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Full Text: Globus, 77.1900

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Kleine Nachrichten . 
birien ein gemäfsigtes Klima batte wie Europa , und lich erheblich feuchter war als heute . Dafs die grofsen birischen Säugetiere nicht früher nach Westen vordrangen , wird durch die Existenz einer Meerverbindung zwischen dem Aralo - Kaspischen Becken und dem Polarmeere erklärt , die allerdings in vieler Hinsicht höchst problematisch erscheint . Hätte wirklich eine solche Verbindung noch in der Inter - glacialperiode stattgefunden , so würde die Molluskenfauna des Kaspi wohl eine Spur davon aufweisen . Jedenfalls treten die sibirischen Formen im englischen Forest bed auf , in Deutschland in den interglacialen Ablagerungen , welche über dem Blocklehm liegen ; das Forest bed ist also diesen gleich - alterig und gehört demnach nicht mehr zum Pliocän , sondern zum Pleistocän . 
Die orientalische Einwanderung ist nach Scharff die deutendste und wichtigste ; sie erfolgte über das heutige Ägäische Meer ( das aber nach der Verbreitung der ken erheblich älter sein dürfte , als der Verfasser annimmt ) . Er rechnet dazu in erster Linie den Hirsch , dessen tung ausführlich erörtert wird ; er soll in zwei Zügen zu schiedenen Zeiten eingewandert sein , einmal südlich , das andere Mal nördlich der Alpen , das letzte Mal ohne Irland zu erreichen . Dann fast sämtliche Säugetiere der heutigen Fauna . Auf die zahlreichen Einzelheiten über die rungen der verschiedenen Tierklassen nach Osten hier gehen , verbietet der Baum . Ob sie ausreichen , um die auch hier angenommene doppelte Einwanderung auf zwei schiedenen Wegen und zu zwei verschiedenen Zeiten zu weisen , lassen wir dahin gestellt . Sobald wir bei irgend einer Tierklasse ins Detail gehen , finden wir eine solche Mannigfaltigkeit der Verhältnisse und so viele unerklärliche Widersprüche , dafs es kaum möglich erscheint , sie mit ren heutigen Kenntnissen von einem Standpunkte aus zu klären . Die Fossilen erweisen durch viele der Säugetiertypen sich als seit dem mittleren Miocän in Westeuropa berechtigt . 
Die lusitanische Fauna fafst Scharff im weiteren Sinne , als gewöhnlich geschieht ; er bezeichnet als lusitanisch alle südlichen Formen , welche nicht aus dem Orient gekommen sind , gewissermafsen die Urbevölkerung Westeuropas . Es sind , wenn wir von den Zugvögeln absehen , vorwiegend dere Tiere , und ihre Einwanderung mufs die ganze zeit hindurch stattgefunden haben . Scharff rechnet von Säugetieren das Kaninchen hierher , von Beptilien Blonus cinerius , Psammodromus hispanicus , vielleicht noch Tropidonotus viperinus , von Amphibien Pelobates , Pelo - dytus , vielleicht auch die Alytesarten und Discoglossus pictus , von den Landschnecken Torquilla , Gonostoma und Geomolacus . 
Die alpine Fauna ist heterogenen Ursprungs . Die tierfauna besteht zum grofsen Teile aus Einwanderern von Asien her : Wildziegen , Wildschafe , Murmeltier , Arvicola sind asiatische Gattungen , auch die Gemse , obschon endemisch , trägt asiatischen Typus . Der Alpenhase ist ein arktischer Einwanderer ; die Alpenspitzmaus und die Haselmaus werden als in den Alpen heimatberechtigt bezeichnet , sind aber wohl richtiger alte germanische Formen ; ein eigenes lungscentrum für Säugetiere haben die Alpen kaum gebildet . Ebenso wenig für Vögel , Beptilien und Amphibien . Wohl aber für Landschnecken ( Campylaea , Zonites , Porna - tias ) und Insekten . Es ist von Interesse , dafs sich keinerlei Beste der sibirischen Einwanderung in den Alpen ex’halten haben . 
Scharff hat nach unserer Ansicht bei seiner werten Arbeit einen Fehler begangen : er hat die Bedeutung der endemischen Fauna des westlichen Waldlandes schätzt . Neben seinen fünf Kapiteln hätte ein sechstes über die mitteleuropäische Fauna recht gut seinen Platz und seine Berechtigung gehabt . Im übrigen ist sein Buch reich an interessanten Thatsachen , und seine Schlufsfolgerungen können den Zoogeographen zur gründlichen Prüfung empfohlen werden . W . Kobelt . 
Kleine Nachrichten . 
Abdruck nur mit Quellenangabe gestattet . 
