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Full Text: Anthropos, 32.1937

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Analecta et Additamenta. 
einlud, ihn zu verspeisen, erbot sich der Jaguar, die Beute zur größeren Bequemlichkeit 
für die Gäste zu zerlegen, schleppte sie aber für sich allein fort; der Jabuti schwur 
Rache (Fabel B). Es ist gewiß unnötig, diese beiden Fabeln als Grund der in der 
Trilogie behandelten Vorgänge aufzufassen; sicherlich sind sie wie viele andere ähnliche 
davon unabhängig und bei Hartt fehlen sie überhaupt gänzlich. Unsere Trilogie erzählt 
nun folgendes: 
I. Auf einer Inajä-Palme saß ein Macaco-Affe und aß deren Früchte. Unten kam 
ein Jabuti vorbei und bat den Affen, ihm welche herunterzuwerfen. „Klettere doch selber 
hinauf!“, antwortete der. „Aber ich kann doch nicht klettern!“ — „Gut, dann werde 
ich dich holen“, sagte der Affe, brachte die Schildkröte nach oben, ließ sie dort sitzen 
und verschwand. 
II a. Einige Zeit darauf kam an der Palme ein Jaguar vorbei und sah oben den 
Jabuti. „Wie bist du denn da hinaufgekommen?“, fragte er. „Nun, hinaufgeklettert, 
ganz einfach!“, entgegnete die Schildkröte. „Wirf mir doch eine Palmfrucht herunter“, 
bat jener, und der Jabuti tat es. Der Jaguar hatte aber Lust, die Schildkröte zu verspeisen. 
„Komme doch herunter!“, sagte er. „Ich kann doch nicht!“ — „Hab’ keine Angst, 
ich werde dich auffangen, laß dich nur ruhig fallen“, entgegnete der Jaguar (nach 
der Fassung bei Magalhaes bittet der Jabuti den Jaguar, ihn im Rachen aufzu 
fangen; nach der bei Tastevin befiehlt er ihm, die Augen zu schließen, er würde 
ihm Palmnüsse hinunterwerfen, läßt sich dafür aber selber fallen). Der Jaguar irrte 
sich aber betreffs der Fallrichtung, der Jabuti schlug auf seinen Kopf, tötete ihn (das 
geschieht natürlich auch nach den beiden anderen Fassungen) und ließ ihn liegen. 
II b. Nach einiger Zeit kam der Jabuti wieder zu der Stelle, wo vom Jaguar in 
zwischen nur noch das Skelett vorhanden war, und machte sich aus dem Unterschenkel-* 
knochen desselben eine Flöte; voller Siegesfreude blies er darauf: „Meine Flöte ist 
aus einem Jaguarknochen hergestellt!“ 
III a. Da kam gerade ein anderer Jaguar vorbei, hörte die Worte, welche auch ihn 
als Artgenossen des ersten verhöhnten, und fragte den Jabuti, was er da eigentlich 
sänge. „Meine Flöte ist aus einem Hirschknochen hergestellt!“, entgegnete die ängstlich 
gewordene Schildkröte, und verzog sich in eine Höhle. Von hier aus sang sie dann 
wieder ganz frech ins Freie: „Meine Flöte ist aus einem jaguarknochen hergestellt!“ 
III b. Als der Jaguar das hörte, stürzte er sich wütend auf die Höhle 1 , aber der 
Jabuti war aus einem anderen Ausgange derselben entschlüpft; nun wartete der Jaguar 
vor der Höhle (Hartt). Nach den Fassungen bei Magalhaes und Tastevin schlug der 
Jaguar, als er sich verhöhnt hörte, mit der Pranke in die Höhle und packte den Jabuti 
an einem Bein; der aber lachte laut auf: „Du denkst wohl, daß du mein Bein gefaßt 
hast! Was du mit vieler Not und Mühe gepackt hast, ist eine Baumwurzel!“ Verdutzt 
ließ der Jaguar den Jabuti fahren, der ihn nun auslachte: „Es war doch mein Bein!“ 
IIIc. Der Jaguar wartete also vor der Höhle und vom Baum herunter fragte ihn 
ein Affe, was er denn da eigentlich mache. „Ich warte auf den Jabuti, um ihn zu fressen, 
wenn er herauskommt!“ — „Ach, der ist ja längst fort“, antwortete lachend der Affe. 
Da ging der Jaguar weiter (Fassung bei Hartt). Nach der bei Magalhaes wartete der 
Jaguar so lange, bis er starb. 
Nach einer Variante vom Rio Negro, die ebenfalls Hartt mitteilt, ließ der Jaguar 
vor der Höhle die Kröte als Wächter zurück und ging fort, um sich etwas zu erholen* 
Als der Jabuti den Wechsel merkte, fragte er die Kröte, warum sie wohl so entzündete 
Augen habe, und riet ihr, sich mit einer bestimmten Pflanze einzureiben; diese war 
aber kaustisch und die Kröte wurde blind. Nun konnte die Schildkröte entschlüpfen.. 
Als der Jaguar wiederkam, wollte er die Kröte töten, aber sie sprang in eine Lagune. 
Erst als auf seinen Befehl ein Krokodil das ganze Wasser ausgetrunken hatte, konnte 
der Jaguar sie packen und umbringen. 
Der Text ist hier insofern entstellt, als er vorwegnimmt, daß die Augen der 
Kröte von vornherein rot und geschwollen sind; das wurden sie aber doch erst nach 
dem Einreiben mit dem beizenden Pflanzensaft. Logischer ist daher der Text bei
	        
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