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Full Text: Globus, 47.1885

Artesische Brunnen in Colorado. 
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Artesische Brunnen in Colorado. 
Vom Commissioncr of Agricnlture beauftragt, hatten 
C. A. White und S. Aughey im Jahre 1881 einen Theil 
jener großen Ebenen des Staates Colorado, welche ungefähr 
40 000 Quadratmeilen (engl.) umfassen, bereist, um zu 
untersuchen, ob sich dort nicht artesische Brunnen und mit 
deren Hilfe aus Wüste Weide und Acker herstellen lassen. 
Ihre Aufgabe war eigentlich umfänglicher gewesen; handelte 
cs sich doch um die ganze Fläche, welche zwischen Meridian 
102 im Osten und den Rocky Mountains imWesten, und 
zwischen den Nord- und Südgrenzen der Vereinigten Staaten 
liegt. Aber zwingende Gründe veranlaßten die Reisenden, 
sich auf das oben angegebene Gebiet, das ihnen schon von 
früher her bekannt war, zu beschränken. Im Westen des 
selben steigt, steil wie eine Mauer, die Hauptkette der Rocky 
Mountains, in einzelnen Spitzen bis mehr als 14 000 
engl. Fuß über dem Meere, auf, die untersuchte Strecke 
selbst aber, deren höchster Punkt in den als tertiäres Hoch 
land zu bezeichnenden Stellen 4450 Fuß, deren tiefster 
3129 Fuß über dem Meere liegt, senkt sich 10 bis 12 Fuß 
auf die Meile vom Fuße der Rocky Mountains nach Osten 
zu. Durchflossen wird sie vom South Platte und dem 
Arkansas, aber diese Flüsse sind durchaus nicht im stände, 
an die von ihnen durchlaufenen Landschaften Feuchtigkeit 
abzugeben, weil sie häufig, anstatt mit der Länge des Laufes 
anzuschwellen, durch Verdunstung und Aufsaugung wasser 
ärmer werden, stetigen Zufluß aber überhaupt nur von 
ihren zahlreichen, in den Rocky Mountains gelegenen Quell 
flüssen erhalten. Diese letzteren wieder verdanken ihr Ent- 
stehen zahlreichen vereinzelten Lagern ewigen Schnees und 
den verhältnißmäßig reichlichen Regenfällen, welche die 
Berge, nicht aber die Ebenen treffen; sie sind aber nur 
zum Theil das ganze Jahr wasserhaltig, andere trocknen 
im Sommer ganz und gar aus. — Die großen Ebenen 
haben viel Aehnlichkcit mit den großen Prärien des oberen 
Mississippithales. Aber während nahrhafte Gräser und 
verschiedene krautartige Pflanzen vorherrschen, bedecken sie 
doch den Boden auch nicht annähernd so dicht, wie es in 
den Prärien der Fall. Der Boden der großen Ebenen 
ist nach den angestellten Versuchen ziemlich derselbe, wie 
der der Prärien, und würde durch Zuführung von Wasser 
auch dieselbe Fruchtbarkeit erreichen. Ausgenommen sind 
die schon oben erwähnten, in der Nähe der gegen die Rocky 
Mountains verschwindenden Vorberge gelegenen, aber von 
denselben deutlich abgesetzten, von 100 bis 800 Fuß ans 
den Ebenen aufragenden tertiären Hochländer, Bluffs ge 
nannt, wie z. B. Ehalk Bluff, 25 Meilen südöstlich von 
der Stadt Cheyenne. 
Die Geologie des untersuchten Gebietes ist sehr 
einfach zu neunen. Die unterlagernden Schichten, leicht 
zu sehen, weil sie bei den Rocky Mountains aufgerichtet 
sind, verflachen sich ganz sanft nach Osten zu, und 
zwar sind sie in nachstehender Reihenfolge gelagert: 
Tertiärgestein in 200 bis 1400 Fuß, Laramie in 200 bis 
1000 Fuß, Kreideformation in 2250 bis 2900 Fuß, Jura 
in 400 bis 800 Fuß und Trias in 1500 bis 2000 Fuß 
Mächtigkeit. Die beiden Commissiouers sind nun nach 
ihrem officiellen Bericht, betitelt: „Artesian Wells upon 
the great Plains, being a Report of a Geological 
Commission etc.“, Washington, Government Printing 
Office, 1882, 8°, dem eine nach dem Atlas of Colorado 
(bearbeitet vom II. 8. Geological Survey of the Terri- 
tories) hergestellte Karte beigegeben ist, zn folgenden 
Schlüssen gekommen. Die weite Landschaft ist eine sehr 
trockene zu nennen. Demzufolge und wegen der Undurch 
lässigkeit der obersten Schichten dürfte kein auf die Ober 
fläche des Gebietes fallendes Wasser die tiefer liegenden 
Schichten in genügender Menge erreichen, um artesische 
Brunnen zu liefern. Die Hauptneigung der Schichten des 
Gebietes ist eine solche, daß kein Wasser sich in oder unter 
denselben ansammeln dürfte, ausgenommen solches, welches 
auf die aufgerichteten Enden der Schichten an den Vor 
bergen fällt, oder ein Theil von dem, welches als Strom 
über dieselben wegfließt. Die sekundären Neigungen der 
Schichten sind solche, daß die Bohrungen artesischer Brunnen 
im östlichen Theile des Gebietes zwischen Arkansas und 
South Platte River mehr Aussicht auf Erfolg haben als 
anderswo. Die obersten und tertiären Ablagerungen sind 
so beschaffen, daß sie zur Bohrung nicht verleiten können, 
und deshalb dürften Bohrungen von nur geringer Tiefe 
nirgendwo innerhalb der eigentlichen Grenzen des Gebietes 
von Erfolg begleitet sein. Nur zwei der unter den großen 
Ebenen lagernden Schichten dürften sich als wasserführend 
erweisen, nämlich der Dakotasaudstein der Kreideformation 
und der Triassandstein. Um zu ersterem zu gelangen, 
müßte 1200 bis 2000 Fuß tief gegangen werden, während 
das Erreichen des anderen noch 600 bis 800 Fuß mehr 
erfordern würde. Möglich ist es, daß wegen gewisser 
lokaler Neigungen der Schichten Bohrungen im südwest 
lichen Theile des Gebietes Erfolg hätten; es kann auch 
sein, daß genug Wasser aus dem Arkansas durch den Dakota- 
saudstein in die unter dem südwestlichen Theile des Gebietes 
liegenden Schichten sickert, aber es dürfte nicht zu Tage 
treten, wenn gebohrt würde. Jedenfalls wäre zu empfehlen, 
daß, wenn einmal hier ein Versuch gemacht werden sollte, 
erst streng wissenschaftliche Untersuchungen vorausgingen, 
weil wiederholte mißglückte Versuche die Regierung auf 
die Dauer von Bohrungen überhaupt abschrecken würden. 
Wenn auch nicht sichere Schlüsse zulassend, sedenfalls aber 
erwähnenswerth ist, daß man bei Fort Lyon in Colorado, 
100 Meilen östlich von den Rocky Mountains am Arkansas 
auf Tertiär gelegen, im Jahre 1881 bis ans 719 Fuß tief 
bohrte, ohne einen anderen Wasserzuflnß zn finden, als bei 
430 Fuß 3 Gallonen in der Stunde, und daß dieser 
nicht einmal aushielt, sondern nach einiger Zeit verschwand. 
Globus XLVii. Nr. 6. 
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