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Full Text: Globus, 53.1888

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Äschnst für Jänder 
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Band IIII. 
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ö 13. 
ffiti besonderer HerürbsrchirgunA der Ethnologie, der Duliurberbülinisse 
und des Welibundels. 
B e g r ü n d e t von Karl Andrer. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben van 
Dr. Emil Deckert. 
^ Jährlich 2 Bände a 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten i noo 
^rstuni^rcetß zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. I OOO 
Die neueren Forschungen am oberen Hoangho. 
Die Landschaftsbilder, welche durch die nagende Thätig 
keit der Tributärströme des Gelben Flusses in dein mitt 
leren Kansn, sowie in den daran anstoßenden Districten 
von Tibet geschaffen worden sind, sind von einer unbeschreib 
lichen Großartigkeit, und sowohl Prshcwalski als auch 
Potanin und die Berichterstatter der Szechenyi'schcn Expedi 
tion — Kreitner und Losch — werden nicht müde, den 
selben ihre Bewunderung zu zollen. Düstere, wilde 
Schluchten mit jähen, nackten Wänden aus Löß, Sand 
stein , Kalkstein, Gneiß und Granit contrastiren mit 
grünen, reich angebauten Ebenen, und von den Anhöhen, 
die zwischen den Stromthälern liegen, hat man die zauber 
haftesten Fernsichten. So sagt Prshcwalski beispielsweise 
von dem Gebirgsrücken, der zwischen dem Dscharyn-Gol 
und dem Hoangho liegt: Ein großartiges Panorama brei 
tete sich zu unseren Füßen aus, als wir die Paßhöhe erreicht 
hatten. Riesige Berge lagen vor uns im Norden, sowie 
hinter uns im Süden, und dieselben tauchten ihre Spitzen, 
die zum Theil von ewigem Schnee bedeckt sind, in die 
Wolken. Dazwischen lagen Thäler, die theils lieblich und 
grün, theils felsig und fruchtbar waren. Wohin sich das 
Auge auch wendete, es erblickte ein großartiges, erhabenes 
Bild. Man beneidete den Adler, der sich in die Lüfte 
heben und über all die Herrlichkeit leicht hiuwegschweben 
kann, und zugleich kam einem die Nichtigkeit des mensch 
lichen Daseins und die Kleinheit des eigenen Ichs zum 
vollen Bewußtsein. 
Besonders großartig ist das Thal desTetnng-Gol, der 
als der weitaus bedeutendste Abfluß des glctscherbedeckten 
Globus Vitt. Nr. 13. 
Nan-schan gelten muß. Derselbe strömt zuerst auf einer 
ausgedehnten Strecke in einem Längsthale zwischen zwei 
Parallelketten des genannten Gebirges ostsüdöstlich, bricht 
dann unterhalb des Klosters Tschertynton in südwestlicher 
Richtung durch die südliche Kette hindurch, und erreicht, 
abermals in einem Längsthale (zwischen der Verlängerung 
des Kukunor-Gebirges und dem eigentlichen Nan-schau) 
fließend, oberhalb Sin-tscheng den Hoangho. Die Glanz 
punkte der Tetung-Gol-Scenerie liegen natürlich bei seinem 
Ouerdurchbruche, und vor diesem erhebt sich auch am linken 
Ufer des Flusses die genannte Tempel- und Klosterstadt, in 
der 800 buddhistische Mönche (Lamas) ein träges und be 
schauliches Leben führen, ohne viel an die Verwerthung und 
Bebauung der kulturfähigen Ländereien rund herum zu 
denken (S. Abbildung k und 2). Prshcwalski besuchte 
Tschertynton sowohl im Jahre 1872 als auch im Jahre 1880. 
In dem Längsthale zwischen dem Kukunor-Gebirge 
und dem eigentlichen Nan-schan fließt dem Tetung-Gol der 
Sinin-Gol — sein beträchtlichster Nebenfluß — zu, und 
an diesem letzteren liegt in einer Weitung des Thales die 
große Stadt Sinin, die etwa 60 000 Einwohner zählt, 
und die den genannten russischen und österreichischen For- 
schungsreisenden wiederholt als Quartier diente. Unter den 
Schluchten, die der Sinin-Gol (der in seinem Unterlaufe 
auch Rimbi-Muren genannt wird) durch den Löß in den 
Kalkstein und Granit eingegraben hat, ist die von Lan-va-sia 
die gewaltigste. In ihr beobachtete die Potanin'sche Expe 
dition auch eine Anzahl großer Riesentöpfe, die gleichfalls als 
Erosionswirkungen zu denken sind. Die größeren Thalweitnn- 
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