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Full Text: Anthropos, 32.1937

Bibliographie. 
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Bibliographie. 
Schmidt Wilhelm. Der Ursprung der Gottesidee. Eine historisch-kritische und 
positive Studie. II. Teil. V. Band: Nachträge zu den Religionen der Ur- 
völker Amerikas, Asiens und Australiens. XXXVIII + 921 SS. in gr.-8°. 
Preis: geh. RM 27.—, in Halbleder geh. RM 29.75. Münster 1934. 
VI. Band: Endsynthese der Religionen der Urvölker Amerikas, Asiens, 
Australiens, Afrikas. XXXVII + 600 SS. in gr.-8° mit Karton. Preis: 
geh. RM 29.—, in Halbleder geb. RM 32.—. Münster 1935. Aschen- 
DORFF’sche Verlagsbuchhandlung. 
In gewohnt feiner Durchgliederung wird hier eine ungeheure Fülle von Stoff nach auf 
opferungsvoller analytischer Arbeit dargeboten. Die fünf vorhergehenden mächtigen Bände 
mit ihrem erstmaligen Einschurf in die früher fast unbekannten und gänzlich unbearbeiteten 
Religionen der Wildbeuter erfahren durch diesen sechsten Teil ihre letzte kritische Tiefen- 
durchstrahlung. Als deren Ergebnis hebt sich ab S. 369 das Bild der hinter diesen Teil 
religionen stehenden älteren Religionsstufe, der vorläufig auf wissenschaftlichem Wege 
letzt erreichbaren in der ganzen Menschheitsgeschichte, in eindrucksvoller Weise heraus. 
Daß es ein Primitivmonotheismus ist, wird nach den früheren Untersuchungen des Autors 
niemanden überraschen. Was aber ihm selbst unerwartet kam, war die außerordentliche 
Hoheit dieser Wurzelreligion, so daß sie der Autor nun nicht mehr wie die einzelnen 
heutigen Wildbeuterreligionen als eine natürliche Mitgift des menschlichen Geistes zu 
betrachten vermochte, sondern nur als Ausfluß einer Uroffenbarung und dies, wie er 
feierlich versichert, lediglich aus den ethnologischen Tatsachen 
heraus. Wie Schmidt diese überraschende Wendung seines Gegenstandes gleich 
wieder zum Anlaß neuer peinlicher Fragestellungen gegen sich selbst nimmt, darin 
offenbart sich am besten seine gediegene, unverdrossene Forscherpersönlichkeit, die 
sich auch sonst gerade in den beiden letzten Bänden immer wieder kundgibt. 
Als das sicherste Zeichen ungebrochener Schaffenskraft darf man es wohl an 
sprechen, wenn ein Gelehrter, längst nachdem sich ihm sein Lebenswerk zu einem Bau 
geformt hat, noch immer Lust und Fähigkeit besitzt, sich in seiner Arbeit umzustellen. 
Dieses nicht allzu häufig vorhandene Vermögen ist bis zu einem gewissen Grade jedem 
Forscher notwendig, es erscheint aber geradezu unerläßlich, wenn ein Werk, wie 
P. Schmidt’s „Ursprung der Gottesidee“, einen schon früher gesteckten Rahmen durch 
genaueste Detailuntersuchung entsprechend erweitern bzw. verengern will. Mag nun sein, 
daß bei Schmidt der geduldige Wille zur positiven Auseinandersetzung mit erhobenen 
Einwänden und eine außerordentliche Zähigkeit, solche Gegenargumente einer vertief- 
teren Darstellung der eigenen Ansicht nutzbar zu machen, vorwiegt. Die beiden letzten 
* Bände seines hüben und drüben wohl noch kaum genügend gewürdigten Hauptwerkes 
über die Religion der von ihm als „Urvölker“ bezeichneten Primitivstämme beweisen 
doch zweierlei klar und deutlich: erstens, daß der Autor durchaus bereit ist, an neu zu 
wachsendem Material seine früheren Aufstellungen ehrlich selbst zu erproben, ohne 
dabei unangenehmen Tatsachen irgendwie aus dem Wege zu gehen, und zweitens, daß 
er bezüglich seiner Ergebnisse kein Hehl macht aus der für alle kulturhistorischen Stu 
dien in ganz besonderer Weise geltenden Einschränkung, insofern nämlich bei ihnen 
angesichts der stets übrigbleibenden Forschungslücken die Dinge weitgehend in der
	        
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