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Full Text: Globus, 48.1885

Begründet von Karl Andrer. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von 
Dr. Richard Kiepert. 
Jährlich 2 Bünde ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 1 
^OiClUll|Cl)lvClQ zum Preise von 12 Mark xio Band zn beziehen. ' 
Cagnat's und Saladin's Reisen in Tunesien. 
in. 
(Sämmtliche Abbildungen nach Zeichnungen H. Salad in's.) 
Der Weg von Hergla weiter südlich führt noch einige 
Kilometer weit auf der schmalen Landzunge zwischen dem 
Meere und der Sebcha hin, bis man an den Punkt gelangt, 
wo diese im Winter, wenn die angeschwollenen Bergströme 
von der einen, das vom Sturme herüber getriebene Meer 
wasser von der anderen Seite sie in einen ungeheuren See 
verwandelt haben, mit dem Meere zusammenhängt. Hier 
war die Passage früher oft sehr schwierig. Die Römer 
zwar hatten sich durch einen chaussirten Steindamm eine 
Verbindung zu allen Zeiten gesichert, aber im Laufe der 
Zeiten hat die Chaussee sich an einigen Punkten gesenkt, 
an anderen ist sie bei Stürmen durchbrochen worden, und 
so war der Verkehr erheblich erschwert, bis 1854 ein un- 
gewöhnlich intelligenter und energischer Gouverneur des 
Sahcl, Mohammed beu Hossein, die Durchbrüche 
überbrücken ließ; Dank der Kantara Halk el Menzel 
(der Brücke über den Ausfluß des Sees el Menzel) können 
nun Karawanen zu jeder Zeit von Hergla südwärts nach 
Susa gelangen. 
Die Reisenden gehen leider ans eine sehr wichtige Frage 
nicht ein, in welcher dieser Strandsee, Bahr Dscheriba, 
wie ihn die Araber nennen, eine Rolle spielt. Dr. Rouire 
sieht nämlich (wohl mit Unrecht; Red.) in ihm und nicht 
in dem hypothetischen Meerbusen bei Gabes den Palus 
Tritonis der Alten und in der Insel, welche sich im 
Winter zwischen den beiden Ausflüssen der Sebcha bildet, 
das Phla des Herodot. Die ganze verworrene Frage des 
Palus Tritonis, den Sir Richard Wood in der Meer- 
Glvbus XLVIII. Nr. 20. 
enge zwischen dem Festlande und der Insel Dfcherba sucht, 
verdiente wohl einmal eine eingehende Prüfung an Ort 
und Stelle. 
Kaum hat man diese Brücken überschritten, so be 
ginnen Banmpslanzungen und Gürten, und sie werden 
immer zahlreicher und schöner, je mehr man sich Susa 
nähert. Zur Linken freilich haben sie schwer zu ringen 
mit dem vordringenden Dünensande, welcher die Baum 
stämme hier und da schon bis zur Halste begraben hat; 
rechts von der Straße sind sie dafür aber um so üppiger. 
Hat man den ziemlich breiten Heb e Í H a m m a m über 
schritten, der noch zwei Stunden von der Stadt entfernt 
ist, so beginnen schon überall in den Olivenhainen die 
Landhäuser, in denen die wohlhabenden Bewohner der 
Stadt die Sommermonate verbringen. Man merkt, daß 
man sich einer reichen und gewerbthätigen Stadt nähert; 
fortwährend begegnet man Karawanen, die Produkte 
entweder in die Stadt oder von dort ins Land hinaus 
führen. Immer ist der Boden Flugsand, in den die 
Pferde bis über die Hufen einsinken, aber bei ausreichender 
Bewässerung trägt er reichlich, und die Provinz Sahet ist 
der fruchtbarste und reichste Theil Tunesiens. Endlich 
erscheint im sinkenden Glanze der Sonne Susa mit seinen 
glänzend weißen Mauern, seiner hochragenden Kasbah, 
seinen Minarets und dem Kasr er-Rbat am Meeres 
strande und über das wüste Todtcnfeld mit seinen sand 
verwehten Gräbern, das die Stadt wie alle Maurenstädte 
umgiebt, erreichen die Reisenden das Thor und das Hotel 
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