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Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre. Jedoch unter den Bedin-
gungen einer allgemeinen Kulturbetrachtung im ersten Jahrzehnt
des 20, Jahrhunderts in der bürgerlichen Altmexiko-Forschung
ist Humboldts gesellschaftswissenschaftliche Gesamtschau Mexi-
kos in ihrer Bedeutung völlig verkannt worden,
Seler vertrat die Auffassung, "dass für die amerikanische Wis-
sensehaft die Zeit der uferlosen Spekulationen vorbei ist, d&se
wir allmählich Grund gewinnen, und dass zu erwarten steht, dass
wir in nicht allzu ferner Zeit einigermassen mit Sicherheit
über diese schwerwiegenden und interessanten, aber schwierigen
Probleme werden reden können" (Seler, 1960-61, II, 30).
Seiner Meinung nach war es an der Zeit, "Untersuchungen all-
gemeinerer Art" vorzunehmen (Seler, 1909, 869); er äußerte je-
doch nicht, wie er sich allgemeinere Untersuchungen im Rahmen
positivistischer Beschränkung auf empirisch Faßbarcs vorstellte.
Zunächst warb er um Mitarbeiterschaft bei der wissenschaftlichen
Aufbereitung der Hinterlassenschaften "der von der spanischen
Eroberung überrannten hochzivilisirten Völker" (Seler, 1960-61,
II, 15). Seler selbst gab mit seinen Forschungen “eine Fülle
von scharfsinnigen Einblicken in die altmexikanische Kultur...,
Einblicke, die sich zum Teil zu unanfechtbaren Erklärungen,
und wo diese nicht möglich waren, zu annehmbaren Deutungen er-
heben und damit unsere Erkenntnis wesentlich fördern (Strebel,
1893 a, 217).
Zusammenfassend 1äßt sich feststellen: Selers minutiöse Stu-
dien waren bedeutend für die Weiterentwicklung dieser Spezial-
wissenschaft; "seine Leistungen sind ein Gut, von dem noch die
fernsten Geschlechter zehren werden" (Preuß, 6), Als positiver
Beitrag Selers ist zu würdigen, daß er durch die Beschränkung
auf eine Erforschung Alt-Mexikos den Fortbestand der Spezialwis-
senschaft in der Zeit kolonialer Auslandsinteressen der deut-
schen Bourgeoisie sichern konnte. Indem die Mexikanistik zu
einer Kulturwissenschaft wurde, ließ sie sich in die Reihe der
Wissenschaften einordnen, die in ahistorischer Betrachtungswei-
se = aber dennoch getrennt von direkter Kolonialpologetik = die