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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 71/72.1975/76

Buchbesprechungen 
Eine jeweilige Bezugnahme auf das frühchristliche Fußbodenmosaik in der 
Friedhofskirche von Teurnia (Kärnten) im Zusammenhang mit Gedanken zur 
Symboldeutung veranlaßte den Herausgeber, im vorliegenden Band drei unter 
einander verschiedenartige Aufsätze zu vereinigen. 
Der Beitrag von Gustav A. Küppers-Sonnenberg : Flechtwerk, Knotenband 
Und Knotendrachen (unter gleichem Titel bei gleichem Umfang bereits in Carin- 
thia I 158, 1968, 479-601 erschienen) breitet in Wort und Bild eine Fülle von 
Material aus. Der Verf. geht dabei auch kurz auf „Lebensbäume“ ein, die er 
sowohl auf dem Fußbodenmosaik in Teurnia als auch auf einer im dortigen 
Museum ausgestellten und aus Privatbesitz erworbenen Steinplatte mit Wein 
rankendekoration zu erkennen glaubt. Nun dürfte aber gerade das letztgenann 
te Denkmal in der römischen Kaiserzeit entstanden sein - eine stilistische 
Analyse legt eine solche Datierung nahe -, weshalb keine unmittelbare inhalt 
liche Verbindung mit dem Mosaik mehr besteht. Noch weniger vergleichbar ist 
mit dem Mosaik aus stilistischen Gründen ein Steinkapitell in Bled (Slowenien), 
das vom Verf. viel zu früh angesetzt wird. An diesem Beispiel wird eine 
Schwäche der Arbeit deutlich: das zu leichtfertige Umgehen des Autors mit der 
Chronologie. Bedenklich stimmen zum anderen allzu großzügige Einzelver 
gleiche von Erscheinungen in völlig verschiedenen geographischen Bereichen. So 
bleiben die vom Autor ohne die ordnenden Kriterien von zeitlicher und räum 
licher Bezogenheit aufgezeigten Ähnlichkeiten von Ornamentformen häufig 
e ben nur bloße Feststellungen. Gerade im Rahmen einer Deutung von Sym 
bolen würden aber detaillierte Studien über einzelne Erscheinungsformen in 
e nger begrenzten geographischen und historischen Bereichen sicherlich wesentlich 
Weiterführen. 
Posthum wurde der bereits in Carinthia I 159, 1969, 445-460 erschienene 
Aufsatz von 'Wilhelm Haiden: Das Mosaik von Teurnia, nochmals abgedruckt. 
In diesem „Versuch einer Deutung aus symbolischer Sicht“ konnte der Verf. 
seine fundierten Kenntnisse auf den Gebieten der Religions- und Kulturge 
schichte sowie der Symboldeutung unter Beweis stellen. Allerdings wird man 
sich fragen müssen, ob sowohl beim Auftraggeber Ursus, beim ausführenden 
Handwerker, wie auch beim damaligen Betrachter des Fußbodenmosaikes von 
Teurnia ein auch nur annähernd umfassendes Wissen um theologisch-symboli 
sche Zusammenhänge vorausgesetzt werden durfte. Wir möchten dies für kaum 
Wahrscheinlich halten. Und dies umso weniger, als sich Aufteilung und Um 
rahmung der einzelnen Bildfelder wie auch die Mehrzahl der in ihnen darge 
stellten Themen in zeitgleichen (und qualitativ durchaus höher einzuschätzen 
den) Mosaikböden finden lassen, für deren Ornamentschatz wiederum die römi 
sche Antike vorbildlich war. Auf der Suche nach Vorbildern und Entsprechun 
gen braucht man sich nur im Bereich der kirchlichen Architektur der oberen 
Adria und des südöstlichen Alpenraumes umzutun; das gleiche galt auch für das 
beginnende 6. Jahrhundert, die Entstehungszeit des Teurniamosaikes. 
Der dritte Aufsatz (Alice Schulte: Das Mosaik von Otranto) stellt einen 
Wertvollen Beitrag zur Ikonographie der romanischen Kunst Süditaliens dar. 
Erst sein Untertitel „Ein Vergleich mit dem Mosaik von Teurnia“ mag sein 
Erscheinen in diesem Band bis zu einem gewissen Grade rechtfertigen. Gegen 
über dem Hauptteil des Aufsatzes, der nur dem süditalienischen Mosaik ge- 
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Volkskunde, 72. Jahrgang 1, 1976 
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