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Full Text: Globus, 12.1867

In der Walachei . 
ii . 
Tie Dimbowitza . — Eine Reise ins Vinnenland . — Am Fluß . Ardschisch . — Der walachische Postillon und die Relaisstationen . Zigeunerschmiede . — Piteschti . — Kirchen und Klöster . — Geschichtliche Notizen über Rumänien . — Die Privilegien der Geistlichkeit . 
Die Walachen im Banate . 
Bucharest liegt an der Dimbowitza ; ein Sprüchwort bezeichnet dieselbe als ein süßes Wasser und fügt hinzu , daß Niemand wieder fortgehe , wer einmal von demselben gekostet habe . Ein seltsamer Geschmack ! Gleich oberhalb einer viel - fach benutzten Fuhrt liegen die alten Schlachtehäuser aus der türkischen Zeit . Sie gewähren einen widerwärtigen Anblick . Auf Stangen und an Gerüsten hängen Ochsenviertel und Schöpse , die in ungeschickter Weise auseinander gerissen sind ; andere Fleifchmafsen hängen an Ketten ; wollige Schafsköpfe , 
denen man die Augen ausgerissen hat , stecken die Zunge zwi - scheu den Zähnen herans ; überall stehen dort Blutlachen und herrenlose Hunde halten ein leckeres Mahl . Wer diese wa - lachischen Schlachtereien sieht , wird keine große Mühe haben , dein Gennsse des Fleisches zu entsagen und für eine Zeit - lang wenigstens der Pflanzenkost den Vorzug zu geben . 
Es wird einem nach so vielem Schmutz und übelen Ge - rüchen in diesem Bucharest förmlich unwohl und man eilt hinaus ins Freie , um reine , frische Lust einznathmen . Aber 

Ein Brunnen bei Bucharest . 
auch da draußen findet man wenig Trost oder Erquickung . Mau sieht nur Gebüsch , nnbebanete Felder , die sich wie Haide ausnehmen , Sümpfe und dann auch Obstbäume neben Dör - fern . In einem derselben war der Schwungbaum eines Zieh - bruunens am untern Ende mit Gerippen von Ochsenköpfen verziert ; das Ganze gewährte einen höchst primitiven An - blick . So wird es wohl auch in den Dörfern der alten Da - cier ausgesehen haben . 
, , In diesem Bucharest trifft man gar zu vielerlei Dinge , 
Globus XII . Nr . 11 . 
von denen man unangenehm berührt wird ; arge Verstöße gegen Recht nnd Gerechtigkeit , gegen Menschlichkeit und Mo - ralität ; man fühlt sich leichter , wenn man die Stadt erst wieder im Rücken hat . Sie steht aber , sowie sie eben ist , in völligem Einklänge mit ihrer Bevölkerung , und man könnte auch sagen , mit der in ihr lebenden Gesellschaft . Alles ist Ruine . " So schreibt der Franzose Lancelot , der aber gern den Walachen ein Compliment sagen möchte . Er stellt sich , als glanbe er an eine „ Renaissance " , und er hofft , daß all 
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