— Dem englischen Blaubuch über die Fidschiinseln für das Jahr 1898 seien folgende Angaben entnommen : Die Einnahmen betrugen 94 164 Lstrl . , d . h . 20 000 Lstrl . mehr als im Vorjahre , und zwar infolge Mehrertrages der Zölle ; die Ausgaben 72 574 Lstrl . Die Mehreinnahmen aus den Zöllen werden zum Teil auf einen neuen Tarif , zum Teil auf die Zunahme des Handelsverkehrs zurückgeführt . Die Schuld der Kolonie betrug Ende vorigen Jahres 209 000 Lstrl . , die Einfuhr hatte einen Wert von 234 850 Lstrl . , die Ausfuhr einen Wert von 534105 Lstrl . Die Einfuhr betrifft lich Nahrungsmittel , Kleider , Kurzwaren und Maschinen ; die Ausfuhr Zucker ( im Werte von zwei Dritteln der Summe ) , Kopra und frisches Obst . Die beiden zuletzt genannten tikel werden in Zukunft in gröfserem Umfange zur Ausfuhr kommen , da die Eingeborenen jetzt umfangreichere Flächen mit Kokospalmen und Obstbäumen bepflanzt haben . Die Einwohnerzahl wird auf 121 738 angegeben ; darunter waren 3927 Europäer , 12 320 Tnder und 98 000 Eingeborene . Die Zahl der letzteren hat sich sehr erheblich vermindert , und im verflossenen Jahre überstieg die Zahl der Sterbefälle die der Geburten ganz bedeutend . Man hofft jedoch , durch Mafs - nalimen zur Besserung der Lage der Eingeborenen der lichkeit Einhalt tliun zu können ( ? ) . Die Sterblichkeitsziffer der Europäer ist sehr gering , und der Bericht meint , dafs die Kolonie „ vielleicht das gesundeste tropische Klima der Erde“ habe . Aufserhalb des Eegierungsgebietes von Suva und Levuka giebt es nur wenig fahrbare Strafsen , dagegen überall Beitwege . Eine Chaussee ist von Suva nach Rewa ( beides Küstenorte auf Viti Levu , 21 km voneinander fernt ) im Bau . Im übrigen vollzieht sich der Verkehr all auf dem Wasserwege . Der Bericht bemerkt , dafs der Anbau von Kaffee , Kakao , Vanille , Ingwer und Limonen , d . h . von Produkten , die auf dem australischen Festlande guten Absatz finden , noch sehr ausdehnungsfähig sei . 
— Das alphabetische Verzeichnis der europäischen und aufsereuropäischen Hafen - Anlege - und Küstenplätze , herausgegeben vom preufsisclien statistischen Bureau , ist vor kurzem in 3 . Auflage erschienen . Die 2 . Auflage datierte vom Jahre 1879 ; sie enthielt 5221 Nummern . Seitdem ist viel neues Material gesammelt und das alte überprüft worden , und es ergab sich nun diese 8266 Namen — darunter 1677 
Doppelbezeichnungen — umfassende Zusammenstellung , die zu Nachschlagezwecken Wert hat . Das Verzeichnis enthält die Häfen etc . , die je von deutschen Seeschiffen angelaufen den sind , ihre politisch - geographische Lage nach Ländern oder Küstenstrecken und ihre geographische Breite . Hierbei sind die etwa in den aufgezählten ausländischen Häfen handenen deutschen Konsularvertretungen und ihre lichen Befugnisse durch verschiedene Zeichen hervorgehoben . Im Anhang findet sich ein Verzeichnis der für die deutschen Seehäfen zuständigen Konsularbehörden . 
— Den Flufs in seiner Bedeutung als Grenze zwischen Kultur - und Naturvölkern schildert Emil Junghans ( Diss . phil . , Leipzig 1899 ) , wobei er hervorhebt , dafs die Forderungen , welche ein Kulturnachbar an eine gut artete Grenze stellen mufs , sich dahin festlegen lassen : Die Grenze mufs den Grenzbegriff unmittelbar und typisch scharf zur Anschauung bringen . Sie mufs gegen die kleinen bungen , zu denen Wilde beständig reiche Veranlassung geben , eine wirksame Schranke bilden . Sie mufs eine gute basis gewähren und reiche Beziehungen zu den Barbaren statten . Daraus ergiebt sich dann , dafs Flüsse der schärfste Ausdruck des Grenzbegriffes sind . Grenzflüsse wex - den daher auch von den Naturvölkern als Ländex' - , Völker - und Rechts - scheiden aufgefafst . Wilde Völker erkennen darum auch ihnen zudiktierte Flufsgrenzen stets ohne gx - ofsen Widei'stand an . Ausgebildete , wasserreiche Ströme bilden eine natürliche Sicherung gegen die beständigen räuberischen Übergriffe nachbarter friedloser Barbai’en . Wasseradern wurden und werden stets zu einem Machtmittel der höheren Strategie . Der reifex - en Kultur sind fliefsende Gewässer keine Schranke , sondern eine vorzügliche Grundlage und darum eine gute Basis zur Kulturverpflanzung . Die Flufsgrenze gewährt fast die gleichen Vox - teile gegen benachbarte Naturvölker , wie das Meer gegen andere Kultux - mächte . Im Gegensätze ist dazu das Gebirge nur ein plastisches Hemmnis , und die Sicherheit , welche es als solches gewähren kann , wird durch die kx - iegerischen Gebirgsbewohner illusorisch , denen es Schutz gegen jede feindliche Kultux - macht zu gewälxx - en im stände ist . Ferner ist das Gebirge der Kultur sehr schwer zu erschliefsen , und tritt daher der Verpflanzung der Kultur als Schranke entgegen . 
Verantwort ! . Redakteur : Dr . R . Andree , Braunschweig , Fallersleberthor - Promenade 13 . — Di - uck : Fried r . Vieweg u . Sohn , Braunschweig .
	        
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