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Full Text: Globus, 16.1869

304 Aus allen 
Ende August . Der koptische Elfenbeinhändler Ghattas , welchem Dr . Schweinfurth sich angeschlossen hatte , war länger als zu er - warten stand , in Bahr el Ghazal aufgehalten worden , weil das Elfenbein sehr spät bei ihm anlangte . Schweinfurth hatte den Punkt , an welchem er sich zunächst als einer Art von Centrum aufzuhalten gedachte und von wo er Ausflüge machen wollte , seit einigen Monaten erreicht , — nämlich die Scribah des Kauf - manns Ghattas im Lande der Dschur , etwa unter 7° nördlicher Breite ; die Länge finden wir nicht angegeben . Der Reisende hatte während der Regenzeit vom Fieber nur wenig gelitten und bereits einige Ausflüge gemacht ; er wollte demnächst einen sol - chen in das Land der Niam niam unternehmen . Seine botani - sche und zoologische Ausbeute war reichlich ausgefallen , und die Sammlungen werden in der ersten Hälfte 1870 in Europa ein - treffen . — 
Wir wollen zur Erläuterung dieser Notiz einige Worte bei - fügen . Das Land der Dschur wird schon seit längerer Zeit von den Elfenbeinhändlern besucht / Auf Hassenstein's ganz vor - trefflicher „ Originalkarte des westlich en T heil es des obern Nilgebietes " , welche dem Werke Henglin's beigegeben ist , sind manche Seribas im Dschurgebiete verzeichnet . Die Seriba ist eine Niederlassung , welche die Elfenbeinhändler ( respective die Menschenräuber ) an einen geeigneten Punkt bauen , und die von ihnen auch wohl befestigt ist . In der Seriba lagern die erfor - derlichen Lebensmittel und Handelswaaren ; dort finden die Hun - derte von Leuten , welche für den Kaufmann im Lande umher - ziehen , um Elfenbein von den Negern einzuhandeln , ihre Sta - tion . Der Händler betrachtet sich ohne Weiteres als Herrn und Gebieter der Umgegend seiner Seriba ; jeder erklärt das in fein Gebiet fallende Elfenbein als selbstverständlich ihm angehörig , gleichviel ob die Eingeborenen einen Elephanten getödtet haben , oder ob er gefunden , oder von den Jägern geschossen wurde . Jeder läßt Handelsexpeditionen von seiner Seriba ins Innere machen , hütet sich aber wohl , die Straße eines seines Nachbarn zu betreten . Er breitet sich nach einer gewissen Richtung hin aus ; wo einmal seine Leute eingefallen sind , gehört der Platz ihm ausschließlich und für alle Zeiten . Die Sklaven - und Ochsen - jäger haben sich auf diese Art recht hübsch in das Land getheilt . 
Auf Hassenstein's Karte finden wir im Lande der Dschur mehrere Seribas speciell verzeichnet , z . B . auf dem 7° N . Ma - dunga , das Petherick's Seriba war ; südwestlich davon die Seriba Vaissiere ; in der Nähe von Nguri , bis wohin An - tinr - ri vorgedrungen ist : c . — Hoffentlich erfahren wir durch Dr . Schweinfurth Genaueres über den Dschur , der ein bedeu - tender Zufluß des Bahr el Ghazal , nach Petherick noch unter 5°30'N . wenigstens 120 Schritte breit und schiffbar ist . Heuglin meint , daß seine Quellen möglicherweise ferner liegen als jene des Bahr el Dschebel ; so bezeichnet man ganz richtig den so - genannten Weißen Nil von oberhalb der Stelle ab , wo er den Bahr el Ghazal , etwa 9%° 9t . , empfängt . Demgemäß zerfällt der Weiße Nil , Bahr el Abiad in zwei nominell gesonderte Ab - theilungen . 
Herr v . Heuglin erwähnt ( S . 124 ) des koptischen händlers Ghattas ; er begegnete auf dem Bar el Ghazal zwei Handelsbarken desselben . 
Attsinnische Gräber in Osterbottnien . Magister pel ! n hat im vergangenen Sommer auf Kosten der russischen Regierung das nördliche Finnland ( Esterbdtmm ) zum Zweck historischer und archäologischer Untersuchungen bereist und Gräber aufgefunden , welche sich am Ufer des bosnischen Meer - bnsens befinden . Er ist der Ansicht , daß sie den alten Fin - 
Erdtheilen . 
nen angehören , über deren Begräbnißgebräuche in der heidni - fchen Zeit man bisher kaum etwas wußte . Aspelin fand in den Gräbern bronzene Schmucksachen und eiserne Waffen . 
