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Full Text: Globus, 9.1866

162 Schilderungen aus dem 
Paulo de Loanda durchmessen . Auf der Westseite ist vom portugiesischen Beuguela aus Ladislaus Magyar tief bis ins Innere der Ganguella - Länder gekommen . Was aber nördlich von den Ländern des Watiamvo und des Cazembe liegt , nach Norden hin bis zum Lande der Nyam Nyam und bis nach Baghirmi , das wissen wir nicht . Jur aqua - torialeu Westafrika keuueu wir lediglich die Küstengegend und diese nicht einmal bis weit ins Land hinein . Was liegt östlich von der Biafrabay , von der Serra do Cristal und von Loango ? Bis an - das Crystallgebirge ist Paul du Chaillu gekommen , und eben jetzt ist er auf seiner ge - fahrvollen Wanderung in derAequatorialgegeud uach Osteu hin begriffen ; er will das afrikanische Festland in diesen Breiten durchziehen und hofft bis an einen der westlichen Hauptzuflüsse des Nils zu gelangen . 
Ueber die Küstenstrecke im Süden der Nigermündungen , - namentlich über das Camerouesgebirge , die Corisco - bay und den Gabon haben wir seit etwa zehn Jahren manche Nachrichten erhalten , und wir kennen die Flußläufe bis zum Crystallgebirge . Katholische und protestantische Missionäre sind eifrig genug , aber ihr Bekehruugswerk hat in dieser Gegeud ebeu so geringe Erfolge wie anderwärts in Afrika . Sodauu haben die Engländer verschiedene Fak - toreien angelegt , uud die Franzosen haben sich am Gabou festgesetzt . 
Interessant genng ist diese äquatoriale Küstenregion Westafrika's , uud haben wir schon im VI . und VII . Bande des „ Globus " kulturgeographische Betrachtuugeu au die - selbe geknüpft . Jetzt trifft es sich , daß wir im Le Tour du Monde ( Nr . 304 ) einen sehr lehrreichen Bericht über deu Gabon finden , welchen wir unseren Lesern nicht vor - enthalten dürfen . Verfasser ist ein Arzt der kaiserlichen Kriegsmarine , Dr . Gri . ffou du Bellay , derselbe , wel - cher mit dem Schiffslieutenant Serval von der Küste einige Fahrten ins Innere unternahm , und von 1861 bis 1864 in diesen Gegenden verweilte . Wir geben feine teilungen in freier Bearbeitung . 
Vor nun 22 Jahren erschienen drei französische Kriegs - schiffe in der Bay des Gabon , der ein großes Aesiuarium bildet , uud nahmen von derselben Besitz . Sie hatten im Jahre vorher das Land durch Verträge mit deu Häupt - lingeu erworben , bauten eine Festuug und gaben den ver - schiedeneu Oertlichkeiten französische Benennungen , die aber wieder vergessen worden sind . 
Es handelte sich lediglich darum , eiue gute Schiffs - statiou zu erwerben . Vou Ackerbau kouute iu einer solchen Gegend keine Rede sein , denn die Eingebornen sind zu allem Möglichen aufgelegt , nur nicht zum Arbeiten , und ein Europäer , der auf freiem Felde thätig fein wollte , begiuge ohne Weiteres Selbstmord . „ In dieser Gegend ist die Arbeit für unsere weiße Rasse geradezu tödtlich . " _ 
Die Frauzoseu hatten allerdings eine sichere Rhede in diesen Regionen nöthig . Damals spielte die Verhinde - rung der Sklavenverschiffung aus Afrika eine große Rolle . Frankreich hatte darüber Verträge mit England uud unter - hielt an den afrikanischen Küsten 26 Schiffe , die zumeist klein waren und nicht viel Proviant an Bord nehmen konnten . Die nächste französische Besitzung , Goree , lag 860 Seelieues vom Gabon entfernt , uud nun wollte man an dem letztem eiue sichere und bequeme Statiou haben . Für eine solche ist denn auch die Gaboubay sehr wohl ge - eignet ; sie reicht 86 Miles landeinwärts , ist am Eingange unter 36' N . und 7° O . etwa 7 Miles breit uud bildet den Kern eines kleinen hydrographischen Systems , das im 
äquatorialen Westafrika . 
