Abb. 3 Die Ausstellung in deutscher Übersetzung und veränderter Farbgebung im Weltmuseum Wien,
2011. © KHM mit MVK und ÖTM.
Besucher_innen, Lichteneckers Sammlung sowohl geographisch als auch ge-
schichtlich zu situieren. Die größte Veränderung stellte die Übersetzung der
namibischen Stimmen vom Englischen ins Deutsche dar. Mehr als 80 Jahre
nachdem die Frauen und Männer »Nachrichten an Deutschland« in den Pho-
nographen gesprochen hatten, im Glauben, dass ihre Nachrichten in Europa
gehört werden würden, erreichten diese zum ersten Mal ein deutschsprachiges
Publikum.
Die Pressestimmen zur Ausstellung fielen durchgängig verstört aus (vgl.
\PA 2011; Seethaler 2011; Strobl 2011; Wurmdobler 2011). Die Konzentration
auf den Inhalt der Ausstellung und das völlige Ausblenden der gestalterischen
Mittel lässt nicht nur Rückschlüsse über die wenig ausgeprägte Rezensionskul-
tur von Ausstellungen in der österreichischen Presse zu, sondern auch über das
mangelnde öffentliche Bewusstsein für die teilweise rassistische und koloniale
Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie. Die Stimmen der entmäch-
äigten kolonialen Subjekte aus Lichteneckers Archiv wurden mit Entsetzen zur
Kenntnis genommen.
Was Wir Hören
Diese Stimmen waren es auch, die den Studierenden in meiner Lehrveran-
staltung Einführung in die Ethnohistorie und historische Anthropologie‘°, zu
der Anette Hoffmann dankenswerterweise einen Vortrag beisteuerte, Unbe-
hagen bereiteten. In Rezensionen zur Ausstellung lobte zwar die Mehrheit die
<ritische Aufarbeitung des Archivs und die Rehabilitierung der namibischen