Buchbesprechungen
tümern, namentlich vaterstädtischen und vaterländischen Inhaltes“, umfassen
sollte. Am 11. Oktober 1863 hatte das neugegründete Museum in einem gemie
teten Gebäude seine Schätze zum ersten Male einem größeren Publikum er
schlossen. Nach weiteren 25 Jahren kräftigen Wachstums wurden die Samm
lungen 1888 der Obhut der städtischen Behörden übergeben. Der Oberbürger
meister, Franz Adickes, stellte als Zielsetzung für einen Neubau heraus, das
Museum sollte neben dem „Verständnis für die Natur- und Culturentwicklung
der engeren und weiteren Heimat . . . vor allem durch die Vorführung der
großen auch für die heimatliche Entwicklung bestimmenden Thaten der neuesten
deutschen Geschichte vaterländischen Sinn . . . pflegen und die Begeisterung für
Deutschlands Größe . . . wecken“. Ein Kaisersaal mit einem Kaiser-Wilhelm-
Denkmal schwebte dem offenbar in erster Linie politisch-pädagogisch interessier
ten Bürgermeister als monumentaler Höhepunkt des neu zu schaffenden Ge
bäudes vor. Wir können daraus folgern, dieser Angehörige einer neuen Genera
tion sah nicht mehr das Aufblühen und die Erkenntnis der Naturwissenschaften
als das Wichtigste an, das man der Nachwelt - vor allem der Jugend - bewahren
sollte, sondern die aufrüttelnden Ereignisse der Jahre von 1864/66 und 70/71.
Vom vaterstädtischen Interesse weitete sich so das Aufgabengebiet des Museums
zum Raum der engeren und weiteren Heimat. Zugleich wurde aber auch eine
weise Beschränkung durch einen neuen Namen gesetzt: „Altonaer Museum für
schleswig-holsteinische Volks- und Landeskunde“.
Eine von 1888-99 wirkende städtische Museumskommission brachte das ganze
Unternehmen außerordentlich vorwärts, Natur- und Geisteswissenschaften ran
gen miteinander. Der Senator Alexander Baur vertrat vorwiegend die kultur
geschichtlichen und der Senator Heinrich Meyer die naturwissenschaftlichen Be
lange. Von dem gerade in Berlin neueröffneten Museum für deutsche Volks
trachten wurden schleswig-holsteinische Trachten übernommen. Statt des monu
mentalen Kaisersaales wünschte man jetzt eine zentrale Ruhmeshalle, wie sie
gerade in Stockholm im Nordischen Museum entstand.
Aus den scheinbar so divergierenden Interessenbereichen schuf der 1899 be
rufene Leiter, Otto Lehmann, ein einheitliches Ganzes. In den 25 Friedensjahren
war eine dritte Generation herangewachsen, die von einem einheitlichen Weltbild
beherrscht war. Heimat, Volkskunde, Kultur und Geschichte ordnete sich für
sie-so wie der einzelne Mensch - in das große Geschehen der Natur ein. Otto Leh
mann war Pädagoge und Naturwissenschaftler. Als Schüler Haeckels und Kirch-
hoffs sah er auch die Volkskunde als eine Naturwissenschaft mit integrierend
historischem Einschlag an. Die Erde war für ihn das Erziehungshaus des Men
schen. So wurde das Museum bei seiner Wiedereröffnung 1901 im neuen Gebäude
Ausdruck eines ganzheitlichen Welt- und Wissenschaftsbildes, das nur durch die
Auswahl des Dargestellten den heimatlichen Charakter betonte. In dem einst
als Ruhmeshalle geplanten, durch zwei Stockwerke reichenden Mittelbau gaben
jetzt in Lebensbildern aufgestellte Tiergruppen als Höhepunkt des Museums
dem Beschauer einen unmittelbaren Eindruck von den in Deutschland lebenden
Tieren und ihrer Lebensweise. Durch die anschließende Darstellung der Ent
wicklungsgeschichte des Menschen und der Tiere sowie der Erde selbst und der
Verhältnisse im All wurde die Verbindungslinie zur großen Welt des Unend
lichen geschaffen, in die das Leben des Volkes eingebettet war. In der Dar-
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