jaspers schreibt: „In der allgemeinen Psychopathologie behan 
delt man einzelne Symptome und Symptomkomplexe isoliert auf das hin, worin 
sie übereinstimmen — gleich, bei welcher Krankheit sie auftreten. Daran 
schließt man die Behauptung, daß diese Symptomkomplexe bei allen Krank 
heiten Vorkommen, wenn auch einzelne bei einigen Krankheiten häufig sind 
und so für diese charakteristisch werden. Allein die Symptome und Symptom- 
komplexe treten nicht überall identisch, nur nach Häufigkeit verschieden auf, 
die Krankheitsbilder sind keine mosaikartigen Gebilde, die aus einzelnen über 
all identischen Steinen zusammengesetzt sind, vielmehr hat jedes Symptom bei 
verschiedenen Kranken mannigfache Nuancen, die nicht nur in der mehr oder 
weniger vollständigen Entwicklung des ,reinen 4 Symptoms bestehen, sondern 
aus der verschiedenen Individualität und aus verschiedenen allgemeinen see 
lischen Veränderungen herfließen.“ (Cf. auch das bei Krueger Gesagte!) 
9. Offenbar ist die Bedeutung, die der Form innerhalb der Kultur 
kreistheorie als Erkenntnisgrund zugeschrieben wird, nicht selbst historisch 
beweisbar, sondern beruht auf anderen Erwägungen (nämlich wesentlich 
psychologischen), über die sich freilich Gräbner nicht näher äußert. Wenn 
Krueger („Entwicklungspsychol.“, S. 174) sagt, daß nicht nur in den Kapiteln 
über Quellenkritik, sondern auch in den Gedankengängen Geäbner’s über das 
Formproblem eine Fülle psychologischer Voraussetzungen und Fragen stecken, 
so ist ihm dies wohl zuzugeben, aber es scheint uns, daß Krueger hier Seins 
und Erkenntnisgrund verwechselt. Er sagt z. B. (S. 174): „Die hier hervor 
tretende Fragestellung durchbricht die historische Enge, worin Gräbner’s 
Lehre vom völkerkundlichen Erklären im Ganzen befangen bleibt“ 4S . 
10. Das Quantitätskriterium läßt sich übrigens durch Korre 
lationsmethoden noch exakter gestalten (siehe z. B. J. Czekanowsky). Darauf 
weisen auch die Begriffe: Formzusammenhang, Kultureinheit usw. hin, die 
methodisch als Vereinigungen des Formkriteriums mit dem Quantitäts 
kriterium anzusprechen sind, d. h. also, daß verschiedene Kulturerscheinungen 
mit Konstanz zusammen auftreten, oder anders ausgedrückt: korrelationiert 
sind. Gewiß erfahren wir durch derartige Methoden über den Grund der „Ad 
härenz“ zunächst nichts, es kommt uns aber vorderhand auch nur darauf an, 
möglichst exakt dieses Phänomen der Adhärenz darzustellen. Doch spricht gegen 
eine breite Anwendung statistischer Methoden die geringe Anzahl der jeweiligen 
Fälle und die unsichere Feststellung der Vergleichseinheiten. 
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über das „Formkriterium“ hinaus in der Anwendung auf die geistige Kultur (Religion, Kunst usw.); 
dann werden auch alle von uns angeschnittenen Probleme akut werden. 
43 Siehe die Ausführungen Krueger’s in seiner Entwicklungspsychologie, der einen 
einseitigen Historismus in der Ethnologie zurück- und der Beziehungen der GRÄBNER’schen 
Methode zur Psychologie aufweist. Er zeigt auch manche unklaren Begriffe auf und die ein 
seitige historische Verwendung mancher Kategorien (z, B- „Kultureinheit“).
	        
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