Page Banner

Full Text : Baessler-Archiv, 9=34.1961

24

Walter,  Sambaqui-Archäologie
Als  Sambaquis  bezeichnet  man  die  meist  kegelförmigen  (manchmal  auch
doppelkegelförmigen)  oder  langgestreckten  Muschelhügel  im  Küstengebiet
Brasiliens.
Nach  ihrer  Lage  lassen  sich  drei  Typen  unterscheiden,  nämlich  marine,
lagunäre  und  fluviale  Sambaquis.  Marine  und  lagunäre  nehmen  dabei  den
weitaus  größten  Anteil  an  der  Gesamtzahl  ein.  Sie  erstrecken  sich  entlang  der
atlantischen  Küste  Brasiliens  (besonders  in  den  Staaten  Rio  de  Janeiro,
Sao  Paulo,  Paraná,  Santa  Catarina  und  Rio  Grande  do  Sul)  bis  etwa  50  km
landeinwärts.
Die  marinen  Sambaquis  liegen  in  unmittelbarer  Nähe  der  heutigen  Küste,
die  lagunären  dagegen  gruppieren  sich  tief  gestaffelt  um  Lagunen  und
Astuaren.
Erstere  bauen  sich  in  der  Hauptsache  aus  Meermuscheln  auf,  während
letztere  aus  Meer-  und  Brackwassermuscheln  bestehen.  In  beiden  Typen  finden
sich  nicht  selten  Fisch-  und  Seesäugerknochen  sowie  Knochen  von  Seevögeln 2 .
Fluviale  Sambaquis  finden  sich  an  den  Unterläufen  einiger  großer  Flüsse
besonders  im  Amazonas-Mündungsgebiet.  Es  gibt  jedoch  auch  Berichte  von
Sambaquis  entlang  von  Flußläufen  im  Inland,  so  am  Alto  Parana  bei
Iguassü 3 .  Die  fluvialen  Sambaquis  bestehen  aus  Süßwassermuscheln.  Eingestreut ­
  sind  Gehäuse  von  Landschnecken,  Knochen  und  Gräten  von  Flußfischen, ­
  sowie  Knochen  von  Vögeln  und  Landtieren 4 .
Die  Muschelhaufen  enthalten  manchmal  menschliche  Bestattungen,  Artefakte ­
  und  Siedlungsspuren  (Feuerstellen,  Asche-  und  Holzkohleschichten).
Ihre  Größe  schwankt  beträchtlich.  Neben  solchen  von  nur  wenigen  Metern
Höhe  gibt  es  andere  von  enormer  Ausdehnung.  So  hatte  der  1894  von
v.  Ihering  untersuchte  Sambaqui  von  Boguajü  an  der  Bahía  de  Paranaguá/
Paraná  bei  100  m  Länge  und  etwa  25  m  Höhe  einen  Inhalt  von  750  000  Kubikmetern ­
 5 .
In  diesem  Aufsatze,  dessen  Hauptgewicht  auf  der  Sambaqui-Archäologie
liegt,  werden  nur  die  marinen  und  lagunären  Sambaquis  SO-Brasiliens  behandelt. ­
  Sie  standen,  weil  am  zahlreichsten,  am  längsten  bekannt  und  immer
wieder  untersucht,  seit  jeher  im  Brennpunkt  der  wissenschaftlichen  Diskussion.
2  Eine  Liste  der  in  den  Sambaquis  des  Raumes  Laguna  auftretenden  Muscheln
gibt  Putzer,  1957  :  175.  Weitere  Angaben  siehe  Leonardos,  1938  :  34  ff.
3  Mayntzhusen,  1912.
4  Für  die  von  Putzer,  1957  :  172,  angeführten  terrestrischen  Sambaquis  konnte
kein  Nachweis  gefunden  werden.  Einzig  Serrano,  1938  a  :  44,  schreibt:  „Hay
noticias  de  existir  sambaquis  en  el  interior  del  país  (Matto  Grosso).“  Daraus
geht  jedoch  nicht  hervor,  ob  es  sich  dabei  tatsächlich  um  terrestrische  und  nicht
ebenfalls  um  fluviale  handelt.
v.  Ihering,  1903  :  446—457.  Weitere  Größenangaben  siehe  Putzer,  1957  :
170.

5
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.