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Full Text: Globus, 53.1888

Wrt besonderer Herürbsrchtrgung der Ethnologie- der Kulturderhältnisse 
und des Melthnndels. 
Begründet von Karl Andrer. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben non 
Do. Emil Deckert. 
Braunschweig 
Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 
zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. 
1888. 
Die a u st r a l i 
Von R. v. ; 
Als ich mich vor einigen Jahren in Sydney mit der 
Frage zu beschäftigten begann, ob es in Australien ebenso 
wie in anderen Kontinenten eine „Eiszeit" gegeben habe, 
fand ich, daß die Angaben über diesen Gegenstand recht 
wenig befriedigender Art waren. 
Einige Autoren meinten, sie hätten Spuren von Glet 
schern in Australien beobachtet, andere behaupteten, die be 
treffenden glatten Felsen und Trümmeranhäufungen hätten 
mit Gletschern nichts zu thun, — keiner ging jedoch ins 
Gebirge, um dort Gletscherspuren zu suchen, wo man sie 
in erster Linie und in größtem Maßstabe erwarten könnte. 
Um diese Frage zu lösen, unternahm ich zwei Expe 
ditionen nach den Australischen Alpen, und es gelang mir 
auch, ganz unzweideutige Spuren einer einstigen Ver 
gletscherung dort aufzufinden. 
Ehe ich jedoch ans die Resultate dieser Expeditionen 
eingehe, erscheint cs mir aber wünschenswerth, einen Blick ans 
das gegenwärtige Klima dieses Gebirges zu werfen. 
Die Australischen Alpen erstrecken sich von 37" 40' bis 
35" südl. Br. und liegen demnach in einer ähnlichen Breite 
wie die Sierra Nevada und der Elbrus auf der nördlichen 
Hemisphäre. Sie sind also dem Aequator um 10" näher 
als die europäischen Alpen. 
An der benachbarten Küste ist es im allgemeinen in 
Australien kälter wie in entsprechender Breite in Europa. 
In Melbourne, südlich von den Australischen Alpen, beträgt 
die Mitteltemperatur des Jahres -ft 14,1", während der 
Juli — der kälteste Monat — eine Mitteltemperatur von 
-ft 8,7" hat. Die in Melbourne bis jetzt beobachteten 
Globus LIII. Nr. 17. 
sche Eiszeit. 
endenfeld. 
Maxiina betrugen 44" im Schatten und 70" in der Sonne; 
das Minimum aber — 3". Wenige Breitengrade nördlich, 
im Innern des Landes, ist es aber viel heißer, und dort wird 
nicht selten eine Temperatur von -ft 54" beobachtet. 
Im Gebirge ist es natürlich viel kälter als an der Küste, 
und im Innern des Landes und so weit meine Beobachtungen 
reichen, nimmt die Temperatur mit der Höhe in den Austra 
lischen Alpen viel rascher ab, als in den europäischen. Es 
ist dies wohl auf die geringe Horizontalausdehnnng der 
Australischen Alpen im Vergleich zu den europäischen zurück 
zuführen. 
^chnee fällt im Gebirge sehr häufig und weit hinab 
bis in die tiefsten Thäler. Unter 1000 m bleibt der Schnee 
aber nicht lange liegen, während er in Höhen von 1000 
bis 2000 m in der Regel zwei bis drei Monate lang an 
dauert. Ueber 2000 m endlich trifft man an geeigneten 
Stellen zu jeder Jahreszeit, und auch im Hochsommer, Schnee 
an. Diese permanenten Schneefelder sind die Reste 
mächtiger Schneewehen, welche im Winter entstehen. Die 
selben erscheinen als lange Bänder, sowie als Reihen von 
Flecken, welche der Kammliuie entlang ziehen und sich dicht 
unterhalb derselben halten. Man findet diese Schneefelder 
ausschließlich an den östlichen Hängen, woraus geschlossen 
werden kann, daß die vorherrschenden Winterwinde West 
winde sind. 
Solche permanente Schneeflecken finden wir in den 
europäischen Alpen, speciell in den Ostalpen — die, wie 
erwähnt, 10" weiter vom Aequator ab liegen — erst in 
bedeutenderen Höhen, woraus deutlich hervorgeht, daß in 
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