Buchbesprechungen
Eine jeweilige Bezugnahme auf das frühchristliche Fußbodenmosaik in der
Friedhofskirche von Teurnia (Kärnten) im Zusammenhang mit Gedanken zur
Symboldeutung veranlaßte den Herausgeber, im vorliegenden Band drei unter
einander verschiedenartige Aufsätze zu vereinigen.
Der Beitrag von Gustav A. Küppers-Sonnenberg : Flechtwerk, Knotenband
Und Knotendrachen (unter gleichem Titel bei gleichem Umfang bereits in Carin-
thia I 158, 1968, 479-601 erschienen) breitet in Wort und Bild eine Fülle von
Material aus. Der Verf. geht dabei auch kurz auf „Lebensbäume“ ein, die er
sowohl auf dem Fußbodenmosaik in Teurnia als auch auf einer im dortigen
Museum ausgestellten und aus Privatbesitz erworbenen Steinplatte mit Wein
rankendekoration zu erkennen glaubt. Nun dürfte aber gerade das letztgenann
te Denkmal in der römischen Kaiserzeit entstanden sein - eine stilistische
Analyse legt eine solche Datierung nahe -, weshalb keine unmittelbare inhalt
liche Verbindung mit dem Mosaik mehr besteht. Noch weniger vergleichbar ist
mit dem Mosaik aus stilistischen Gründen ein Steinkapitell in Bled (Slowenien),
das vom Verf. viel zu früh angesetzt wird. An diesem Beispiel wird eine
Schwäche der Arbeit deutlich: das zu leichtfertige Umgehen des Autors mit der
Chronologie. Bedenklich stimmen zum anderen allzu großzügige Einzelver
gleiche von Erscheinungen in völlig verschiedenen geographischen Bereichen. So
bleiben die vom Autor ohne die ordnenden Kriterien von zeitlicher und räum
licher Bezogenheit aufgezeigten Ähnlichkeiten von Ornamentformen häufig
e ben nur bloße Feststellungen. Gerade im Rahmen einer Deutung von Sym
bolen würden aber detaillierte Studien über einzelne Erscheinungsformen in
e nger begrenzten geographischen und historischen Bereichen sicherlich wesentlich
Weiterführen.
Posthum wurde der bereits in Carinthia I 159, 1969, 445-460 erschienene
Aufsatz von 'Wilhelm Haiden: Das Mosaik von Teurnia, nochmals abgedruckt.
In diesem „Versuch einer Deutung aus symbolischer Sicht“ konnte der Verf.
seine fundierten Kenntnisse auf den Gebieten der Religions- und Kulturge
schichte sowie der Symboldeutung unter Beweis stellen. Allerdings wird man
sich fragen müssen, ob sowohl beim Auftraggeber Ursus, beim ausführenden
Handwerker, wie auch beim damaligen Betrachter des Fußbodenmosaikes von
Teurnia ein auch nur annähernd umfassendes Wissen um theologisch-symboli
sche Zusammenhänge vorausgesetzt werden durfte. Wir möchten dies für kaum
Wahrscheinlich halten. Und dies umso weniger, als sich Aufteilung und Um
rahmung der einzelnen Bildfelder wie auch die Mehrzahl der in ihnen darge
stellten Themen in zeitgleichen (und qualitativ durchaus höher einzuschätzen
den) Mosaikböden finden lassen, für deren Ornamentschatz wiederum die römi
sche Antike vorbildlich war. Auf der Suche nach Vorbildern und Entsprechun
gen braucht man sich nur im Bereich der kirchlichen Architektur der oberen
Adria und des südöstlichen Alpenraumes umzutun; das gleiche galt auch für das
beginnende 6. Jahrhundert, die Entstehungszeit des Teurniamosaikes.
Der dritte Aufsatz (Alice Schulte: Das Mosaik von Otranto) stellt einen
Wertvollen Beitrag zur Ikonographie der romanischen Kunst Süditaliens dar.
Erst sein Untertitel „Ein Vergleich mit dem Mosaik von Teurnia“ mag sein
Erscheinen in diesem Band bis zu einem gewissen Grade rechtfertigen. Gegen
über dem Hauptteil des Aufsatzes, der nur dem süditalienischen Mosaik ge-
9
Volkskunde, 72. Jahrgang 1, 1976
129