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Bibliographische Daten: Baessler-Archiv, 13=38.1965/66(1966)

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Westphal-Hellbusch, Kleidung der Jat 
Zu Stickerei II 
Abb. 29 zeigt das gestickte Vorderteil eines Frauenkleides der Fakirani aus 
Andhar/Kutch. Bei dieser Gruppe ist es üblich, das Vorderteil später in schwar 
zen Stoff einzusetzen; da es sich um das Kleid einer Frau aus der führenden 
Familie handelt, ist der Kleiderstoff in diesem Falle aus gekaufter Seide. 
Abb. 30 zeigt ein noch nicht eingesetztes Vorderteil, wie es bei den Siai üblich 
ist, einer den Fakirani benachbart wohnenden Gruppe in Khanot/Kutch. Ob 
wohl beide Gruppen heute auch Land bestellen, fallen sie auf Grund ihrer 
geschichtlichen Herkunft doch noch unter die Sammelbezeichnung „Maldari“, 
Viehzüchter. 
Man sieht auf den ersten Blick, daß die Muster dem gleichen Typus ange 
hören, doch gibt es im einzelnen eine Reihe von Unterschieden. Auf Abb. 29 
gibt es sieben weiße Halbkreise in der waagerecht abschließenden Borte, auf 
Abb. 30 nur 5. Dementsprechend laufen in Abb. 29 auch vertikal 5 Muster 
streifen parallel, in Abb. 30 nur 3. Die Zahl der Spiegelscheibchen, deren 
Reihen parallel zum Halsausschnitt einsetzen, beträgt in Abb. 29 je 13, in 
Abb. 30 5 bzw. 6. Die den Halsausschnitt umschließenden Borten unterscheiden 
sich in der Musterung usw. Im großen und ganzen handelt es sich unverkennbar 
um dieselbe Art der Stickerei, aber an den kleinen Unterschieden erkennen die 
Frauen sehr bald, welcher Untergruppe die Trägerin des Kleides zugerechnet 
werden muß. 
Mit großer Wahrscheinlichkeit besaßen die einzelnen Muster früher eine 
symbolische Bedeutung, ähnlich wie die der plastischen Verzierungen aus Lehm 
an den Innenwänden der Häuser, die ebenfalls von den Frauen hergestellt 
werden. Während aber einige Frauen die Bedeutung dieser Muster an den Wän 
den noch kennen, ist sie für die Stickmuster verloren gegangen, bzw. haben wir 
keine Frau gefunden, die darüber Auskunft geben wollte oder konnte. Von den 
Nachbarn der Jat wird darauf hingewiesen, daß diese auffällig viel weiß als 
Farbe verwenden, doch sind die auf den Fotos dunkel erscheinenden Farben in 
leuchtendem, ungebrochenen Rot oder blau, andere Farben wie schwarz oder 
grün werden nur sparsam verwendet. Heute kauft man das Stickgarn üblicher 
weise auf den Märkten. Die Stiche selbst sind ziemlich flächendeckende Platt 
oder Languettenstiche, die letzteren werden hauptsächlich zur Einfassung der 
Spiegelscheibchen und zum Abschluß einer Borte oder eines Musterstreifens 
verwendet.
	        
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