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Full Text: Globus, 16.1869

August Wöchentlich 2 Bogen . Halbjährlich 3 Thlr . Einzelne Nummern , soweit der Vorrath reicht , s . 4 Sgr . 1869 . 
Ausrottung der Indianer in Nordamerika . Ein Blick auf das Volk 
der Mandauen . 
ii . 
Die große Marterprobe der jungen Krieger . — Festmahl der Büsfel . — Ein Weib als Häuptling . — Ein Blick auf die 
Geschichte und den Untergang der Mandanen . 
Alle zum Martern bestimmten jungen Männer waren durch vierthalbtägiges Fasten und die lange Schlaflosigkeit matt geworden und lagen abgemagert an den Wänden der Me - dicinhütte umher . In der Mitte des Tempels standen zwei Männer ; der eine trug ein großes , zugespitztes Messer mit ausgezackter Klinge , so daß jeder Einschnitt ins Fleisch den größtmöglichen Schmerz verursachen mußte . Der andere hatte zugespitzte Holzpflöcke von der Dicke eines Fingers , welche sofort in die durch das Messer verursachten Einschnitte ge - schoben wurden . 
Die beiden Operateure , wahrscheinlich Zauberer , hatte man am ganzen Leibe mit rothem Oker bestrichen ; dagegen waren Kopf und Füße fchwarz . Der Messerträger hatte eine Maske vor dem Gesichte , denn er follte für immer nn - bekannt bleiben . Der Körper beider Zauberer war über und über mit Narben bedeckt , welche heute durch scheinende Far - ben , mit denen man sie bemalt hatte , scharf hervorstachen . Alle sollten sich überzeugen , daß Beide alle Martern auch ihrerseits durchgemacht und überstanden hatten . 
Jetzt erhob sich ein junger Mann und schleppte sich müh - fam zu den Beiden hin . Der Messermann befühlte ihm mit Daumen und Zeigefinger Hant und Fleisch des Vorder - und Oberarmes , der Schenkel , die Kniegegend und die Wa - den , in welche alle er Einschnitte machte ; zuletzt kamen die Brust und die Schultern an die Reihe . Mehrere junge Leute bedeuteten Herrn Catlin , daß er sie betasten und genau un - 
Globus XVI . Nr . 2 . ( August 1869 . ) 
tersuchen möge , bevor der Messermann seine Operationen an ihnen beginne . Sie ließen dieselben an sich vornehmen , ohne daß an ihnen auch nur ein Muskel gezuckt hätte . Dabei lächelten sie dem weißen Manne zu , der seiuerseits zusammen - schauderte , wenn er sah , wie das Messer ins Fleisch fuhr und das Blut hervorspritzte . 
Als die Einschnitte gemacht und mit den Holzpflöcken man kann wohl sagen gespickt waren , wurde von oben ein Lederstrick herabgelassen und an den Holzpflöcken der Brust oder auch der Schulterblätter befestigt . Unsere Illustration , nach einer von Catlin an Ort und Stelle entworfenen Zeich - nung , stellt den schauderhaften Auftritt genau dar . Jeder Gemarterte hielt in der linken Hand einen Medicinbentel , sein Schild wurde ihm an die Pflöcke des rechten Armes ge - hängt ; an jene des Vorderarmes und der Beine wurden Büsselschädel besestigt , welche an Stricken herabhingen . Dann wurde auf das Seil geschlagen , zum Zeichen , daß die aus dem Dache stehenden Männer den Gemarterten drei bis vier Fnß in die Höhe ziehen sollten ; das mußte geschehen , damit die Büsfelköpfe in freier Luft hin und her baumeln konnten . Dann erschien ein Mann , der am Leibe roth , an Händen und Füßen schwarz bemalt war , und drehte den Gemarter - ten dergestalt , daß er um sich selber herumwirbelte . Diese Bewegung im Kreise war anfangs langsam , wurde jedoch immer schneller und zuletzt so rasch , daß der hängende und gewirbelte Jüngling jedes Bewußtsein verlor . Alle Qualen , 
Mit besonderer Berücksichtigung der Anthropologie und Ethnologie . 
Verbindung mit Fachmännern und Künstlern herausgegeben von 
Karl A n d r e e . 
Band XVI .
	        
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