Osten von dem Crystallgebirge begrenzt wird . Von diesem kommen mehre Flüsse herab . Im Süden nnd Osten zieht sich ein großer Fluß um deu Gabou herum , der Ogowa'i , der mit mehren Mündungen in den Ocean fällt . 
Das Land gehört vertragsmäßig , wie fchon bemerkt , den Franzosen , tatsächlich sind sie aber nur im Besitze der Bay . Am rechten Ufer derselben haben sie ihre befestigte Faktorei ; dort liegt anch die katholische Mission nnd beim Dorfe Glaß die amerikanische Mission . In Glaß macheu euglische uud amerikanische Handelsleute belangreiche Ge - schäfte , uud auf der tiefen uud sichern Rhede liegt immer ein französisches Kriegsschiff . Uebrigens ist die fchöne , weite Bucht unr wenig belebt ; dann nnd wann kommen Handelsfahrzenge vom Ocean heran , oder Flußschiffe uud Pirogueu , deren schwarze Mannschaft den Nuderschlag mit eintönigen Gesängen begleitet . 
Alles ist still und öde . Diese völlige Abgeschiedenheit von der Außenwelt wirkt sehr niederschlagend auf das Ge - müth der Europäer , welche das Mißgeschick haben , ain Gabon leben zu müssen . Für den Mangel an gesellschaft - lichem Verkehr nnd Zerstrennng kann die schöne Natur nicht entschädigen . Der öde Anblick der afrikanischen Küste ist sprüchwörtlich nnd mit Recht , aber der Gabon macht eine Ausnahme . Denn dort reicht der üppige Pflanzenwnchs bis dicht ans Wasser , nnd die Dörfer liegen im Grün gleichsam vergraben . 
Im Allgemeinen ist die Gegend flach , aber im Norden erhebt sich ein hoher Hügel , der Bonet ; ans der Südseite sind einige . Punkte des Strandes nicht geradezu , niedrig ; in der Mitte der Bucht steigen die Ovendospitze , die Insel Co - niqnet und das Papageyeneiland ans dem Wasser empor uud siud mit üppigem Pflanzenwuchs bedeckt . Am Strande wuchert in . dem sumpfigen Boden Mangrovegebüsch , nnd etwas landein tritt der sogenannte Gabontulpenbaum auf , der jährlich zweimal eine große Fülle orangefarbiger Blü - then trägt . Aber dieser prächtigen Natur fehlt das Leben ; nur bei Glaß uud bei der französischen Faktorei findet man einige Beweglichkeit . In der letztern wohnen der Comman - dant , die Beamten und die in der Faktorei beschäftigten Leute ; auch haben Nonnen dort ein Erziehungshaus , und ganz in der Nähe liegt Libreville . In diesem Dorfe wurden im Jahre 1849 eine Anzahl Congo - Neger ange - siedelt , welche man einem Sklavenhändler abgenommen hatte . Die Kriegsbesatzuug besteht aus senegambischen Negern ; sie wäre aber entbehrlich , weil die Eingebornen an Auflehnung gar nicht denken . Und der Handel der Franzosen bedarf hier ohnehin des Schutzes nicht , denn er fehlt fast gänzlich , während die Engländer und Amerikaner gute Geschäfte machen . 
Die Region des Gabon wird vom Aequator durch - schnitten . Als Griffon du Bellay im Anfange ^des Sep - tembers 1861 dort ankam , ging eben die gute Jahreszeit zu Ende . Die Hitze , sagt er , war gerade nicht übermäßig , sie wurde Abends durch den Seewind gemildert , die Nächte waren frisch intb nicht feucht , das Klima erschien demnach ganz leidlich . Zum Unglück hatte aber diese gute Jahres - zeit schon drei Monate angehalten , und man erwartete den Eintritt des Regens am 15 . September , weil er sich drei Jahre hintereinander an diesem - ag eingestellt hatte . Er kam denn auch richtig au , _ anfangs fein und nicht über - mäßig stark , dann aber hielt er bis in die ersten Tage Januars an ; nun folgte fechs Wochen lang die kleine trockene Jahreszeit , die aber sehr feucht und ungesund ist . Nachher fällt wieder Regen und zwar in gewaltigen Güssen mit prächtigen Donnerwettern , die einander rasch folgen . Das Ganze hat einen höchst nachtheiligen Einfluß auf die
	        
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