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Volltext: Globus, 63.1893

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Frailz Boas : Zur Mythologie der Indianer von Washington und Oregon . 
fraß sogar ihren Mann und dessen Leute . " Die Knaben sprachen : „ Wie heißt deine Hündin ? " „ Sie heißt Kopf - fresset - . Und wie heißt Eure ? " „ Sie heißt Feuerstein - frefser . " Nun kämpften die beiden Hunde miteinander und Schiklas Hund biß dem andern den Kopf ab . Dann sprach der eine der Knaben zu ihr : „ Nun wirf mich in den Ab - grund hinab . " Und sie ergriff ihn an den Armen , schwang ihn fünfmal im Kreise herum und warf ihn hinab . Sie rief zu den untenstehenden Knaben : „ Ruft : Geh und bleibe immer unten . " . Er aber rief Ihnen zu : „ Ruft : Komm zurück , komm zurück . " Und die Knaben riefen : „ Komm zurück , komm zurück . " „ O " , schrie Uk'öneqön , „ Ihr Leute , jetzt kommt Euer Vater herunter . " Er aber kam unten unverletzt an und fand dort viele Knaben . Er nahm Wasser , blies auf dieselben und sie alle erhoben sich . Da sprach er : „ Nun paßt auf sie auf ; ich werde sie herunterwerfen , dann tötet sie mit Steinen . " Er erklomm den Felsen und sprach zu Uk'öneqön : „ O Tante , die Leute unten sind nicht tot ; sie tanzen , singen und spielen . Jetzt werde ich dich hinunter werfen . " Er ergriff sie am Kopfe , schwang sie fünfmal im Kreise herum , so daß sie zerbarst und warf sie herunter . Da nahmen die Knaben Steine und schlugen sie in Stücke . Diese warfen sie in alle Winde . Sie warfen ihre Beine nach Nehelim . Daher haben die Tillamook starke Beine . Sic warfen ihr Haar nach Cowlitz ; daher haben die Cow - litz lange Haare . Sie warfen ihre Rippen flußaufwärts ; daher haben die Klickatat krumme Beine . 
Bei den Tillamook führt der Wanderer den Ncrnten As'ai'yahatl oder im Siletz - Dialekt Tsaai yahatl . Ich kann nur einen Teil dieser merkwürdigen Wanderersage hier wiedergeben , welche offenbar schon südliche Einflüsse zeigt . 
As'ai'yahatl lebt weit drinnen im Lande . Einst durch - wanderte er die ganze Welt . Er ging den Fluß hinab und kam nach Natahts . Dort suchte er Muscheln , machte ein Feuer und röstete dieselben . Als er sie öffnete , fand er zwei Tiere in jeder Schale ; daher ward er sehr bald gesättigt . Er ward ärgerlich , daß er nicht alle Muscheln essen konnte und rief : „ Künftighin soll nur ein Tier in jeder Schale sein . " 
Er ging den Fluß hinauf und überschritt ihu nahe seiner Quelle , da er kein Kanoe hatte . Dort traf er eine Anzahl Frauen , welche Wurzeln gruben . Er sprach : „ Hier sollt Ihr keine Wurzeln graben . " Er warf die Wurzeln nach Elatsop . Seitdem giebt es keine Wurzeln mehr in Tillamook , während dieselben in Elatsop sehr reichlich vorkonnueu . Er ging zum Ufer hinab und sprach : „ Künftighin sollt Ihr Muscheln zur Ebbezeit sammeln . Zur Flutzeit sollt Ihr sie nach Hause tragen und wegen derselben streiten . " Und er gab den Frauen die Tillamook - Sprache . 
Er fing einen Lachs tut Flusse , trat auf denselben und plattete ihn ab . So entstand der Flunder , welcher seitdem in Tillamook sehr häufig ist . 
Er traf zwei Frauen , welche Gamaß gruben . Er wünschte etwas von deren Wurzeln zu haben und sie gaben ihm eine derselben auf seine Bitte . Er wünschte aber mehr zu haben und erdachte eine List . Er schnitt sich einen Teil seines Gliedes ab , welchen er in drei Stücke schnitt , die er in Hunde verwandelte . Diese sprangen auf die Frauen zu und er selbst trat in verwandelter Gestalt auf sie zu und bat sie um eiuige Wurzeln , welche sie ihm gaben . So täuschte er sie mehrere Male . Endlich aber erkannten sie ihn und beschlossen , ihn zu strafen . Sie thaten ein Wespennest in ihren Korb und als As'ai^yahatl wieder aus sie zutrat , gaben sie ihm den ganzen Korb und sagten ihm , er solle ihn nicht öffnen , bis er an einen stillen Platz komme . Jener glaubte , in dem Korbe seien Gamaßwurzeln , setzte sich unter einige Büsche , öffnete den 
Korb und die Wespen zerstachen ihn über und über . Dar - über ward er so zornig , daß er alle Wurzeln am Flusse zerstörte . 
