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Inhalt / Download : Anthropos, 89.1994,1/3

Eigenbilder, Fremdbilder, Naturbilder 
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Anthropos 89.1994 
ziproke Stereotype). Ein durch eine andere Grup 
pe der Eigengruppe zugeschriebenes Fremdstereo 
typ wird aber von der betreffenden Gruppe man 
ches Mal selbst geteilt (eigene Daten: Makasar 
in Ujung Pandang, Indonesien; Horowitz 1985: 
167 ff., 234). Als sich selbst erfüllende Voraus 
sage (self fulfilling prophesy) kann ein solches 
Stereotyp sich dadurch beim Urheber des Vorur 
teils stabilisieren. In besonderen Situationen kann 
es sogar zu kollektivem Selbsthaß kommen, wie 
das Beispiel der Navaho nach dem Kontakt mit 
technisch überlegener westlicher Kultur zeigt. Eth 
nische Stereotype werden aber, das sollte nicht un 
terschlagen werden, auch durch diskriminierende 
Tatsachen selbst reproduziert. So sind tatsächlich 
fast alle Filipinas in Hongkong schlecht bezahlte 
Hausangestellte und tatsächlich sind fast alle ja 
panischen männlichen Touristen in Asien Sextou 
risten. 
2.2.5 Was und wie stark wird ethnozentrisch 
wahrgenommen und bewertet? 
Die Spannweite der potentiellen Ziele und auch 
der Intensität ethnozentrischer Weitsicht ist breit. 
Aus der allgemeinen Ethnologie weiß man, daß be 
sonders stark Vorstellungen von Raum und Zeit 
und Konzepte von Individualität und Intimität eth 
nozentrisch geprägt sind (allerdings in Grenzen; 
vgl. Bloch 1977). Solche Vorstellungen bleiben 
zwar für das Individuum allesamt meist unbewußt, 
haben aber eine starke emotionelle Bedeutung, was 
am Unbehagen deutlich wird, wenn sie woanders 
nicht passen oder von anderen Menschen nicht 
erfüllt werden. Schon Ethnizität macht sich oft an 
kleinen bzw. oberflächlichen Merkmalen fest, die 
weder Nachbargesellschaften noch die Obergesell 
schaft stören müssen, wie Moerman (1974: 58) am 
Beispiel der Lue in Thailand zeigte. Aber sie kön 
nen störend werden und Anlaß zu Ethnozentrismus 
sein. Von isolierten Details, wie dem “menschen 
unwürdigen” Essen beim Mittelmeerurlaub, reicht 
das Spektrum bis hin zu ganzen Kategorien von 
Menschen, ganzen Gruppen oder Völkern oder 
sogar Kontinenten. (Beispielsweise bildet schon 
seit einiger Zeit Afrika und neuerdings die “Drit 
te Welt” als Ganzes in Deutschlands Medien ein 
Feindbild.) Auch Weltbilder bzw. Religionen wer 
den insgesamt ethnozentrisch gesehen. Ein be 
kanntes Beispiel ist der christliche Antijudaismus; 
ein sehr aktuelles ist die Zusammenziehung des 
tatsächlich sehr vielfältigen Islam zu einer mono 
lithischen “Religion des Bösen” (Kappert; mündl. 
1992), die archaisch, barbarisch, infam, heuchle 
risch, fanatisch und grausam sei und von bleichen, 
fetten, listigen Männern Gottes verbreitet werde. 
Zur Intensität von Ethnozentrismus kann man 
wenig Verallgemeinerndes sagen; sie ist regional 
und historisch sehr unterschiedlich und vom je 
weiligen Kontext abhängig. All diese Dualisierun- 
gen, bzw. die allgemeine Dichotomie im Welt 
bild und im Handeln, sind tendenziell geeignet, 
über die Trennung im Bewußtsein hinaus zu ei 
ner tatsächlichen kommunikativen oder gar repro 
duktiven Trennung zwischen ethnischen Gruppen 
(seclusion, pseudospeciation; Erikson 1964) beizu 
tragen. Bekanntlich kann Ethnozentrismus so weit 
gehen, Fremdgruppen das kulturelle Existenzrecht 
oder gar das Lebensrecht abzusprechen, was zum 
kulturellen Tod (Ethnozid) oder zum Genozid der 
betroffenen Gruppen führen kann. 
2.2.6 Was bedeutet Ethnozentrismus 
auf der individuellen psychischen Ebene? 
Ethnozentrische Haltungen können unauffällig bis 
selbstverständlich sein, wie etwa oft bei Touri 
sten. Andererseits können sie bewußt und forciert 
sein und evtl, ideologisch auftreten, was bis hin 
zur institutioneilen Verfestigung gehen kann, z. B. 
in Regelungen zum Sprachunterricht vieler armer 
Länder. Ethnozentrismus kann das gesamte Spek 
trum von Erkennen, Wahmehmen, Bewerten, Füh 
len und Reagieren umfassen. Er kann also von der 
Einstellung über den Diskurs bis zum konkreten 
Handeln reichen. Psychisch umfaßt nicht nur ge 
dankliche (kognitive, mentale), sondern auch ge 
fühlsmäßige (emotive, affektive) Dimensionen. 
Im einzelnen kennt man verschiedene Emotio 
nen gegen Fremdgruppen, wie z. B. Ressentiment, 
Ablehnung, Feindlichkeit, Haß, Mißtrauen, Furcht/ 
Angst (Xenophobie), Mißachtung, Peinlichkeit, 
ja z. T. sogar Ekel. In vielen dieser Emotionen 
stecken vor allem Gefühle der Ambivalenz und 
Bedrohung. Die universal zu findenden Begrü 
ßungsrituale weisen auf die psychische Spannung 
bei Kontakten mit fremden Individuen hin. Die 
Selbstdarstellung geht in solchen Begrüßungen oft 
mit Selbsterniedrigung zur Besänftigung und Lin 
derung der Furcht beim anderen einher. Der durch 
Ambivalenz geförderte psychische Spannungs- bis 
Alarmzustand scheint oft zu einer erhöhten Wahr 
nehmung, besonders der Unterschiede zwischen 
dem Fremden und sich selbst, zu führen. Es ist cha 
rakteristisch, daß insbesondere Mitglieder anderer 
Gruppen der Hexerei bezichtigt werden. Für die 
emotionale Dynamik im Ethnozentrismus schei 
nen Ängste eine viel wichtigere Dimension zu
	        
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