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Art Messe, der am Tage des hl. Dominikus (5. August) mit dem
Schlage 12 Uhr unter Einläutung aller Glocken als Erlaubnis für die
fremden Kaufleute zur Eröffnung ihrer Magazine beginnt, in der
Hauptsache acht Tage lang dauert, früher selbst durch die Predigt
des s. g. Dominiksonntages nicht unterbrochen, sonst aber bis ein
schliesslich zum 2. Septbr., wo er wiederum ausgeläutet wird. Dominik
kann aber auch das Carousselfaliren sein, weil eine der alsdann meist-
geiibten Yolkbelustigungen.)
Aehnlich hörte ich aus Königsberg die ebenfalls defekte Formel:
„Auf dem Königsberger Magistrate arbeitete ein Bote des Namens
Halifusikapilomilosikowski.“ Es steht für mich nicht fest, wie die
Sache sich weiter entwickelt. Wie es oben auf die Häufung und
richtige Wiederholung von ganzen, wenn auch kleineren Sätzen ankam,
so müssten hier Häufung und richtige Wiederholung einzelner, beliebig
zusammengestellter Silben zu betonen sein, deren letzte sich in das
Gewand einer beliebigen Sprache (bei uns also vielfach polnisch)
hüllen. Ein irgendwie gelehrter und eingeweihter Kopf hat solche
Worte stapelnd für das Exercitium des schwächeren oder reiferen
Kindermundes zurecht gemacht. Es erscheint mir das so klar, dass
für andere ähnliche Wortbildungen, wie sie in Bl. f. pomm. V.-K. II.
II. 1 gegeben werden, durchaus nicht eine so starke Widerlegung von
anderer Meinung über Entstehung und Inhalt von Nöten gewesen wäre.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich zwischen reinen Exercitien
und reinen Allitterationen diejenigen polnischen Sätze einschiebe,
welche gang und gebe sind, um durch ihre Nachsprache die zisch-
lautig schwere Aussprache des polnischen Idioms zu zeigen. Einige
davon gelten als s. g. Paradigmata für die schwierige Aussprechbarkeit.
Andere davon können auch unter das Kapitel fremder Sprachen ge
stellt werden, weil polnischen Worten absichtlich eine Aehnlichkeit
mit lateinischen gegeben werden soll. Alsdann muss ich aber wenigen
französischen einen Platz gönnen, sowie nicht minder den tonmalenden
Versen aus klassischen Schriftstellern, wie wir sie in der Schule bei
Latein und Griechisch gelernt haben, da sie zur Hervorbringung ihres
gewollten Effektes ebenfalls nicht frei von mehr oder minder aus
sprechbarer Allitteration sein können und somit selbstverständlich
unter dieses Gebiet fallen, zumal man sie als alten Schulbesitz gern
aufzuwärmen pflegt. Aehnliche Schwierigkeit als veritable Zungen-
Exercitien haben uns schliesslich auf der Schule namentlich fremd
sprachliche Namen aus der Geographiestunde bereitet, wenn es galt,
die Namen von Bergen aus Asien, von New-Zealand und hauptsächlich
aus Mejico zu behalten, insofern letztere der alten Aztekensprache
angehören. Letzthin wurde mir als solch schweres Geschütz noch
genannt die Ebene von Apapurinkasiquinitschiquisaqua aus Immer-
mann’s Münchhausen (Verl. A. Hoffmann, S. 56, 7), sowie die Felsen
bank Pipirilipi. Wollte der Herr Lehrer deren Einprägung gar streng
verlangen, so würde ihm das auf gewöhnlichem Wege sehr wenig ge
lingen; nähme er aber auf Cäsar’s Art die zehnte Legion zur Hülfe