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Zeitschrift für Ethnologie, 82.1957

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Bibliographische Daten

Bibliographische Daten: Zeitschrift für Ethnologie, 82.1957

Monographie

Strukturtyp:
Monographie
Werks-URN (URL):
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-707488
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-707488
Persistenter Identifier:
BV040458351
Titel:
Feier des fünfundzwanzigjährigen Regierungs-Jubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Königs
Untertitel:
am 16. Juni 1913 in der Aula
Autor:
Hintze, Otto
Wilhelm
Erscheinungsort:
Berlin
Verlag:
Norddt. Buchdr.
Erscheinungsjahr:
1913
Beschreibung:
Geschichte
Signatur:
Berlin:U31:1913-1925:Univ. Berlin:Gel.-Schr.:F4
Sammlung:
Universitätsgeschichte > Rektoratsreden
Wissensgebiet:
Geschichte

Vorderer Einband

Strukturtyp:
Vorderer Einband
Sammlung:
Universitätsgeschichte > Rektoratsreden

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

  • Zeitschrift für Ethnologie
    -
  • Zeitschrift für Ethnologie, 82.1957
    -

Volltext

  
Buchbesprechungen und Bibliographien 315 
zusammenhängen, ist wahrscheinlich, Zwar übernahm die ältere (finnische) Schicht 
weitgehend die Sprache der Neuankömmlinge, doch Lebensweise und materielle Kultur 
wurden in viel geringerem Maße beeinflußt. „So kann man aus der ethnographischen 
Analyse der Lebensform der Tschuwaschen kein Recht ableiten, sie als ein rein türki- 
sches Volk hinzustellen, wie viele Forscher... bemüht waren" (S. 386). Trotz der spär- 
lichen Quellen scheint deutlich zu werden, daB sich auch hier an der mittleren Wolga 
ein in der Völkerkunde häufig beobachteter Vorgang — die Überschichtung einer sef- 
haften Altbevölkerung durch wandernde Viehzüchter, die ihre Sprache noch durchzu- 
setzen vermögen, aber danach im Bauerntume aufgehen — abgespielt hat. Erst später, 
nicht vor dem 14/15. Jahrhundert, kommt die Berührung mit den Russen hinzu. 
Aus dem umfangreichen Kapitel über die Landwirtschaft sei nur das über die 
altertümlichen Pflüge Gesagte herausgegriffen. Die Zoche der Tschuwaschen (in klaren 
Strichzeichnungen dargestellt) wurde vermutlich seit dem 16. Jahrhundert von den 
Russen entlehnt. Im südlichen Teil des Gebiets, in dem Schwarzerdestreifen vorkom- 
men, wurde ein groBer, von vier bis sechs Pferden gezogener Pflug (Saban) verwandt. 
,Eiserne Pflüge begann man erst im 20. Jahrhundert anzuschaffen, noch 1920 machten 
sie nicht mehr als 10 Prozent aller Ackergeráte aus" (S. 81). Seit dem 18. Jahrhundert 
wird in Berichten die geringe Bedeutung der Viehzucht in der Gesamtwirtschaft ver- 
merkt. 
Dem Kapitel über Handwerk und Gewerbe, aus dem die Darstellung und Be- 
schreibung alter Webstühle hervorgehoben sei, folgt eine Betrachtung der Gehóft- 
ordnungen und Siedlungsformen, welche durch Kartenskizzen veranschaulicht werden. 
In den Haustypen, die sich durch reiches Schnitzwerk auszeichnen, ist — wie Verfasser 
betont — kein türkischer Einfluß spürbar, der bei den benachbarten Tataren und 
Baschkiren noch nachklingt. 
Im 7.Kapitel wird auf 95 Seiten mit 72 Abbildungen und 8 Farbtafeln bis ins 
Detail die Kleidung der Tschuwaschen dargestellt. Die eigene Tracht ist jetzt im Aus- 
sterben begriffen, manches konnte nur noch mit Hilfe alter Zeichnungen oder Foto- 
grafien rekonstruiert werden. Gerade die Tracht, nach Landschaften ein wenig variiert, 
zeigt manche Anklànge an turksprachige Nachbarn. — Zum Schluf wird die Ernáhrung 
behandelt. 
Das Literaturverzeichnis führt 519 Titel über die Tschuwaschen an, davon 96 Pro- 
zent in russischer Sprache. 30 Bücher oder Aufsátze sind in Tschuwaschisch erschienen. 
AuBerdem sind 28 Handschriften ausgewertet worden. Da kein Vólkerkundler, selbst 
wenn ihn Sprachschwierigkeiten nicht hemmen, auBerhalb der Sowjetunion auch nur 
der Hälfte dieser Publikationen, Zeitschriften und Reihen habhaft werden kann, ist 
die hier vorliegende Monographie, die zudem — im Hinblick auf die fortschreitende 
Modernisierung — eine vielleicht letzte ethnographische Bestandsaufnahme darstellt, 
sehr zu begrüßen. 
Feldforschung, Befragung von Gewährsleuten, Bearbeitung von Museumsbeständen 
und Literaturstudien sind die Grundlagen für Gegesidzes Buch über die volks- 
tümlichen georgischen Landbefórderungsmittel, welche er aus archáologischer, ethno- 
graphischer und linguistischer Sicht beleuchtet. Der eigentliche Textteil umfaßt 150 
Seiten in georgischer Sprache und Schrift, dem eine 20seitige Zusammenfassung in 
russischer und eine 12seitige in deutscher Sprache folgen. Über 150 Strichzeichnungen, 
47 Fotografien und 2 Karten illustrieren die Ausführungen bis in die letzte Einzelheit. 
Im 1.Kapitel wird die geographische Verbreitung der verschiedenen Gefáhrte in 
den Landschaften Georgiens, im zweiten die Typologie (Konstruktion, Techniken bei 
der Herstellung) aufgezeigt. Dem folgen Bemerkungen über das Ausmaß der Ver- 
wendung dieser altertümlichen Fuhrwerke in unseren Tagen der zunehmenden Kon- 
kurrenz moderner Fahrzeuge. Zum Schluß setzt sich der Verfasser mit den Hypothesen 
zur Entstehung des Rades und Wagens auseinander und versucht, die in Georgien 
gewonnenen Erkenntnisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen. 
Das älteste bisher in Georgien gefundene Räderfahrzeug, ein Leichenwagen, wird 
in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Ztw. datiert. Spätere Funde (Tongefäße, Spangen) 
zeigen bildliche Darstellungen von Karren. In altgeorgischen Schriftdenkmälern, z. B. 
Bibelübersetzung, wird sprachlich klar zwischen dem wirtschaftlich genutzten Karren 
und dem Streitwagen, der zu noch nicht ermitteltem Zeitpunkte außer Gebrauch kam, 
  
  
  
  
  
 
	        

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