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an, während Lowne zahlreiche Mündungen auf den Poren zwischen den „Pseudo
tracheen“ beschreibt. Mir will scheinen, als ob jene halbrinnenartig geformten vier
großen Borsten (äh) der Labellen die Ausführungsgänge jener Drüsenzellen bilden.
Distal von den großen Kratzzähnen und von den Reibplatten stehen kleine,
plattenartig befestigte Chitinwarzen und eine Anzahl blasser, an der Spitze vielleicht
durchbohrter Sinneshaare (shl auf Fig. 18, 20, 21), die einen Kranz um die Kratz
zähne bilden.
' Wie funktionieren nun die Labellen? Wie oben erwähnt, sieht man an ihnen
verschiedene Kontraktionszustände. Bald sind die Reibplatten vorgeschoben, so daß
die meisten Zahnreihen sowie die sechs großen Zähne an der Außenseite des Rüssels
sitzen (Fig. 18—20), bald aber sind sie so weit zurückgezogen, daß zwischen der
Rüsselspitze und den Zähnen noch ein Stück Chitinhaut sichtbar ist, das mit feinen
Chitinplättchen und dünnen Härchen besetzt ist, welche andererweise an der Rüssel
spitze erscheinen (Fig. 21). Hansen hat diese Beweglichkeit der Labellen schon
vermutet, allerdings aus der Stellung der Chitinröhren, die aber bei jeder Lage der
Reibplatten weit im Innern der Labellen ihren Ursprung nehmen, wie man auf Quer
schnitten (Fig. 4, 5) sehen kann.
Proximal setzen sich an die drei Reibplatten zunächst drei ungezahnte Platten
(rp Fig. 6) an, die weiterhin unmittelbar in die innere Chitinlamelle der Unterlippe
übergehen (pp Fig. 7, 11). Bis etwas distal der Gabel sind die beiden Hälften dieser
Innenlamelle miteinander durch eine elastische Chitinmembran verbunden, sodaß sie
sich voneinander entfernen können (Fig. 7—9). Von den Reibplatten an ist demnach
die Innenlamelle der Unterlippe (op) eine starre Halbrinne, während die Außenlamelle
(up) unterhalb der Labellen bei e durch elastische Massen unterbrochen ist. Diese
elastische Masse ist, wenn die Reibplatten ausgestoßen sind (Fig. 18—19), in charak
teristischer Weise gefaltet, wenn sie eingezogen sind, aber mehr oder weniger glatt.
Es kann das nur dadurch zustande kommen, daß die Außenlamelle der Labellen
herabgezogen ist, wodurch infolge ihrer Befestigung an der starren Innenlamelle die
Reibplatten wie eine Rolljalousie hervortreten müssen. Eine solche Bewegung kann
nur durch Muskelzug — aber wohl unterstützt durch den inneren Druck von Blut
flüssigkeit und Tracheenluft — zustande kommen.
Wie oben erwähnt, kann man bisweilen ein Klaffen der Labellen bemerken-
Bei näherem Zusehen aber findet man, daß es sich nur um das Hervorstülpen der
Reibplatten, nicht aber um eine freie Beweglichkeit der Labellen selbst handelt.
Ich beschrieb oben, wie sich die großen Sehnen (smu Fig. 9—12), die von den
Außenmuskeln des Bulbus ausgehen, an die Innenseiten der Gabel ansetzen, ehe
kleineren (smo) des medianen Muskels dagegen an die innere Chitinlamelle der Unter
lippe, etwas proximal von der Gabel. Die enormen Bulbusmuskeln müssen natürlich
eine sehr wichtige Funktion beim Stechen haben. Ihr dicker, sehr kurzer Muskelbauch
zeigt, daß die Bewegungsgröße der Sehnen nur eine kleine, dafür aber sehr kräftig0
sein muß. Wir sahen auch, daß die Beweglichkeit an den Labellen nur sehr gering
ist. Die verschiedene Stellung der Reibplatten bald innen, bald außen von hei
Rüsselspitze wird nun offenbar auf folgende Weise erreicht: