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Bibliographische Daten: Zeitschrift für Ethnologie, 62.1930

  
  
4 : .E. P. Dieseldorit, Coban (Guatemala): 
Tage berücksichtigt, so daß jeden Morgen die Reihe um einen Tag vermehrt 
wurde, einerlei, ob es ein gewöhnlicher oder ein Schalttag war. 
Die zweite Rechnung war die des Sonnenjahres, denn in ihr lagen die 
Tage in genauer Abstimmung mit den Aufgängen der Sonne. Wenn im 
Kalender ca. 13 Jahre verflossen waren, wurden immer 3 Schalttage ein- 
geschoben. Wenn aber ca. 256 Jahre voll waren, wurden immer 2 Extra- 
schalttage, zusammen also 5 Tage, eingeschaltet. Diese Tage wurden jedoch 
in der Sonnenrechnung nicht mitgerechnet. Von allen Daten, die wir kennen, 
liegt mit Sicherheit nur ein einziges im Sonnenjahr, nümlich 9. 14. 19. 8. 0. 
Diese weittragende Entdeckung wurde durch Dr. Teeple in seinem Werk: 
Maya Astronomy, Carnegie Institution, Washington 1930 bekannt gegeben. 
Das Sonnendatum wurde hier niedergeschrieben, weil am Tage 9. 15. 0. 0. 0. 
der Tageszáhlung der dreiviertel Abschnitt ihres aus 13. 0. 0. 0. 0. bestehen- 
den Milleniums zu Ende ging. Aus der Differenz zwischen beiden Daten 
ergibt sich die Anzahl der im Sonnenjahr verflossenen Schalttage, welche 
200 d ausmachen ; zu diesen müssen noch die zwei Jahre (730 d) hinzugerech- 
net werden, welche der Kalender rückláufig durchschritten hatte, so daß 
am Tage 9.15.0. 0. 0. (1404000 MD) 930 Schalttage vom Beginn der 
Mayaàra an verflossen waren. Aus diesen Zahlen làBt sich die Lànge fest- 
stellen, welche die Mayas für das tropische Jahr gefunden haben, und die 
für diesen Tag 365,2418 beträgt, denn LOGRO ial = ans. Hátten die Mayas 
1404000 
einen Schalttag mehr gerechnet, dann wáre die Lánge zu grof geworden, denn 
90917 0,2423 
1404000 365 ' 
Man erkennt hieraus, dab die Mayas eine Methode besessen haben 
müssen, welche es ihnen ermóglichte, genau die Lànge des tropischen Jahres 
festzustellen. Wàhrend Stele A Copan die Anzahl Schalttage indirekt an- 
gibt, findet sich auf der zu ihr gehörigen benachbarten Stele B das Schalt- 
system ausgedrückt, nach welchem die Schalttage eingefügt worden sind, 
worauf ich spáter zurückkomme. 
Der Regent dieser Schaltung war der Alligator, denn auf Stele A. ist 
als Einführungshieroglyphe ein Alligatorkopf gewählt. Es gibt nun in 
Copan einen Alligatoraltar, auf dem merkwürdigerweise dieses Tier mit 
gebundenen Füßen dargestellt ist. Es ist wahrscheinlich, daß hierdurch das 
Aufhören der Schalttage ausgedrückt ist. 
Die Mayas zählten in der Sonnenrechnung die Schalttage nicht mit, 
welche als tot, verbrannt oder vom Alligator unter Wasser gezogen galten. 
Es ist auf den zugehörigen Altären Abb. 6, 8, 11, 21 die Sonne tot darge- 
stellt oder der gefesselte Schlangenadler als Repräsentant der stillstehenden 
Sonnenrechnung. Die Mayas befürchteten, daß, so wie die Sonnenrechnung 
stillstände, auch die Sonne selbst still stehen, und der Untergang der Welt 
eintreten könnte. Auf der letzten Seite des Dresdener Mayacodex, auf der 
die Welt durch eine Sintflut untergeht, fallen aus dem Rachen des Alli- 
gators Wasserstrôme auf die Erde. Die groBen Blutopter, die eigene Blut- 
entziehung, das Auslôschen des Feuers und noch viele andere Qualen 
erbitterten das Volk derart, daß am Tage 9. 16. 12. 5. 17. Copan mit der 
Feier dieser Schalttage aufhörte. Auf dem zugehörigen Tempel 11 
ist daher auf einer Seite ein Kopf dargestellt, der nichts anderes als die 
Schaltrechnung repräsentieren kann und von einer. toten Maske bedeckt 
ist, während auf der anderen Seite die Schlange als Zeit mit dem Zeichen 
der Erde dargestellt ist. Diese letztere ist die Tagesrechnung. 
Der Tag 9. 16. 12. 5. 17. war daher der Tag der Revolution in Copan, 
bei welcher die furchtbaren Schalttage aufhörten und damit auch die Macht 
  
 
	        
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