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Full Text: Globus, 47.1885

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Aus allen Erdtheilen. 
ohne anzuhalten und wäre er mehrere Kilometer weit ent 
fernt, den Gipfel, um unmittelbar danach im Trabe weiter zu 
laufen. An solchen treffenden Beobachtungen ist das Buch, 
das übrigens keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit macht, reich. 
Afrika. 
— Sechzehn Topographen - Abtheilungen gingen am 
31. Januar von Marseille ab, von denen vierzehn für 
Algerien, zwei für Tunesien bestimmt waren: dieselben 
stehen unter der Leitung eines Ofsiciers, eines Ingenieurs 
und eines Administrativbeamten des Kriegsministeriums und 
bestehen im Ganzen aus zweiundsiebenzig Officiereu, deren 
jeder von zwei Soldaten und einem eingeborenen Scharf 
schützen begleitet wird. Instrumente, Gepäck und Zelte eines 
jeden Officiers werden auf einem Pferde und vier Maul- 
thieren transportirt. Sie sollen ihre Aufnahmen in dem 
südlichen Theile der drei Provinzen Algeriens anfangen, wo 
sie sich mitten unter halb unterworfenen Stämmen in ziemlich 
gefährlicher Lage befinden werden. Gegen Ende Mai wer 
den sie zu Paris zurück erwartet. 
— Ueber eine in aller Stille vollzogene Reise nach Ost 
afrika und deren kolonialpolitische Folgen gelangten Anfangs 
März die ersten Nachrichten in die Oeffentlichkeit. Im Sep 
tember v. I. entsandte der Ausschuß der Gesellschaft 
für deutsche Kolonisation den Dr. Carl Peters, Dr. 
Carl Jühlke und den Grafen Joachim Pfeil nach Ostafrika, 
welche dort durch 12 Verträge mit 10 Sultanen die zwischen 
50 und 30 südl. Br. gelegenen Landschaften Useguha, 
Ngnru, Usagara und Ukami mit allen Privat- und 
Hoheitsrechten erwarben. Am 27. Februar d. I. bereits 
wurden diese Gebiete unter den Schutz des Deutschen Reiches 
gestellt. Leider ist die Freude über diesen neuen Erwerb 
keine ungetrübte; denn zur Kolonisirung durch Deutsche, wie 
eine solche in Aussicht genommen erscheint, eignen sich nun 
einmal tropische Länder in keinem Falle. Dies führt in 
sehr vernünftiger Weise der bekannte Reisende Dr. med. 
Fischer, welcher bereits sieben Jahre in Ostafrika verweilt, 
in einer Zuschrift an die „National-Zeitnng" ans. Das 
Klima nennt er entschieden ungesund; es herrschen dort die 
am Kongo so gefürchteten Gallenfieber; die Produktion jener 
Länder ist einstweilen gleich Null und, was Stanley dar 
über berichtet, erklärt Fischer für „Phantasiebilder"; es giebt 
dort weder Elfenbein, noch Zucker, Baumwolle, Orseille, 
Indigo und Korn. Plantageuwirthschaft wäre eher möglich, 
wenn nicht die Unregelmäßigkeit der jährlichen Regenmengen 
dem Ackerbau Hindernisse bereitete; wahrscheinlich kann Kaffee 
stellenweise mit Erfolg gebaut werden. Schließlich weist Dr. 
Fischer darauf hin, daß nicht nur die ganze dortige Küste, 
sondern auch verschiedene Punkte des Inneren (außer Tabora 
in Unjanjembe noch Kofarani in Usagara und Mamboja in 
der Landschaft Gedscha) unbestreitbarer Besitz des Sultans 
von Zanzibar sind , und daß sich auf dem deutschen Schutz 
gebiete bereits zwei französische Missions- und eine Etappen 
station befinden, über welche natürlich der deutschen Gesell 
schaft keine Verfügung zusteht. Es wird also noch vieler 
und schwerer Arbeit bedürfen, che die neue Erwerbung 
Früchte tragen wird; daß aber dieselbe geschehen ist, begrüßt 
auch Dr. Fischer mit Freuden. 
Südamerika. 
