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l'ralin :
Glaube und Brandl in der Mark Brandenburg.
Yon H, Prahn.
Vorbemerkung.
Als geborener Neumärker hatte ich von Jugend auf Gelegenheit, Land
und Leute in dem östlich von der Oder gelegenen Teile Brandenburgs
kennen zu lernen, zumal ich infolge einer weitverzweigten Verwandtschaft
und eines ausgedehnten Bekanntenkreises schon als Schiller in der Ferien¬
zeit in fast alle Teile der Neumark, das Bternberger Land eingeschlossen,
kam. In den Jahren 1889 und 1890 nun habe ich an Ort und Stelle die
in nachfolgendem mitgeteilten Beispiele von Aberglauben aus dem Munde
des Yolkes gesammelt. Ausserdem führte mich mein Weg nach Biesenthal
(Ausgangspunkt für Barnim), nach Beelitz, Fresdorf, Blankensee (für die
Zauche) und nach Baruth.
Die Gebräuche, bei denen ein Fundort nicht angegeben ist, sind mir
aus den drei genannten Gegenden bekannt geworden. Viele von den Be¬
sprechungsformeln haben mir handschriftlich vorgelegen; sie sind in der
Sammlung mit einem * versehen.
A. An bestimmten Tagen im Jahr.
a) Am Christabend.
1. Nach Sonnenuntergang wird in der Zauche keine Milch, keine Butter, kein
Käse aus dem Hause gegeben aus Furcht, dass dann das Vieh behext werden
könne. Man hält die Hexen dadurch fern, dass man um das Gehöft Dill streut.
Fresdorf. Blankensee.
2. Füttert man die Pferde mit Häcksel, zu dem man Stroh aus fremden Dächern
gestohlen hat, so bleiben sie im kommenden Jahr gesund. Dölzig. Schlanow.
Lorenzdorf.
3. Man schneidet von altem Käse die Kruste ab und streut sie in die Mitte
der Stube. Wer dort am meisten tanzt, erhält zuerst einen Mann. Biesenthal.
b) In den Zwölften (25. Dezember bis 6. Januar).
1. Es wird kein Dung aus den Ställen entiernt, überhaupt nichts vom Hofe
auf das Feld gefahren. Fresdorf.
2. Wenn man Dung fährt, ermüden die Pferde (Woldenberg) oder die Kühe
bekommen Läuse. Dölzig.