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Full Text: Globus, 10.1866

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Aus allen Erdtheilen . 
V . X . Export der brasilianischen Provinz Cearä . Im 
Monat November hat die Provinz Cearä exportirt : 
Kaffee 30 , 834 Arrobas ( 32 Pfd . ) im Werthe von 193 , 227 Milreis 
Baumwolle . . . 9 , 258 „ „ „ „ 154 , 362 „ 
Zucker . . . . . 16 , 165 „ „ „ „ 29 , 077 „ 
Trockene Häute . . 3 , 815 „ „ „ „ 19 , 075 „ 
Caoutschouk . . . 396 „ „ „ 3 , 564 „ 
Biolete 420 „ „ „ „ 143 „ 
Carrapicho ( Drogne ) 61 „ „ „ „ 56 „ 
Carnanba - Wachs 102 „ „ „ „ 614 „ 
Talg 67 „ „ 214 „ 
Total 400 , 332 Milreis 
Gibt es Pfahlbauten in Mecklenburg ? Wir finden in den „ Blättern von der Saale " ( vom 1 . Mai 1866 ) folgendes Schreiben aus Rostock vom 23 . April , das wir ganz einfach mittheilen : 
„ Der Entdecker der Pfahlbauten in Mecklenburg , Sergeant Büsch aus Wismar , ist mit 28 , 000 Thlr . flüchtig geworden und auf dem Wege nach Amerika . Ein mecklenburgischer Polizei - fergeant und 'ein Hamburger Polizeischreiber sind dem Flüchtigen , der einen Vorsprung von drei Tagen hat , nachgesandt , um ihn von Neuyork zurück zu bringen . Dieser Vorfall hat hier großes Aufsehen gemacht uud in der Presse eine eifrige Diskussion der Frage angeregt , ob nicht die Entdeckung von Pfahlbauten in hiesigem Laude auf einem Schwindel beruhe und die Sache nicht vielmehr allein der ingeniösen Erfindungsgabe und Selbst - sabrikation des Herrn Büsch zn verdanken sei . Gewiß ist , daß hier schon manche Zweifel rücksichtlich der Richtigkeit der Entdeckung lautbar geworden sind , uud hat bereits der int vorigen Sommer hier anwesende Professor Morlot , ein bedeu - tender Kenner der Pfahlbauteu , den ganzen fchweriner Pfahlbau für unrichtig erklärt . Es wäre nicht das erste Mal , daß die Herren Alterthümler getäuscht sind . Ward doch vor Kurzem von einem französischen Gelehrten ( dem Abbe Domenech ) auf Koste» der französischen Akademie das angebliche Tagebuch eines Ur - Indianers im Faesimile herausgegeben uud mit gelehrten Anmerkungen begleitet , welches sich später , wie durch einen deutschen Gelehrten dargethan , als das Exercitienhest eines deutscheu hinterwäldlerischen Jungen herausgestellt hat . Hier passirte im vorigen Sommer der Fall , daß uicht weit vom Schweriner See in Gegenwart unsers gelehrten Archivrathes Dr . Lisch und verschiedener hochgestellter Personen ein angeblich neu entdecktes Hünengrab aufgegraben ward , in welchem man einen großen Stein fand mit der darauf eingegrabenen myste - riösen Inschrift : Palum Snepus . Man glaubte schon eiue neue Ursprache entdeckt zu haben und war entzückt über den Fund , bis man schließlich erkannte , daß man in grausamer Weise mystisieirt worden sei , denn die räthselhaften Worte , rückwärts gelesen , lauteten plattdeutsch : Muläp süp ens , d . h . Maulaffe , saufe mal . " 
Die Schulbildung in Mecklenburg . Wir sind iu der erfreu - lichen Lage , aus diesem Lande etwas Angenehmes mittheilen zu können . Vor etwa drei Vierteljahren fanden wir ( wenn wir uns nach so langer Zeit noch recht erinnern in einem Hamburger Blatte ) eiueu Aufsatz über die Vernachlässigung des Volkssch'ul - wesens in jenem Großherzogthume . Derselbe theilte , angeblich , amtliche Ziffern mit und da man gewohnt ist , aus jener Region der Ostsee manches Eigentümliche zu vernehmen , so fanden wir keine Veranlassung , Zweifel in jene Mittheiluugen zu setzen . Wir entlehnten ihr einige wenige Zeilen . In Bezug auf diese erhalten wir erst jetzt folgende Berichtigung , welche unbedingten Glauben verdient , da sie vom statistischen Bureau iu Schwerin herrührt : 
„ Der Artikel über die Schulbildung in burg , welcher sich in der 10 . Lieferung des VIII . Bandes des „ Globus " S . 320 befindet , enthält unter Bezugnahme auf eiue Arbeit des großherzoglich mecklenburgischen statistischen Bureaus Zahlenangaben , die , wie der Einblick in die betreffende Arbeit sofort ergibt , ohne Ausnahme völlig unrichtig sind . 