Er ging nach Clatsop und sing einen Lachs , welchen er ans Ufer warf . Er versuchte ihn niit einem Stocke zu töten ; es gelang ihm aber nicht . Da nahm er etwas Saud , that denselben auf die Augen des Fisches und drückte ihu tot . Er sprach : „ So sollen künftighin meine Kinder Lachse töten . " Daher töten die Clatsop Lachse auf diese Weise . 
Einst fanden fünf Panther As'ai5 yahatl schlafend . Sie banden sein Haar zusammen und befestigten schmutzige Gegenstände auf seinem Kopfe . Als er erwachte , wollte er aus einem Bache trinken und erschrak sehr , als er sein eigen Bild sah . Da verfolgte er die Panther , welche ihm so übel mitgespielt hatten . Er fand sie schlafend , zog ihre Ohren in die Länge und band ihre Haare zusammen . Als sie er - wachten , erschraken sie so , als sie einander sahen , daß sie auf die Berge entflohen . Seitdem leben die Panther in Gebirgen und Wäldern . 
Er wanderte weiter und kam zu einem Platze , an welchen : drei Menschenfresserinnen wohnten . Er nahm einen großen schweren Stein mit und als er sich den Frauen näherte , warf er den Stein zwischen dieselben . Sie begannen sofort , sich um denselben zu streiten . Da schritt er hinab zu ihnen , verwandelte sie in Felsen und sprach : „ Ihr sollt Felsen werden und stehen bis ans Ende der Welt . Kinder sollen hier spielen und Ihr sollt ihnen keinen Schaden zufügen können . Die Menschen sollen bei Euch ihr Lager aufschlagen , und Ihr sollt sie beschützen . " Sie wurden in große Felsen verwandelt mit tiefen Höhlen , in welchen man auf der Reise übernachtet . 
Er reiste weiter und kam zu einem Hause , in welchem er die Menschen unthätig ums Feuer liegen sah . Er früg : „ Seid Ihr krank ? " „ Nein , aber wir sind dem Hungertode nahe . Der Ostwind will uns töten . Fluß und Meer sind gefroren und wir können keine Nahrung erlangen . " Da sprach er : „ Könnt Ihr den Wind nicht bezwingen ? " Er verließ das Haus und ging zum Fluß hinab , welcher ganz gefroren war . Das Eis war so glatt , daß er kaum darauf stehen konnte . Er aber ging den Fluß hinab , um den wind zu besiegen . Als er sich dessen Hause näherte , nahm er ein Stück Eis auf , welches er in den Fluß warf und sprach : „ Fortan sollen die Winter milder sein und die Sommer warm . " Er verwandelte das Eis in Fische , welche den Fluß hiuauffchwammeu . Endlich erreichte As'ai'yahatl das Haus des Ostwindes . Er trat ein , setzte sich und pfiff . Sein ganzes Gesicht war mit gefrorenem Atem bedeckt . ging nicht in die Nähe des Feuers und zitterte vor Kälte . Trotzdem sprach er : „ Ich bin so warm , daß ich nicht näher aus Feuer kommen darf " und erzählte dem Ostwinde , daß er aus einem Hause komme , wo man Heringe trocknete . Der Ostwind erwiderte : „ Es ist nicht wahr , es wird noch lauge keine ^Heringe geben . " „ Glaubst du mir nicht ? " ver - ° setzte As'ai yahatl , „ draußen giebt es viele Heringe . " ging hinaus , nahm einen Eiszapfen , welchen er hereinbrachte und am Feuer erwärmte . Er sprach : „ Sieh nur , wie schnell sie kochen " , während in Wahrheit der Eiszapfen schmolz . So machte er den Ostwind glauben , daß er einen Hering in der Hand hielte . Da hörte der Wind auf zu pfeifen , das Eis schmolz und die Menschen hatten reichlich Nahrung . Bis zu jener Zeit war es beständig Winter ge - Wesen ; As'ai'yahatl aber schuf den Wechsel der Jahreszeiten . Dann kehrte er zurück zu den verhungernden Leuten und sprach : „ Erhebt Euch und fangt Heringe . Laßt eure Frauen Beeren pflücken und jagt Elche und Hirsche . " Da erhoben sie sich und hatten fortan reichlich zu essen .
	        
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