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— Die Dampferfahrten zwischen den Sandwich - inseln und der Westküste Amerikas finden bekanntlich zwi - schen San Francisco und Honolulu statt . Mit Anfang 1870 wird nun auch eine Dampferlinie zwischen Honolulu und Port - land in Oregon ins Leben treten . Der Unternehmer ist ein Deutscher , Jakob Kamm , welchem die haiwaiische Regierung einen Jahreszuschuß von 10 , 000 Dollars zahlt ; sie hat ihm auch allerlei Erleichterungen und Rechte zugestanden . 
— Unternehmer aus England haben die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn von der Hauptstadt Mexico nach dem Stillen Ocean erhalten . 
— Der ganze Novembermonat ist ungemein stürmisch gewesen ; die größte Heftigkeit scheint er in den mittleren und östlichen Staaten Nordamerikas erreicht zu haben . Dort richtete er entsetzliche Verwüstungen an . Ein Zug auf der Harlem - eifenbahn in Neuyork wurde aus dem Geleise geschleudert und allein die Locomotive blieb auf den Schienen stehen . Der Gepäck - wagen gerieth in Brand . Der Expreß - und der Rauchwaggon , sodann zwei Passagierwaggons wurden 75 Fuß weit weggeschlen - dert . Im Nordwesten , wo das Unwetter volle 40 Stunden an - hielt , wurden viele Tausende von Telegraphenstangen umgerissen ; auf den Binnenseen peitschte der Orcan die Wellen buchstäblich haushoch empor . 
— Im Septeniber zahlte man , wie wir neulich mittheilten , auf Haiti für einen Silberdollar 1100 Papierdollars ; in der Mitte Oetobers aber schon 1700 ! Der schwarze Präsident Sal - nave war darüber mißvergnügt ; er glaubte , an diesem Eourse seien die Geldmäkler schuld und deshalb schickte er dieselben ohne Weiteres unter die Soldaten . Der Eonrs aber wollte sich nicht bessern und stellte sich dann auf 1800 Papierdollars . 
— Der Tanz ist vom Teufel . Im Staat Ohio liegt eine Stadt Namens Buchrus . In derselben haben sechs puri - tanische Zionswächter . sich zusammengethan , um dem Tanzteufel Keulenschläge zu versetzen . Die „ Reverends " Erouse ( — wird wohl ein veryankeeter Teutone sein , dessen ehrlicher Vater sich Krause schrieb — ) , Heutington , Brown und drei andere haben einen Protest gegen den Tanz , in welchem sie als „ Diener des heiligen Evangeliums " sagen , „ daß sie Werth legen auf Wahrhaftigkeit , Würde , Heiligkeit und Respectabilität ihres tes " , und dieses erlaubt ihnen nicht zu schweigen , sie müßten gegen das Tanzen warnen . „ Vor allen Dingen wünfchen wir unser Gewissen rein zu bewahren vor Gott und den Menschen , und so zu leben , daß unsere Lehre und unser Beispiel mit Got - tes Hülfe beitragen , die Seelen zu Christus zu führen . Es ist unsere Absicht und unser Ziel , so viel in unserer Kraft steht , vermöge aller ehrbaren und christlichen Mittel , gute Gesellschaft im hiesigen Gemeinwesen zu schaffen und zu erhalten . Und deshalb halten wir es für eine feierliche Pflicht , hiermit wieder einmal auf das Allerernstlichste zu Protestiren gegen den Tanz als eine Belustigung , es möge getanzt werden , wo es auch sei . Wir werden nimmermehr bei gesellschaftlichen Versammlungen zugegen sein , wo weibliche und männliche Personen miteinander tanzen / Die puritanischen Reverends in Amerika werden mer unausstehlicher und mischen sich in Alles ; ein Blatt äußert , sie seien a perfect bore and a public nuisance . 
Inhalt : Die Geschichte des Aussterbens der Urbewohner von Tasmanien . Mit drei Abbildungen . — Adolph v . Wrede's Reise in Hadhramaut . Von Heinrich Freiherrn v . Maltzan . ( Fortsetzung . ) — Die Krisis unter den Mormonen . — Die Straßen über den Mont Cenis , in Verbindung mit den neuen Eisenbahnen . — Aus allen Erdtheilen : Die erste ordentliche Sitzung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie und Ethnographie . — Der neueste Bericht Liviugstone's . — Georg Schweinfurth im innern Südostafrika . — Altfinnische Gräber in Osterbottnien . — Vermischtes . 
Herausgegeben von Karl Andree in Dresden . — Für die Redaetion verantwortlich : H . Vieweg in Braunschweig . Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunschweig .
	        
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