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lit besonderer HerückstcktiZung äer Antkroxologie unä GtknoloZie .
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Verbindung mit Fachmännern und Künstlern herausgegeben von
Karl A n d r e e .
. December Monatlich 4 Nummern . Halbjährlich 3 Thlr . Einzelne Nummern , soweit der Vorrath reicht , 4 Sgr . 1871 .
Von Madrid nach Salamanca .
ii .
Bevor wir unsere Fahrt über Segovia nach Salamanca antraten , machten wir einen Ausflug gen Osten hin , nach Cuenca , das etwa dreißig Leguas von Madrid entfernt liegt . Man berührt unterwegs die kleine Stadt Arganda , bei welcher ein vortrefflicher Rothwein wächst , der voll ist und eine starke Blume hat ; in den Schänken Madrids wird er nicht weniger geschätzt , wie der von Valdepenas und Ca - rinenon . Bei Fnentiduena del Tajo überschreitet man den Fluß und gelangt nach Taraucou am Flusse Riauzares . Nach diesem ist der bekannte Günstling der Königin Marie Christine benannt worden ; der Vater dieses Herzogs von Rianzares war Tabacksverkäuser in Taraneon .
Es macht in dem so holzarmen Mittlern Spanien einen angenehmen Eindruck , hier endlich einmal wieder Waldun - gen zu sehen . Berge und Hügel sind hier mit alten Eichen und mächtigen Fichten bestanden . Diese Pinares oder Fichtenbestände sind seit lange berühmt und haben einen nicht geringen Theil des im Escurial verwandten Holzwerkes ge - liefert ; sie gelten auch für reich au allerlei Wild , und die Könige haben dort manchmal große Jagden veranstaltet .
Cuenca ( — es ist unrichtig , Cuenxa zu schreiben — ) , die alte Hauptstadt der westgothischen Könige , erinnert in mancher Beziehung an Toledo . Sie liegt auf einem steilen Felsen , unter welchem der Fluß mit seinem klaren Wasser dahin rauscht . Ueber denselben und an verschiedenen Schlnch - ten hat man acht Brücken gebaut ; manche Straßen sind theilweis in Fels gehauen worden , und dabei krumm und
Globus XX . Nr . 22 . ( December 1871 , )
steil . Es giebt an der Seite , welche dem Flusse zu liegt , Häuser mit nicht weniger als zwölf Geschossen ; die eine Wand derselben ist dem Jucar zugekehrt , die andere der Straße in der Stadt selbst . Das merkwürdigste Gebäude ist auch hier die Kathedrale , deren Bau bis in den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts hinaufsteigt , doch stammen einige Theile aus den Zeiten Karl's des Fünften oder Phi - lipp's . Beachtung verdienen die Statuen , Basreliefs und Säulen von fchönem Marmor , sodann die Holzschnitzereien in einigen Capellen und die Nejas oder eisernen Gitter , welche ganz vortrefflich gearbeitet sind . Dazu kommen die merkwürdigen Sculpturen von Tanete und schöne Glas - gemälde aus dem sechszehnten Jahrhundert .
Die Stadt ist ohne Frage eine der interessantesten in Spanien , hat aber jetzt nur etwa 10 , 000 Einwohner und weder Industrie noch Handel . Einst hatte sie großen Ruf ; sie ist die Heimath der Familien Mendoza und Albornoz , und im sechszehnten Jahrhundert galten ihre Schwertfeger für die besten und geschicktesten im Lande . In der Samm - lung eines Herrn Spitzer befindet sich eine eigeuthümliche Daga , ein Dolch für die linke Hand ; auf der Klinge steht : Homnia vincid amor ( sie ! ) , und auf der andern Seite : Didacus ( Diego ) de Cuenca me faciebat . Im Ganzen ist ein Abstecher nach Cuenca lohnend , und die Aussicht von der Kathedrale über die Umgegend und bis zum Gebirge sehr erfreulich .
Wir kehrten nach Madrid zurück , um ohne längern Aus -
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