Es 'ist z . B . gesagt , daß in der Ritterschaft 39 Procent der eingestellten Rekruten weder lesen , noch schreiben , noch rechnen konnten . In der Arbeit des statistischen Bureaus findet sich für diese Zahl gar kein Anhalt . Wohl aber ist darin nach - gewiesen , daß im Durchschnitt der Jahre 1858 bis 1862 in der Ritterschaft eine zureichende Fertigkeit hatten : im Lesen 81 Proc . , 
im Schreibeil 46 Proc . , im Rechnen 68 Proc . Für das Land im Ganzen stellen sich die Verhältnißzahlen ans87Proc . , 63 Proc . und 81 Proc . 
Es ist weiter gesagt , daß Schulbildung hatten : im ganzen Lande 15 , eine mangelhafte 59 nnd gar keine 26 Proc . Dieser grundlosen Angabe ist die vom statistischen Bureau uachgewiefene Thatsache gegenüberzustellen , daß von je 100 geprüften Rekruten 33 beim Lesen von Gedrucktem das Prädikat „ gut " erhielten , und daß nach der normirenden Instruktion _ die Leistung nur dann mit dem Prädikate „ gut " bezeichnet wird , „ wenn der zu Prüfende einen längeren , mit deutschen oder lateinischen Schrifl - zeichen gedruckten Satz deutlich und fließend vorlesen kann , wie es von einem Gebildeten verlangt wird " . Wie viele Rekruten gar keiue Schulbildung haben , geht aus deu vom statistischen Bureau mitgetheilten Zahlen überhaupt nicht hervor . Wohl aber ersieht'man aus denselben , daß unter je 1000 Rekruten sich in dem Zeiträume von 1858 bis 1862 nur 2 fanden , die zur Zeit ihrer Einstellung in das Militär gar nicht lesen konnten ; daß dagegen unter je 1000 sich 68 fanden , die gar uicht schreiben , und daß unter 1000 Rekruten 194 waren , die gar nicht mit geschriebeneu Zahlen rechnen konnten , d . h . nach der Instruktion nicht wenigstens für einige von den vier Species in ganzen Zahlen die gestellten Aufgaben fehlerfrei zu lösen verstanden . 
Um den Lesern eine wahrheitsgetreue Uebersicht des Bil - dungsstandes der Rekruten und zugleich des Einflusses zu geben , welchen die Ertheilnng von Unterricht im Lesen , Schreiben und Rechnen während der zweijährigen Militärdienstzeit hat , entnehmen wir der Arbeit des statistischen Bureaus folgende Resultate . 
Voil 1000 Geprüften konnten bei den Prüfungen 
der Rekruten von der Großbeurlaubten von 1858 bis 1861 1860 bis 1863 
1 ) Gedrucktes leseu : gut . . . . 322 544 
etwas . . . 544 422 
bnchstabiren . 131 34 
gar nicht . . 3 — 
2 ) Geschriebenes lesen : gut . . . . 171 335 
etwas . . . 393 471 
buchstabireu . 33» 175 
gar nicht . . 101 19 
3 ) Schreiben : gut . . . . 131 253 
etwas . . . 491 606 
Buchstaben . 303 134 
gar nicht . . 75 7 
4 ) Rechnen : gut . . . . 58 100 
ziemlich gut . 217 . . . . . . . 336 
etwas . . . 525 552 
gar nicht . . 200 12 
w . H . Mineralwässer in Siebenbürgen . Weuige Länder der Erde sind an trinkbaren Mineralwässern so reich als Sieben - bürgen . Die meisten und besten Quellen finden sich indeß hier nur im nordöstlichen nnd östlichen Theile des Landes , da hier allein die Trachytgebirge iu massenhafter Entwicklung austreten . In deu rauhen Hochthälern des Hargittagebirges , umgeben von dunklen Tannenforsten , entspringen der geheimnißvo'llen Erd - tiefe Mineralquellen von bedeutender Reichhaltigkeit und dem besten Geschmack . Trotz der Abgelegenheit und der wenig kom - fortablen Einrichtung sind solche Quellenfundorte als Bäder viel besucht . Namentlich aus der benachbarten Walachei und Moldan kommen alljährlich zahlreiche Bojarenfamilien in die siebenbürgischen Waldbäder , besonders nach Borzek , Elöpatak oder Tu'snad , um Heilung für wirkliche oder eingebildete Krankheiteil zn suchen . Uebrigens ist auch der Export von Mineralwässern schon sehr bedeutend . Nach amtlichen Aus - weisen betrug im Jahre 1864 der ErPort dieser Mineralwässer 9598 Zollcentner . Freilich überragte Böhmen mit seiner Ans - fuhr diese Masse noch bedeutend , da hier der Export die nam - hafte Ziffer von 24 , 016 Zentner erreichte . Dieses Uebergewicht hat jeues Kronland wohl zunächst nnr seiner bessern geogra - phischen Lage und den volkreicheren Nachbarländern zu verdanken ; die vorzüglicheren siebenbürgischen Wässer dürften den böhmischen wohl nicht nachstehen an Qualität . Wenn eiust die längst ge - wünschte Eisenbahn Siebenbürgen mit den entfernteren Ländern in billige Verbindung setzen wird , so ist unzweifelhaft , daß der Export von Mineralwässern selbst den Böhmens weit überragen wird . — 
Herausgegeben von Karl Andree ! » Dresden . — Für die Redaktion verantwortlich : Herrn an u I . Meher iu Hildburghansen . Druck nnd Verlag des Bibliographischen Instituts ( M . Meyer ) in Hildbnrghausen .
	        
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