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Walter, Sambaqui-Archäologie
Als Sambaquis bezeichnet man die meist kegelförmigen (manchmal auch
doppelkegelförmigen) oder langgestreckten Muschelhügel im Küstengebiet
Brasiliens.
Nach ihrer Lage lassen sich drei Typen unterscheiden, nämlich marine,
lagunäre und fluviale Sambaquis. Marine und lagunäre nehmen dabei den
weitaus größten Anteil an der Gesamtzahl ein. Sie erstrecken sich entlang der
atlantischen Küste Brasiliens (besonders in den Staaten Rio de Janeiro,
Sao Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul) bis etwa 50 km
landeinwärts.
Die marinen Sambaquis liegen in unmittelbarer Nähe der heutigen Küste,
die lagunären dagegen gruppieren sich tief gestaffelt um Lagunen und
Astuaren.
Erstere bauen sich in der Hauptsache aus Meermuscheln auf, während
letztere aus Meer- und Brackwassermuscheln bestehen. In beiden Typen finden
sich nicht selten Fisch- und Seesäugerknochen sowie Knochen von Seevögeln 2 .
Fluviale Sambaquis finden sich an den Unterläufen einiger großer Flüsse
besonders im Amazonas-Mündungsgebiet. Es gibt jedoch auch Berichte von
Sambaquis entlang von Flußläufen im Inland, so am Alto Parana bei
Iguassü 3 . Die fluvialen Sambaquis bestehen aus Süßwassermuscheln. Eingestreut
sind Gehäuse von Landschnecken, Knochen und Gräten von Flußfischen,
sowie Knochen von Vögeln und Landtieren 4 .
Die Muschelhaufen enthalten manchmal menschliche Bestattungen, Artefakte
und Siedlungsspuren (Feuerstellen, Asche- und Holzkohleschichten).
Ihre Größe schwankt beträchtlich. Neben solchen von nur wenigen Metern
Höhe gibt es andere von enormer Ausdehnung. So hatte der 1894 von
v. Ihering untersuchte Sambaqui von Boguajü an der Bahía de Paranaguá/
Paraná bei 100 m Länge und etwa 25 m Höhe einen Inhalt von 750 000 Kubikmetern
5 .
In diesem Aufsatze, dessen Hauptgewicht auf der Sambaqui-Archäologie
liegt, werden nur die marinen und lagunären Sambaquis SO-Brasiliens behandelt.
Sie standen, weil am zahlreichsten, am längsten bekannt und immer
wieder untersucht, seit jeher im Brennpunkt der wissenschaftlichen Diskussion.
2 Eine Liste der in den Sambaquis des Raumes Laguna auftretenden Muscheln
gibt Putzer, 1957 : 175. Weitere Angaben siehe Leonardos, 1938 : 34 ff.
3 Mayntzhusen, 1912.
4 Für die von Putzer, 1957 : 172, angeführten terrestrischen Sambaquis konnte
kein Nachweis gefunden werden. Einzig Serrano, 1938 a : 44, schreibt: „Hay
noticias de existir sambaquis en el interior del país (Matto Grosso).“ Daraus
geht jedoch nicht hervor, ob es sich dabei tatsächlich um terrestrische und nicht
ebenfalls um fluviale handelt.
v. Ihering, 1903 : 446—457. Weitere Größenangaben siehe Putzer, 1957 :
170.
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