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Full Text: Globus, 47.1885

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Aus allen Erdtheilen. 
reich Bayern umfaßt, ist in doppelter Ausführung, einmal 
als Gebirgskarte, das andere Mal mit geologischem Kolorite, 
vorhanden, und die Einleitung von Prof, von Richthofen 
gewährt auch dem Laien einen Einblick in die Schwierig 
keiten, unter denen eine derartige Originalkarte zu stände 
kommt. Wenn auch die vorliegenden 6 Blätter, denen noch 
21 weitere folgen werden, vornehmlich für wissenschaftliche 
Kreise bestimmt find, so wird doch vielleicht eines davon, die 
Umgebung Pekings, bald ein großes praktisches Interesse 
gewinnen und alsdann weite Verbreitung und Benutzung 
finden. Möge man sich dann auch daran erinnern, daß es 
hauptsächlich deutsche Wissenschaft und deutscher Fleiß waren, 
die das ferne Land der Kenntniß der Mitwelt näher gerückt 
haben. 
Afrika. 
— In der Dampfer - Subventions - Kommission des 
Deutschen Reichstages machte am 19. Januar Geh. Rath 
Rösing folgende statistische Angaben über den Handel 
mit Afrika. Es wurden 1883 exportirt 491930 Doppel- 
centncr im Werthe von 31718000 Mk., davon nichtdcutsche 
Waaren 31000 Doppelcentner im Werthe von 415000 Mk., 
wobei die indirekte Ausfuhr über London nicht mitgerechnet 
ist. Die Hauptartikel sind: Spirituosen für 12 Millionen (!), 
Nahrungsmittel 1800 000, Schießpulver 4 500 000, Baum- 
wollgewebe 2 086 000, seine Eisenwaaren und Gewehre 
2 721000, grobe Eisenwaaren 1087000, Bier 836000, Tabak 
723000 Mk., außerdem Lichte, Seifen, Parfümerien, Zünd- 
waaren, Wollenzcuge u. s. w. Die Einfuhr betrug 1883: 
470106 Doppelcentner im Werthe von 27 501000 Mk.; die 
Hauptartikel waren Palmkerne für 8 979 000 Mk., Palmöl 
für 3350000, Kautschuk für 1098 000 und Elefantenzähne 
für 506 000 Mk. 
— Seit kurzem wird in King William's Town eine 
theilweise in der englischen, theilweise in der Kaffern- 
sprache gedruckte Zeitung herausgegeben, welche, wenn 
sie gut geleitet wird, gewiß günstigen Einfluß auf die Kaffern 
üben und der öffentlichen Meinung dieses Volkes Gelegen 
heit zur Aeußerung geben wird. „Colonies and Jndia", 
denen wir diese Notiz entnehmen, fügen den Wunsch hinzu, 
daß das neue Blatt nicht dem Beispiel so vieler indischer 
Blätter folgen möge, welche Zwietracht und Aufruhr unter 
ihren Lesern zu säen suchen, anstatt die Treue zu bestärken 
und die Industrie zu befördern. Eine Sammlung der in 
den englischen Besitzungen in verschiedenen Sprachen erschei 
nenden Blätter würde die große Anzahl der unter dem kai 
serlichen Scepter vereinigten Rassen recht deutlich machen. 
— Die'deutsche Expedition unter Lieut. Schulze 
(s. oben S. 78) hat jetzt in Noki am unteren Kongo von 
der Association Internationale Land für eine Station und 
Magazine angekauft. Sie will nun, nachdem ihr erster Ver 
such weiter im Süden gescheitert ist, von dort aus in das 
Innere eindringen, und zwar zunächst über San Salvador 
und das Plateau von Zombo nach der Residenz des Muöne 
Puto Kasongo. Bis zum Plateau von Zombo ist das Land 
bereits von zwei Engländern, Lient. Grandy und Missionar 
Comber erforscht, Sau Salvador hat Bastian besucht, den 
Muöne Puto Kasongo, den Fürsten des Majakalla-Volkes, 
aber Major von Mechow. 
Inseln des Stillen Oceans. 
