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Full Text: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 1.1891

Der Tod in Sitte, Brauch und Glauben der Südslaven. 
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Frauenzimmer. Darauf Koren: „Weisst du was, ioli hab's mir zugesagt, 
class ich mit dem Erstbesten, der mir in den Weg kommt, diese drei 
Mass Wein, die ich im Fässchen trage, gemeinschaftlich austrinken werde. 
Ich besitze dir, Tschaperl (nebore), einen Weingarten, der wirft mir Jahr 
aus Jahr ein hundert Eimer Wein ab, heuer aber bekomme ich dir, schau 
her! bloss drei Mass. Gut, dass ich wenigstens noch die bekommen habe." 
Das Weib entgegnete: „Mein lieber Koren, dich suche ich gerade. Mache 
dich fertig, ich bin die Smrt. Bog hat mich auf dich losgeschickt; weil 
ich dich aber nicht daheim angetroffen, bin ich dir entgegengegangen." — 
5,Mache keine Dummheiten, Smrt! zuvor muss ich mein Versprechen ein¬ 
lösen, dann bin ich bereit; kannst machen mit mir, was dir beliebt". 
Sagte es und reichte der Smrt das Fässchen hin. Die Smrt nahm das 
Fässchen und that einen langen Schluck daraus, den Rest trank Koren aus. 
Nun waren sie Beide ziemlich guter Dinge, und Koren sagte: 
„Merkwürdig, das Spundloch ist so klein, und doch haben wir den Wein 
so bald herausgekriegt. Horch mal Smrt! als Kind noch, es ist schon 
freilich längere Zeit her, habe ich erzä~hlen gehört, du könntest dich so 
dünn machen, dass du mit Leichtigkeit durch dieses Spundloch ins Fässchen 
hineinschlüpfest. Alles glaub' ich gerne, doch so etwas ist doch nicht 
möglich. Hab1 ich recht oder nicht?" — Entgegnete die Smrt: „Mein 
lieber Koren, du hast wirklich nicht recht; denn ich kann mich wie ein 
Strohhalm dünn machen und überall hineinschlüpfen". — „Na, sei so gut! 
Probiert einmal, damit ich auch dieses Wunder vor meinem Hinscheiden 
noch sehen könne". 
Die Smrt verdünnte sich wie ein Strohhalm und schlüpfte durch das 
Spundloch ins Fässchen hinein; im selben Augenblick aber spundete Koren 
das Loch mit dem Stöpsel so fest als möglich zu und trat den Heimweg 
an. Die Smrt begann ihn zu bitten und zu beschwören, er soll sie frei¬ 
lassen; sie werde ihm ja nichts tliun, sie wolle ihn sein Lebtag in Frieden 
lassen, doch es half ihr nichts. Daheim stieg Koren auf den Boden und 
hino- das Fässchen in den Rauch. Seiner Frau aber teilte er die Ge- 
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schichte mit und sagte ihr, sie möge reinen Mund halten. 
So verstrichen volle sieben Jahre, dass sich die Smrt im Rauchfang 
selchte. Bei Koren starb inzwischen keine Seele, so dass sich darob alle 
AVeit bass verwunderte. Endlich wurde Koren bange, Gott (Bog) könnte 
ihm den Streich übel nehmen und darum stieg Koren auf den Boden 
hinauf und spundete das Fässchen auf. Die Smrt war schon ausgedörrt 
wie ein Heuhalm. Flugs entwich sie aus ihrem Kerker und rannte 
schleunigst davon. 
Alsdann begann ein allgemeines Sterben, nur Koren und die Seinigen 
blieben verschont. Da sagte Gott der Herr schliesslich zur Smrt, sie 
solle auch Koren vom Leben scheiden; doch die Smrt mochte um keinen 
Preis den Auftrag ausführen, weil sie sich vor Korens Listen fürchtete.
	        
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