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Objekt: Zeitschrift für Volkskunde, 65.1969

Buchbesprechungen 
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der es als wichtiges Verbindungsglied zu weitgehenden Folgerungen nutzte. 
Sieber vertritt die Auffassung, daß die bekannten Verbote für die Diözese Prag 
von 1366 an eine neue, aus bestimmten Zeitumständen, als Reaktionserschei 
nung auf die vorausgegangenen Pestnöte entstandene Brauchform betrafen, und 
wie er dazu nun in seinem Buch noch ausführlicher argumentiert, kann fraglos 
überzeugen. Daß sich situationsbedingt „vorstrukturelle Brauchelemente zu einer 
Brauchstruktur fügen“ konnten, wie er formuliert, ist gerade für das Spätmittel 
alter auch an anderen Beispielen zu erweisen. Im weiteren läßt Siebers Darstel 
lung nun gut erkennen, wie sich der Brauchkomplex stoßweise, in Etappen ent 
wickelte und verbreitete, und die umsichtig detaillierenden Kapitel über Funk 
tion, Trägerschichten, Formen des Brauchvollzugs und im besonderen des domi 
nierenden Brauchrequisits, zeigen, wie vielfältig er sich dabei von einer frühen 
ethnischen Differenzierung an wandelte. Als brauchgeschichtlich hochbedeutsam 
ist die Koppelung zweier Brauchtypen, des (schon weithin zum Heischebrauch 
der Jugend umgebildeten) Todaustragens mit dem Sommergewinnen - Sommer 
singen, eingehend behandelt. Der Verfasser findet sie spätestens 1545 vollzogen, 
dokumentiert in jenem bekannten, zum Papstaustreiben aktualisierten Brauch 
lied aus Joachimsthal, das Martin Luther von Johannes Mathesius erhalten hatte 
und dann edierte, wozu hier noch allerlei Neues mitgeteilt ist. Unter dem Bezug 
auf die Reformation als geistigen Sommer konnte sich die Brauchverbindung in 
evangelischen Gebieten weiter verbreiten. Zur Frage eines Zusammenhangs zwi 
schen Joachimsthal und dem südwestdeutschen Raum des Odenwalds, für den 
ein „Sommerholen“ 1520, 1537 und 1546 archivalisch bezeugt ist, nimmt der 
Verfasser einen direkten Wanderweg von West nach Ost an. Hier ist nun aber 
doch wohl mit einem weiteren Verbreitungsraum von Heischebräuchen zur 
Sommerbegrüßung zu rechnen, in dem andere Gebiete näher lagen. Zu meinen 
in der Festschrift für Gustav Gugitz, „Kultur und Volk“, Wien 1954, S. 286 f. 
veröffentlichten Belegen für ein von 1547 an über Jahrzehnte obrigkeitlich 
dotiertes „Sommergewinnen“ im oberbayerischen Laufen a. d. Salzach fand ich 
unlängst weitere für das benachbarte Salzburg, von 1535 und mit Erwähnung 
von insgesamt sieben „Parteien“, d. h. Brauchgruppen, vermutlich aus der Schule 
des Stifts St. Peter, von 1546. Das auffallend dichte Beieinander der Daten aus 
verschiedenen Landschaften läßt annehmen, daß sich damals ein neuer Brauch 
typ herausgebildet hatte, wozu der Impuls von den frühjahrszeitlichen Schüler 
festen ausgegangen sein dürfte. 
Zum wichtigen Fragenkreis um Voraussetzungen und Formen der Brauch 
verbreitung liefern Siebers Ausführungen (S. 102 ff.) vom speziellen Fall her 
wertvollen Diskussionsstoff. Der Satz etwa „Sprungausbreitung stand sicherlich 
neben Flächenwanderung in regionalen Buchten“ hat allgemeine Gültigkeit. Als 
Brauchvermittler werden „pauperisierte Kleriker in vorhussitischer Zeit“ ge 
nannt, wichtig waren vom 16. Jahrhundert an die Schulmeister, und wenn ein 
mal (S. 106) von einer „Landschaft ambulanten folkloristischen Gewerbes“ ge 
sprochen wird, so gab es solche auf kargem Boden mehr. 
Für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts stellt Sieber, wieder aus der Reak 
tion auf Pestzeiten, eine neue Welle des Todaustragens fest. Mit ihr scheinen nun 
fränkische Landschaften neu in die Geschichte des Brauches eingetreten zu sein 
und zwar, von Nürnberg abgesehen, wo eine 1674 erstmals bezeugte Sonder
	        
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