— Nachdem sich die erste Aufregung, die in England und 
Australien wegen der deutschen Annexionen auf Neu-Guinea 
entstanden war, einigermaßen gelegt hat, dringt man jetzt auf eine 
schleunige Feststellung der Grenzen. Der Untcrstaats-Sekretär 
für die Kolonien hatte nämlich in seiner Mittheilung über 
die englische Besitzergreifung aus der Südküste im Parla 
ment am 24. Oktober 1884 gesagt, daß die Grenze nach dem 
Innern des Landes hin noch nicht augegeben werden könne, 
daß sie aber so weit ausgedehnt werden würde, wie die Um 
stände dies erforderten. Jetzt wird als Linie von strategischer 
Wichtigkeit ein Strich vorgeschlagen, der vom 141. Längen 
grade an unter ungefähr 6" 50' südl. Br. (Colonies and Jndia, 
dem wir dies entnehmen, hat 60 und 50", was wohl ein 
Druckfehler ist) gerade nach Osten bis zur Rawlinson-Kette 
in der Nähe von Kap Cretin laufen soll- Diese Linie würde 
England den Besitz des ganzen südöstlichen Theils der Insel 
bis zum Hüoubusen sichern — allerdings aber, was man 
englischerseits nicht beifügt, die englische Grenze bis in die 
unmittelbare Nähe von Neu-Britannien vorschieben, welches 
mit seiner südlichen Spitze sich dem Kap Cretin ziemlich 
nähert. Der deutsche Besitz auf Neu-Guinea würde damit 
auf die Nordküste zwischen 1410 und 147° 50' östl. Länge 
beschränkt werden. — Obiger Vorschlag scheint bereits in 
Thatsachen umgesetzt worden zu fein; wenigstens meldete 
kürzlich ein Telegramm die englische Besitznahme der Inseln 
im Hüon-Gols, d. i. der Cretininseln, Solitary Island und 
Longuerue-Jnseln. 
Nordamerika. 
— Die Proceedings der Royal Geogr. Soc. (Januar 
1885) enthalten eine von einer Kartenskizze begleitete Mit 
theilung des Kapitän Willard-Glazier (U. S.) über 
die Mississippi-Quelle, eine Frage, welche die ameri 
kanischen Geographen schon lange beschäftigt hat. 1881 organi- 
sirte und führte Glazier eine Expedition, um darüber Sicher 
heit zu erlangen. Er fuhr in Booten über Leech Lake und 
Jtasca Lake, drang, begleitet von einem alten indianischen 
Führer, von letzterem nach Süden vor und entdeckte dort 
einen neuen See von ansehnlichen Abmessungen, der ohne 
Zweifel die wirkliche Quelle des Mississippi ist (47° 13' 25" 
nördl. Br.). Er muß wenigstens drei Fuß über dem Jtasca- 
see liegen, den man bisher als die Quelle betrachtet hatte. 
Demgemäß würde der Ursprung des Mississippi 1578 Fuß 
über dem Atlantischen Ocean liegen und seine Länge unter 
Anknüpfung an frühere Angaben 3184 Meilen betragen. 
Da der Strom in der abgelegenen und wenig besuchten 
Gegend zwischen Leech Lake und Red River entspringt, einen 
vollen Grad südlich vom Turtle Lake, der lange Zeit als 
Quelle galt, so werden seine beiden Quellarme vom Pelz 
handel nicht berührt, und das ist der Grund, warum die 
wahre Quelle so lange Zeit unentdeckt geblieben ist. 
Inhalt: Brügge. III. (Mit sechs Abbildungen.) — A. SartoriusFreiherrvo n W a l t e r s h a u s e n : Städte 
gründung im nordamerikauischen Westen. II. — Nekrologe. II- Aus allen Erdtheilen: Asien. Afrika. Affeln bes 
Stillen Oceans. — Nordamerika. (Schluß der Redaktion-. 23. Januar 1885.) 
Redakteur: Dr. N. Kiepert in Berlin, S. W. Lindenstraße 11, III Tr. 
Druck und Verlag von Friedrich View eg und Sohn in Braunschwcig.
	        
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