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Full Text: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 1.1891

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Steinthal: 
beschränken. Wir wünschen dringend, dass die Volksforscher in den 
Niederlanden, in den skandinavischen Ländern, in England und Amerika 
sich uns anscliliessen und brüderlich in unsere Reihen treten. Schon die 
ersten Hefte werden beweisen, dass unser Wunsch sich erfüllt. 
Für die vergleichende Volkskunde ist ferner von grosser Bedeutung 
das Zusammengehen mit der A^olksforschung in den slavischen und roma¬ 
nischen Ländern, ferner in Ungarn und Pinnland, ja überall, wo Sinn für 
diese Studien sich regt, deren Material über die bewohnte Erde ver¬ 
breitet ist. 
Möge diese Zeitschrift ein Mittelpunkt für die gesamte Volkskunde 
werden! 
Unbefangenheit in allen nationalen Fragen ist unser Grundsatz. 
An den Leser. 
Von Prof. Steinthal. 
Die von Prof. Lazarus und mir herausgegebene Zeitschrift für Völker¬ 
psychologie und Sprachwissenschaft liegt in 20 Bänden vor. Seit dem 
Erscheinen des ersten Heftes derselben ist so ziemlich ein Menschenalter 
verflossen, und von denjenigen Männern, welche jenes wohlwollend 
begrüssten, werden viele dahingeschieden sein und die gegenwärtigen 
Seiten nicht mehr lesen. Was jene Bände geleistet haben mögen, will ich 
nicht fragen; aber ich bin der festen Überzeugung: ehrliche Arbeit bleibt 
nicht ohne Erfolg. 
Von jetzt ab wird unsere Zeitschrift unter anderem Namen, sozusagen: 
unter neuer Flagge fahren; ihre Ladung wird den veränderten Verhält¬ 
nissen entsprechend teilweise eine andere sein; aber ihr Ziel, ihr wissen¬ 
schaftliches Streben wird dasselbe bleiben: die gründliche Erforschung des 
Volksbewusstseins, des geistigen Völkerlebens. 
Uns dieses Ziel wieder einmal vorzuhalten, könnte wohl jederzeit 
erwünscht, erforderlich sein, umsomehr beim Antritt der neuen Fahrt. 
Selbst eine teilweise Wiederholung dessen, was wir beim ersten Erscheinen 
dieser Blätter (Bd. I. S. 1 — 73; vergi, auch Bd. XVII. S. 233— 264) gesagt 
haben, dürfte den gegenwärtigen Lesern nicht unwillkommen sein. 
Es war ein neuer Terminus: Völkerpsychologie, und er hat viele 
Gregner gehabt. Die Psychologie überhaupt, als Wissenschaft vom
	        
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