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Zeitschrift für Ethnologie, 83/84.1958/59

Zugriffsbeschränkung

Für diesen Datensatz liegt keine Zugriffsbeschränkung vor.

Nutzungslizenz

Der Status des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte für diesen Datensatz wurde nicht geprüft oder ist unklar. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen an die Organisation, die das Objekt zur Verfügung gestellt hat.

Bibliographische Daten

Objekt: Sociologus, N.F. 32/34.1982/84

Zeitschrift

Strukturtyp:
Zeitschrift
Werks-URN (URL):
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-714789
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-714789
Persistenter Identifier:
BV041701500
Titel:
Anthropos
Untertitel:
internationale Zeitschrift für Völker- u. Sprachenkunde
Weitere Titel:
Anthropos
Erscheinungsort:
Fribourg
Verlag:
Ed. St. Paul, Anthropos-Institut
Erscheinungsjahr:
1906
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie
Wissensgebiet:
Sozial- und Kulturanthropologie > Allgemeines

Zeitschriftenband

Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Werks-URN (URL):
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-709678
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-709678
Persistenter Identifier:
DE-11-001896209
Titel:
Anthropos, 52.1957
Erscheinungsjahr:
1957
Signatur:
LA 1118-52
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Bd. 52, 1957, Heft 3, 4
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Zeitschriftenartikel

Strukturtyp:
Zeitschriftenartikel
Titel:
Das Problem der Universalgeschichte im Lichte von Ethnologie und Prähistorie
Sonstige Person:
Koppers, Wilhelm
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

  • Sociologus
    -
  • Sociologus, N.F. 32/34.1982/84
    -

Volltext

90 
Berichte 
Es existiert seit langer Zeit in Afrika eine autochthone Zauberei, die als 
„schwarze Magie“ bezeichnet wird, wobei schwarz hier nicht — im Gegensatz 
zu unserem Sprachgebrauch — böse heißt, sondern die Magie der schwarzen 
Afrikaner kennzeichnet. Die schwarze Magie wurde in den meisten Fällen zu 
positiven Zwecken oder nur zur Unterhaltung eingesetzt, aber, wie die Men 
schen nun einmal sind, bisweilen auch mit bösen Absichten. Die schwarze 
Magie wurde dann seit der Ankunft der Europäer überlagert von der „weißen 
Magie“ also der Magie der Weißen. Nach der Überzeugung der Kameruner 
war und ist die weiße Magie in Europa sehr weit verbreitet. Die positiven 
Ausprägungen der Magie in Europa äußern sich in technischen Erfindungen 
wie Flugzeugen, Elektrizität und Radios. Diese technischen Errungenschaf 
ten haben zwar selbst nichts Magisches mehr an sich und werden auch von 
den Afrikanern mit großer Selbstverständlichkeit benutzt, sie können aber 
nach ihren Vorstellungen nur von Zauberern erfunden sein. Die negativen 
Seiten der weißen Magie zeigen sich im Verhalten von Hexen und Vampiren 
in Horrorfilmen und entsprechenden Romanen der Weißen. Als weitere Be 
lege für Magie in Europa dienen den Kamerunern französische Boulevard 
blätter und okkulte Magazine mit Horoskopen, Berichten über Astrologie 
und andere magische Themen sowie Anzeigen für Amulette und Talismane. 
Daß die weiße Magie auch in Afrika eingeführt wurde, hatte ein ganz enor 
mes Anwachsen magischer Praktiken zur Folge. Während die weiße Magie 
in Europa aber überwiegend Positives schafft, treibt sie in Afrika eher ihr 
Unwesen. Insbesondere wurde sie von den Europäern dazu eingesetzt, Macht 
über die Afrikaner zu gewinnen. Zwei Formen dieser Unterwerfung und Aus 
beutung existieren noch heute. 
Die erste Vorstellung beruht darauf, daß Afrikaner unter Versprechungen 
oder durch zweifelhafte Geschäfte ihrer Seele beraubt und nach Europa ge 
bracht werden, wo sie ohne Lohn schwer arbeiten müssen. Als Lockmittel 
dazu werden z. B. Anzeigen in europäischen Zeitschriften angesehen, in denen 
Geschenke, wie billige Schmuckartikel oder Portemonnaies, angeboten wer 
den. Reagiert man auf solche Angebote, indem man einen Informationscou 
pon mit seinem Namen einschickt, so hat man sich der weißen Hexe ver 
pflichtet und gerät in ihre Macht. In der Regel wird man so zu einem schwar 
zen Handlanger der weißen Hexen im fernen Europa, deren Aufgabe darin 
besteht, Afrikaner nach Europa zu schaffen. Der Transport geschieht mit 
besonderen Flugzeugen, die mit Menschenhaut überzogen sein können. Diese 
Vorstellung des durch Versprechungen nach Europa gelockten Afrikaners hat 
durchaus einen realistischen Hintergrund. Betrachtet man im heutigen Paris 
und in anderen französischen Großstädten die Scharen von jungen Afrika 
nern, die entweder arbeitslos sind oder völlig erfolglos irgendwelchen Kitsch 
zu verkaufen suchen, so hat man wohl das Äquivalent zum seelenlosen 
schwarzen Arbeiter in Europa gefunden. 
Bei der zweiten Art der Hexerei der Weißen werden Afrikaner mit List 
und Gewalt auf den Mount Koupé verschleppt, wo sie ohne Lohn auf den 
Plantagen, deren Besitzer und Oberaufseher Weiße sind, arbeiten müssen, 
bis sie nach kurzer Zeit sterben. Viele Fälle von Zauberei, bei denen keine 
unmittelbaren Motive von Verwandten oder Nachbarn nachweisbar sind, wer 
den auf diese Vorstellung zurückgeführt. Aber sogar Nachbarn und Ver 
wandte können, wie beim Zauberlehrling ausgeführt, zu Handlangern der 
Weißen werden. Der Mount Koupé, sicher der am meisten gefürchtete Ort in 
Süd-Kamerun, existiert tatsächlich und liegt ca. 100 km nördlich von Duala.
	        

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