— Die letzte Nummer des Boletin de la Sociedad 
Geografien de Madrid — schreibt „Nature" Nr. 798 — 
enthält den Anfang von Kapitän Eduardo O'Connor's 
officiellem Berichte über seine Erforschung des oberen 
Limay (Rio Negro) und des Sees Nahuel-Huapi 
im nördlichen Patagonien. Es war dies der erste erfolg 
reiche Versuch, den Rio Negro von seiner Mündung in den 
Atlantischen Ocean bis zu seinem Ursprünge aus dem roman 
tischen Andessee Nahuel-Huapi zu befahren. Bis zur Kon 
fluenz Colluncura (Catapuliche) konnte die Expedition einen 
Dampfer benutzen, dann aber mußte sie die Reise in einem 
offenen Boote fortsetzen, das an vielen Stellest des oberen 
Limay, des südlichsten Quellflusses des Rio Negro, über die 
zahlreichen Stromschnellen hinüber gezogen werden mußte. 
Hier fließt der Strom meist in einem engen felsigen Bette, 
das stellenweise sich auf 120 und selbst 100 Fuß verengert, 
und hat eine Geschwindigkeit von 7 bis 9 und selbst 11 Miles 
in der Stunde. Oberhalb der Mündung des Treful (40" 
42' südl. Br.) verschwanden die Risse und anderen Hinder 
nisse, die Geschwindigkeit fiel auf 5 bis 6 Miles und der 
Fluß ist so tief, daß er hier für kleine Dampfboote bis zum 
See hin schiffbar ist. Wenn man vom Limay her kommt, 
bietet der Nahuel-Huapi einen reizenden Anblick; nach rechts 
hin zeigt sich eine endlose Reihe felsiger Buchten und wal 
diger Bachthäler, nach links weite, leicht gewellte Gras 
savannen. Die Berge erheben sich stellenweise zu 700 bis 
800 Fuß über die unteren bewaldeten Hänge und bilden 
scharfe Spitzen, phantastisch gestaltete Klippen und Fels- 
mauern, die hier und da Kyklopenbauten gleichen. In der 
Ferne begrenzte den Horizont eine lange schneebedeckte Berg 
reihe, welche gleich den niedrigeren Bergen die seltsamsten 
und verschiedenartigsten Formen auswies. Die tiefblauen 
Gewässer des Sees werden nur durch eine einzige große 
Insel unterbrochen, die mit dichter Vegetation bedeckt und 
von regelmäßigen, 300 bis 400 Fuß hohen Bergketten durch 
schnitten wird. Die Umgegend scheint unbewohnt zu sein, 
und an stillen Tagen, welche in dieser windigen Region 
selten sind, liegt Todesstille über der ganzen Natur und 
kein Hauch kräuselt die spiegelglatte Oberfläche des Sees. 
Vermischtes. 
— In Bd. 42, S. 32 zeigten wir den zweiten Theil 
von F. Hirt's Geographischen Bildertafeln an. Einen aus 
führlichen erläuternden Text zu denselben zu geben, ist nun 
der nächste Zweck der unlängst in demselben Verlage er 
schienenen „ L a n d s ch a f t s k n n d e" von Dr. Alwin 
Oppel. Doch ging derselbe noch einen Schritt weiter und 
unternahm es, aus der Summe der Einzellandschaften den 
Gesammtcharakter der Länder und Erdtheile festzustellen, 
diesen in systematischer Weise auf die örtlich herrschenden 
Natnrbedingungen zurückzuführen, den Einfluß der mensch 
lichen Kultur auf den ursprünglichen Zustand des Bodens 
nachzuweisen und die gewonnenen Resultate bald in kurzen 
Skizzen, bald in ausführlichen Charakteristiken darzulegen. 
So ist es der erste Versuch einer Physiognomik der gcsammten 
Erdoberfläche, der unseres Wissens bisher gemacht worden ist. 
Inhalt: Amazonas und Cordilleren. VII. (Mit fünf Abbildungen und einer Karte.) — E. Metzger: Haiti. I. 
und II. (Erste Hälfte.) — Dr. Zechlin: Das Rügenwalder Amt. IV. (Schluß.) — Aus allen Erdtheilen: Europa. — 
Asien. — Afrika. — Südamerika. — Vermischtes. (Schluß der Redaktion: 8. März 1885.) 
Redakteur: Dr. N. Kiepert in Berlin, S. W. Lindenstraße 11, III Tr. 
Druck und Verlag von Friedrich Vicwcg und Sohn in Vraunschwcig.
	        
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