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Reinhard Peesch
spiel im Plattdeutschen Wörterbuch Dähnerts von 1781, das Wort verstanden wird als
,eine Fisch- und Herings-Lage, und kleine Häuser dazu am Strande 4 . Anderen
kommt aber eine größere Bedeutung zu. Auf Rügen sind zu nennen die Fitte auf
Wittow, die in älterer Zeit die „grote Vitte“ genannt wird und die jene alte Bezeich
nung als Ortsnamen erhalten hat, und die Fitte bei Göhren auf Mönchgut, die durch
die Sturmflut des Jahres 1663 zerstört worden ist. Zwei der drei mittelalterlichen
„gemeinen Landwege“ Rügens laufen bis zur Fitte auf Wittow, und der dritte führt
über Mönchgut, die Göhrener Fitte berührend, bis zum Thießower Höft. 41 Daß
diese alten Landstraßen, die unter dem besonderen Schutz des Landvogts und unter
seiner Gerichtsbarkeit standen, vor allem dem Landverkehr nach den Fitten dienten,
unterliegt keinem Zweifel und unterstreicht ihre wirtschaftliche Bedeutung. Der
Fitte auf Hiddensee, die ebenso die Bezeichnung als Ortsnamen bewahrt hat, kommt
gleichfalls der Rang eines größeren Fischerei- und Aufkaufplatzes zu. Ferner gab
es eine Fitte an der Grenze zwischen Darß und Fischland, bei Ahrenshoop ge
legen. Ihre Lage und ihre große Ausdehnung mit vier getrennten Quartieren, die
nach den topographischen Abrissen und Aufzeichnungen des Tilemann Stella aus der
Zeit um 1580 annähernd zu bestimmen sind, 42 kennzeichnen sie als ein Fischereilager
von größerer Bedeutung.
Über die Tätigkeit der Fischer und Kauf leute in diesen Fitten wissen wir weit we
niger als von den schonenschen Orten. Doch dürfen wir aus mancherlei Anzeichen
annehmen, daß hier das gleiche Leben und Treiben geherrscht hat wie dort, wenn auch
der Fischfang und der Fischhandel an unserer Küste niemals den Umfang der schonen
schen Plätze erreicht haben. Wie auf Schonen war die Heringsfischerei auf den deut
schen Fitten eine Saisonfischerei, an der Wittowschen Küste auf den Herbst und an
der Mönchguter, Hiddenseer und Darßer Küste auf das Frühjahr beschränkt. In die
sen Jahreszeiten fuhren die Fischer — wie in Dänemark keine Berufsfischer, sondern
vor allem Bauern aus den küstennahen Dörfern und vielleicht auch Leute aus den
Städten — mit ihren Booten und Fanggeräten in die großen Fischereilager, um sich
am Heringsfang zu beteiligen. Und es waren nicht nur die Dörfler aus der näheren
Umgebung der Fangplätze, sondern auch Leute aus weit entfernt liegenden Orten,
die an der gewinnbringenden Fischerei teilnahmen. So müssen wir uns in unseren
Fitten das gleiche Bild vorstellen, das wir von den nordischen Plätzen kennen: Die
Fischer aus den verschiedensten Landschaften Rügens, von der vorpommerschen
und hinterpommerschen Küste, auch von Mecklenburg (es ist zum Beispiel bekannt,
daß die Warnemünder regelmäßig an der Küste des Fischlandes und des Darß
fischten) lebten und arbeiteten am Strand nebeneinander, wie sie auch auf See neben
einander ihre Netze setzten. Hier in den Fitten wurden alljährlich zur Fangsaison
Erfahrungen ausgetauscht und neue Fanggeräte abgesehen und ausprobiert. Und
von hier wurden alle Neuerungen und Verbesserungen in die Heimatdörfer ge
tragen.
41 Das rügische Landrecht des Matthaeus Normann, bearbeitet von Georg Frommhold.
Stettin 1896, S. 7h
42 Willi Bastian: Die Hafen- und Stromburgen im ehemaligen Land Barth und die Burg
und Vitte in Ahrenshoop. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg, Jahrbuch 1959, S. 192ff.